Aaron Rodgers hat offenbar keine Lust, sich in das Spielsystem von Head Coac... - Bildquelle: imago images / Icon SMIAaron Rodgers hat offenbar keine Lust, sich in das Spielsystem von Head Coach Matt LaFleur pressen zu lassen © imago images / Icon SMI

München/Green Bay - Welch ungewohnte Konstellation für Aaron Rodgers. Nachdem sich der Quarterback der Green Bay Packers seit 2006 Jahr für Jahr mit Head Coach Mike McCarthy auf die Spielzeiten vorbereitet hatte, absolviert der 35-Jährige nun seine erste Saisonvorbereitung unter Matt LaFleur - und bereits jetzt zeichnen sich erste Unstimmigkeiten ab.

Während nämlich viele andere Spieler bei den OTAs das moderne Spielsystem von LaFleur loben, äußert sich der Spielmacher sehr zwiegespalten. Als er von NFL Media auf das offensive Schema angesprochen wurde, lobt der Spielmacher zwar die Vorteile der neuen Formationen, sagt aber auch, dass er sich mehr Freiheiten an der Line of Scrimmage wünscht.

Kurzum: Er möchte vor dem Snap jederzeit die Gelegenheit haben, die Spielzüge noch einmal zu ändern. 

"Ich glaube nicht, dass du das nach elf Jahren bei mir abschalten möchtest", sagt er im Bezug auf seine Fähigkeit, die Defense zu lesen und darauf zu reagieren.

"Es gibt Dinge, die nicht viele Leute in der Liga an der Line machen können. Das ist einfach eine Tatsache. Klar, Tommy (Brady, Anm. d. Red.) kann das, kein Zweifel, Peyton (Manning, Anm. d. Red.) konnte das, Drew (Brees, Anm. d. Red.) kann das, (Patrick, Anm. d. Red.) Mahomes wird das können. Ben (Roethlisberger, Anm. d. Red.) ruft die Zwei-Minuten-Runde schon seit Jahren auf. Es gibt einige von uns, für die das eine Art zweite Natur ist. Und das ist nur das i-Tüpfelchen auf dem, was ich für diese Offense tun kann."

Bereits einen Monat vor Beginn des Trainingslagers deuten sich somit erste Meinungsverschiedenheiten zwischen Superstar und Trainer an. Das hat bei Rodgers eine gewisse Vorgeschichte. Das Verhältnis zu Ex-Trainer McCarthy soll zuletzt ebenfalls unter Streitereien gelitten haben.

Schlussendlich gewann Rodgers den Machtkampf, nachdem die Packers zwei Mal in Folge die Playoffs verpasst hatten. McCarthy wurde entlassen.  

LaFleur hat in seiner Trainerlaufbahn bewiesen, dass er einen Quarterback weiterentwickeln kann. Als Quarterback Coach der Atlanta Falcons half er Matt Ryan zu einem Leitungssprung, genauso Jared Goff als Offensive Coordinator der Los Angeles Rams.

Allerdings hat er noch nie mit einem Spielmacher zusammengearbeitet, der solch ein Standing und auch solch eine hohe Qualität hat wie Rodgers.

LaFleur: Aaron und ich müssen viel reden

"Aaron und ich haben ein paar gute Gespräche geführt. Und wir werden viel mehr reden müssen. Ein Thema, das wir durcharbeiten müssen, ist die Sache mit dem Audible", erklärt LaFleur - also dann, wenn der Quarterback einen bereits angesagten Spielzug noch einmal ändert.

Der Head Coach sagt: "Wir betreiben ein System, das ich vor einem Jahrzehnt bei Kyle (Shanahan, Anm.d.Red.) in Houston kennengelernt habe, und wir hatten noch nie einen Quarterback, der die völlige Freiheit hatte, das Spiel auf der Linie zu wechseln, weil das nicht der richtige Weg ist. Das Vorgehen ist vorprogrammiert.“

 

Vorprogrammiert ist allerdings auch der Konflikt: Rodgers ist es gewohnt, dass sein Trainer ihm Freiheiten gewährt. Darauf möchte er offensichtlich nicht verzichten.

Der Quarterback musste noch nie in seiner NFL-Karriere von der einen Saison auf die andere ein komplett neues Spielsystem lernen. Mit dieser Tatsache an sich hat er laut eigener Aussage kein Problem.

"Es macht Spaß. Es ist mit Sicherheit eine Herausforderung. Ich habe so lange dasselbe System betrieben. Ich habe viele Dinge im Kopf. Es war das Schwierigste, jetzt bestimmte Begriffe neu zu lernen. Ich lerne eben neue Konzepte, mit denen ich noch keine Erfahrung habe“, sagt Rodgers.

Rodgers: Möchte System mein Stempel aufdrücken

Im Mai hatte er sich noch sehr positiv über das System des neuen Trainers geäußert. "Sein System funktioniert. Es hat in L.A. funktioniert, in Washington, in Atlanta und San Francisco. Es ist eine Nachahmer-Liga. Es gibt viele gleiche Konzepte", sagte er damals.

Allerdings hatte er bereits da durchblicken lassen, dass er sich gewisse Freiheiten wünscht: "Es ist eine Offense, die ich mit Kreativität befüllen und der ich meinen Stempel aufdrücken kann." Offenbar befürchtet er nun, dass er dem System weniger seinen eigenen "Stempel aufdrücken" darf als angenommen.

LaFleur weiß, dass er bei einem Star dieser Größenordnung zu Kompromissen bereit sein muss: "Das ist Aaron Rodgers . Er hatte zu Recht viel Freiheit, diese Calls zu tätigen. Nun, wie können wir das in Einklang bringen und ihn in die beste Position bringen, um erfolgreich zu sein?"

Der Trainer zeigte bereits Kompromissbereitschaft - beispielsweise indem Begriffe angepasst wurden. LaFleur sagt auch: "Ich wäre verrückt, wenn ich nicht auf einen Mann hören würde, der so viel Erfahrung hat und auf dem Niveau spielt, auf dem er bereits gespielt hat."

Der Erfolg der Green Bay Packers könnte also vorrangig davon abhängen, ob Trainer und Superstar auf einen Nennen kommen oder aber, ob - im negativen Fall - zwei Dickköpfe aneinander geraten, die nur ihr eigenes System durchboxen möchten.

Rodgers: Wenn wir einen anderen Spielzug brauchen, dann ist das so

"Ich werde keine Calls aufrufen, nur um sie aufgerufen zu haben", verspricht der Quarterback. "Wenn du weißt, dass die Offense großartig ist, du Leute einplanst, Formationen und Bewegungen hast - sollte es fantastisch sein. Aber wenn wir etwas anderes brauchen, dann brauchen wir es eben."

Laut Rodgers geht es immer nur darum, das Team in die beste Ausgangssituation zu bringen. Von dieser Freiheit wird der erfolgsbesessene Spielmacher nicht abweichen wollen: "Wenn wir das brauchen, bin ich sicher, dass auch er (LaFleur, Anm. d. Red.) glücklich ist, wenn es nach dem richtigen Weg aussieht."

Bleibt abzuwarten, ob LaFleur das genauso sieht.

Oliver Jensen

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