Leon Draisaitl steht kurz davor, die 100-Scorerpunkte-Marke in der NHL zu kn... - Bildquelle: GettyLeon Draisaitl steht kurz davor, die 100-Scorerpunkte-Marke in der NHL zu knacken. © Getty

Edmonton/Köln - "Hat Trick" stand auf jedem einzelnen Puck, den sich Leon Draisaitl nach seiner überragenden Leistung gegen Los Angeles schnappte und beschriftete. "Ein großer Abend", sagte der deutsche Eishockeystar der Edmonton Oilers nach seinem ersten Dreierpack in der NHL-Hauptrunde.

Dabei schien er ein Stück weit erleichtert zu sein: "Ich habe lange genug dafür gebraucht." Der deutsche Rekordscorer hatte im Mai 2017 zwar schon einmal drei Treffer für die Oilers erzielt, damals allerdings in den Playoffs. Da in den Statistiken der nordamerikanischen Profiligen die Regular Season und Postseason strikt getrennt werden, gelang ihm eine Premiere.

Draisaitl und Kollegen feiern "große Nacht"

An einem magischen Abend im Rogers Place regnete es gut 90 Sekunden vor dem Spielende zum zweiten Mal Mützen von den Rängen, so wie es Tradition nach einem Hattrick ist. Der 23-jährige Draisaitl hatte zum 8:4-Endstand gegen die Los Angeles Kings getroffen. Zuvor war sein Teamkollegen Ryan Nugent-Hopkins im Mützen-Regen für seine drei Treffer gefeiert worden.

"Es ist großartig, dass verschiedene Jungs ihren Teil beitragen und viele von uns große Nächte erleben", sagte Draisaitl. Vater Peter, früherer Nationalspieler und Ex-Trainer der Kölner Haie, hatte auf der Tribüne allen Grund zum Jubeln. "Das macht Spaß, und wir brauchen das", sagte Draisaitl junior, er sah "wunderschöne Spielzüge von meinen Sturmpartnern - da war es leicht, die Dinger reinzumachen."

Erster Oilers-Doppel-Hattrick nach über 33 Jahren

Der 23-Jährige und Nugent-Hopkins schrieben mit ihrer Performance gegen Los Angeles gleichzeitig Klubgeschichte. Zuletzt hatten am 20. Dezember 1985 zwei Profis in einer Partie mindestens drei Tore erzielt. Es waren Jari Kurri (4) und Paul Coffey (3) - auch damals bei einem 9:4 gegen L.A..

Nach Draisaitls Saisontoren Nummer 44 bis 46 und Vorlage Nummer 53 auf Connor McDavid steht der gebürtige Kölner jetzt bei 99 Scorerpunkten, schon am Donnerstag kann gegen Dallas die 100 fallen. Auch 50 Treffer sind bei sechs ausstehenden Hauptrundenspielen noch drin - daran will der Deutsche aber keine Gedanken verlieren. "Ich möchte mir selbst keinen Druck machen", betonte Draisaitl.

Draisaitl liegt auf Rang vier der NHL-Scorerliste, bei den besten Torjägern ist er mit seinen 46 Treffern Zweiter hinter dem russischen Superstar Alex Owetschkin (49 Tore) von den Washington Capitals. Allerdings ist Draisaitl effektiver, 21,9 Prozent seiner Schüsse sind drin, der Stanley-Cup-Champion steht bei 15,7.

Playoffs oder WM-Vorbereitung?

Bei seiner Gala ließ Draisaitl Marco Sturm leiden. Der frühere Bundestrainer ist heute Assistenzcoach bei den Kings, dem schlechtesten Team im Westen, das längst keine Chance mehr hat im Playoff-Rennen. Doch auch für Edmonton wird es eng. Mit 76 Zählern stehen die Kanadier fünf Punkte hinter einem Wildcard-Rang.

