Schwergewichts-Champ Verhoeven (l.) verteidigt seinen Titel bei Glory 33 - Bildquelle: GlorySchwergewichts-Champ Verhoeven (l.) verteidigt seinen Titel bei Glory 33 © Glory

München - Peter Arts, Remy Bonjasky, Ernesto Hoost und Semmy Schilt regierten die letzten zwei Jahrzehnte das Kickbox-Königreich Niederlande. Rico Verhoeven ist ihr Thronerbe.

Derzeit ist der "Prinz des Kickboxens" der beste Schwergewichtler der Welt. 2014 gewann er im Alter von nur 24 Jahren den WM-Titel von Glory, der führenden Kickbox-Organisation. Diesen Titel verteidigt er in der Nacht zum 10. September bei Glory 33 in Trenton, New Jersey gegen den Pflichtherausforderer Anderson "Braddock" Silva (ab 5:00 Uhr live und exklusiv auf ranFIGHTING.de).

"Ich denke, im Kickboxen habe ich alles erreicht, was es aktuell zu erreichen gibt", sagt Verhoeven. "Ich bin gegen die besten Kämpfer meiner Zeit angetreten. Jetzt gilt es, auch Champion zu bleiben."

Verhoevens Karriere begann im Kindergarten

Bereits im Alter von sechs Jahren eiferte Verhoeven seinem großen Idol Peter Aerts nach - und 2013 besiegte er ihn im Hauptkampf von Glory 13 in Tokio. Der Weg dorthin war lang und steinig. Verhoevens Vater, ein Schwarzgurt im Kyokushin-Karate, trainierte ihn schon als Kindergartenkind im Kickboxen.

"Es war sein Traum, mich zu einem erfolgreichen Kickboxer zu machen", erzählt Verhoeven. "Um dieses Ziel zu erreichen, hat er mich manchmal härter angetrieben als mir lieb war. Meinen heutigen Erfolg und meinen Arbeitseifer habe ich ihm zu verdanken, aber als Kind hatte ich es nicht immer leicht."

Die vielen Opfer zahlten sich aus

Den Traum teilten sich Vater und Sohn. Verhoeven verbrachte seine Teenager-Jahre im Gym anstatt auf Partys - er trank lieber Protein-Shakes als Alkohol und die Trainingspartner ersetzten den Freundeskreis. Wenn er auf diese Zeit zurückblickt, gesteht er oft, er habe "einiges aufgegeben und vernachlässigt".

Das ist auch nach dem Gewinn des Glory-Titels noch der Fall. Seine spärliche Freizeit verbringt der Modellathlet mit seiner Frau und den beiden Töchtern - ansonsten findet man ihn ausnahmslos im Gym. Verhoeven ist ein Trainingsmonster, das sich nie mit dem Ist-Zustand zufrieden gibt.

"Bei mir muss es immer vorwärts gehen", sagt Verhoeven. "Ich will immer noch ein Level aufsteigen. Ich bin davon besessen, mich zu verbessern."

Erfolgreich aber unspektakulär

Einen "Makel" hat Verhoeven jedoch trotz des vielen Trainings, zumindest in den Augen mancher Fans und Kollegen: seine K.o.-Quote. Nur ein Viertel seiner Kämpfe hat er vorzeitig entschieden. Immer wieder musste er sich anhören, er habe "keinen Killer-Instinkt" und könne daher nie Champion werden.

"Ich versuche, so oft wie möglich zu treffen und so wenig wie möglich getroffen zu werden", verteidigt Verhoeven seinen Kampfstil. "Ich punkte mit präzisen Treffern und gehe dann aus dem Weg, um selbst keine Treffer zu kassieren. Diese Strategie will ich in jedem Kampf umsetzen."

Posterboy des Kickboxens

Auch ohne eine lange Reihe von Knockouts hat Verhoeven das stark gebeulte Kickboxen in seiner Heimat wieder salonfähig gemacht. In der Öffentlichkeit stand der Sport zuletzt in der Kritik, da vereinzelte Fighter - beispielsweise Badr Hari - immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerieten.

Verhoeven ist dagegen der perfekte Schwiegersohn, ein bodenständiger und fleißiger Hochleistungssportler mit Vorbildcharakter. Das wissen die Niederländer an ihm zu schätzen.

"Ich bin nur ein normaler Typ von nebenan, aber ich versuche, vor allem den jungen Menschen eine Botschaft mitzugeben", sagt Verhoeven. "Ich will ihnen zeigen, dass sie mit Fokus und harter Arbeit alles erreichen können, was sie wollen."

Verhoeven ist dafür ein lebendes Beispiel.

Mehr zu diesem Event sowie Kampfsport rund um die Uhr findest du auf ranFIGHTING.de.

Boxen-Videos