Philippe Coutinho (links) bietet Trainer Niko Kovac neue taktische Möglichke... - Bildquelle: Getty/ran.dePhilippe Coutinho (links) bietet Trainer Niko Kovac neue taktische Möglichkeiten © Getty/ran.de

München - Da ist er also, der sehnlich erwartete Transfer-Kracher beim FC Bayern. Philippe Coutinho ist ein echter Weltstar und wenn so einer spricht, hören die Vereinsbosse genau hin. Bei seiner Vorstellung machte der Brasilianer keinen Hehl daraus, wo er seine Rolle im Bayern-Spiel sieht. "Ich kann ganz klar sagen, dass ich mich auf der Zehn am wohlsten fühle. Da kann ich mich am besten bewegen, da kommen meine Stärken am besten zum Tragen", gab der 27-Jährige zu Protokoll.

Ein klarer Fingerzeig an Trainer Niko Kovac, denn die klassische Spielmacher-Position hinter den Spitzen existiert im aktuellen Bayern-Spiel nicht. Gut möglich, dass Kovac sein System für seinen prominenten Neuzugang anpasst. Die Leihgabe vom FC Barcelona bietet dem Bayern-Trainer aber mehrere neue Taktik-Varianten. ran.de zeigt, wie die Bayern mit Coutinho spielen könnten, welche Stars im Kader profitieren und wer die Leidtragenden sein könnten.

4-2-3-1: Coutinho spielt auf der Zehn

Sollte der Bayern-Trainer einlenken und sein System verändern, wäre der offensichtliche Gewinner der Brasilianer selbst. Er spielt dann endlich auf seiner Lieblingsposition, was ihm selbst in seiner erfolgreichen Zeit beim FC Liverpool nur selten vergönnt war.

Bei der diesjährigen Copa America brillierte Coutinho nach einer enttäuschenden Saison in Barcelona ebenfalls als Spielmacher und führte Brasilien zum Titel. Seine Spielübersicht, Torgefahr und Technik kommen auf dieser Position am besten zur Geltung. Zudem würde ihm ein System-Wechsel die Wertschätzung der Bayern demonstrieren und sein angekratztes Selbstvertrauen stärken. Vergangene Saison hatten ihn sogar die eigenen Fans in Barcelona ausgepfiffen, seine Leistung hatte darunter merklich gelitten.

Das 4-2-3-1 sieht zwei Sechser vor, die Coutinho defensiv absichern, damit dieser offensiv frei schalten und walten kann. Javi Martinez dürfte als klassischer Sechser dementsprechend profitieren und häufiger zum Zug kommen.

Großer Verlierer wäre wohl Thomas Müller, zuletzt wurde er von Kovac auf der offensivsten Position im Dreier-Mittelfeld aufgeboten. Doch ein Sechser ist der Weltmeister sicher nicht. Gut möglich, dass sich die große Identifikationsfigur des Vereins auf Dauer mit der Rolle des Edel-Jokers begnügen muss.

Corentin Tolisso, Leon Goretzka und Thiago können als etatmäßige Achter zwar auch auf der Sechs spielen - ihre offensiven Stärken kommen in diesem System aber weniger zur Geltung.  

4-3-3: Coutinho spielt auf dem Flügel   

Kovac könnte seinem System auch treu bleiben und Coutinho auf dem Flügel aufbieten. In diesem Fall dürften sich Müller, Tolisso und Goretzka wohl über mehr Spielzeit freuen. Auch Youngster Michael Cuisance bekommt in diesem Szenario wohl eher seine Chance.

Allerdings bedeutet diese Formation auch, dass entweder Kingsley Coman oder Serge Gnabry sich auf der Bank wiederfinden. Ein unwahrscheinliches Szenario - beiden kommt in Bayerns Zukunftsplänen eine prominente Rolle zu. Neuzugang Ivan Perisic würde wohl nur bei verletzungsbedingten Engpässen zum Zug kommen. 

Größter Verlierer ist hier womöglich Coutinho selbst. In Barcelona spielte der Copa-America-Sieger hauptsächlich auf dem Flügel und überzeugte nur selten. Coutinho besitzt zwar die Schnelligkeit, Technik und Torgefahr, um in Arjen-Robben-Manier nach innen zu ziehen und den Abschluss zu suchen - zum Vorlagengeber taugte er allerdings weniger.

Laut "opta" schlug der Brasilianer vergangene Saison in 54 Einsätzen für Barcelona elf Flanken - nur drei kamen beim eigenen Mann an. Der 27-Jährige wirkte im Barca-System wie ein Fremdkörper, der sich nie so richtig entscheiden konnte, ob er besser einen Mitspieler bedienen oder doch selbst aufs Tor schießen sollte. Vielleicht lag das auch an der Omnipräsenz von Lionel Messi - so richtig wohl fühlt sich Coutinho auf dem Flügel nach eigener Aussage nicht.

4-3-3: Coutinho spielt als Achter

Kovac könnte sein System auch beibehalten und Coutinho als Achter aufstellen - ohne auf eine Doppel-Sechs umzustellen. Eine Rolle, mit der sich Coutinho vermutlich sogar gut anfreunden könnte. In Barcelona und Liverpool glänzte er als passsicherer Ballverteiler und überzeugte auch immer wieder mit starken Dribblings.

In einem System ohne Doppel-Sechs dürften die Qualitäten der etatmäßigen Achter besser zur Geltung kommen - Profiteure wären Tolisso und Goretzka. Gnabry und Coman müssten sich keine Sorgen um ihren Stammplatz machen. In diesem Szenario ist ein Dreier-Mittelfeld mit Müller und Coutinho zwar denkbar aber unwahrscheinlich. Coutinho gewann in Barcelona laut "opta" nur 46 Prozent seiner Zweikämpfe. Behält er die Quote bei, braucht er defensive Unterstützung.

Coutinho gibt Kovac in jedem Fall neue taktische Möglichkeiten. Der Brasilianer betonte auch, dass er offen für jede Position sei. "Wo ich spiele, hängt vom Trainer ab", so der Brasilianer bei seiner Vorstellung, merkte aber im selben Atemzug an, dass die Zehn schon seine Lieblingsposition sei. Und wenn ein Weltstar spricht, hören die Bosse genau hin.

Julian Huter    

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