Sturms Nachfolger Toni Söderholm hat Draisaitl zuletzt besucht und hofft, dass der Schlüsselspieler bei der WM vom 10. bis 26. Mai in der Slowakei dabei ist. Wird es nichts mit den Playoffs, stößt Draisaitl wohl zur zweiten Vorbereitungsphase Mitte April zum Nationalteam. Noch will sich der Deutsche aber nicht festlegen - besteht immerhin noch eine kleine Chance auf die Playoff-Teilnahme mit den Oilers.

Draisaitls Zukunft liegt in Edmonton

Ob bei der WM oder in den NHL-Playoffs, Draisaitl will weitere Erfolge feiern. Er gilt als einer der besten deutschen Eishockeyspieler der Geschichte.

Als er 2014 wurde beim NHL-Draft an dritter Stelle von Edmonton gezogen wurde, hallte ihm der Ruf des "German Gretzky" in Anlehnung an den besten Eishockeyspieler Wayne Gretzky voraus. Mittlerweile kommen immer mehr Vergleiche mit NBA-Superstar Dirk Nowitzki auf.

"Ungern", sagt Draisaitl, sehe er die Vergleiche zum besten deutschen Basketballer: "Dirk Nowitzki ist eine Legende. Was er erreicht hat, ist im Eishockey schwer zu erreichen."

Zwar gibt es zwischen dem "Eishockey-Nowitzki" (Süddeutsche Zeitung) und dem echten Nowitzki einige Parallelen, dennoch verlief der Werdegang etwas unterschiedlich. Während Nowitzki direkt von seinem Jugendverein Würzburg in die NBA wechselte, nahm Draisatl den Weg von den Kölner Haien und Jungadler Mannheim über die Junioren-Liga in Kanada, machte sich dort einen Namen: "The German Gretzky".

Schwerer Start in die NHL

Eine Parallele zu Nowitzki ist bei den Anfängen erkennbar. So wohl Draisaitl als auch Nowitzki taten sich zum im ersten Jahr schwer. Während seiner Premieren-Saison in der NHL absolvierte er nur 37 Spiele, erzielte zwei Tore, ehe ihn die Oilers in die Junioren-Liga zurückschickten, um dort zu reifen.

Zwei Jahre später gehörte er zu Edmontons Erfolgsgaranten, schoss die Oilers mit 29 Toren in die Playoffs. Nach dem Aus in der K.o.-Runde flog er direkt zur WM - vertrat die deutschen Farben bei der Heim-WM 2017 in Köln. Kamera-Teams tummelten sich bei der Ankunft des Hoffnungsträgers am Flughafen.

Wenige Monate später verlängerte er bei den Oilers und unterschrieb einen Mega-Vertrag: 68 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 57,7 Millionen Euro) für acht Jahre! Nie zuvor hatte ein Deutscher in der NHL so viel verdient.

Aber Draisaitl gibt Edmonton zurück, was die Oilers ihm zahlen. Jedes Jahr während des acht Jahre laufenden Vertrags spendet er 150.000 Dollar an gemeinnützige Einrichtungen der Stadt. "Ich möchte der Gemeinde Edmonton etwas zurückgeben, weil sie mir so viel gibt", sagt Draisaitl. "Mir ist es wichtig, dass auch die Jugend lernt, wie wichtig es ist, zu geben und ein positiven Einfluss zu haben, sich in der Gemeinde zu engagieren."

Im Sommer geht es nach Köln 

Die Sommer verbringt Draisaitl weiterhin bei seiner Familie in Köln, hält sich in der Zeit bei den Haien fit. Vergangenes Jahr kam zum Sommer sogar der Oktober noch hinzu. Mit den Oilers bestritt er ein Vorbereitungsspiel gegen die Haie, und in Köln brach erneut die "Leonmanie" aus.

Mittlerweile ist der 23-Jährige aber auch in Kanada nicht mehr ganz allein. Draisaitl ist mit Celeste Desjardins zusammen, einer jungen kanadischen Schauspielerin, mit der er auch schon mehrfach gemeinsam nach Deutschland gereist ist.

Auch Celeste wird nach der "großen Nacht" und dem Hattrick sicher stolz auf ihren Leon sein.

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