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München - Es war eher so dahingesagt. Man hätte es in dem ganzen Wortschwall fast überhören können. 

Schließlich hat Jürgen Klopp wohl noch nie so schnell gesprochen wie nach dem Sieg in der Champions League. Die Emotionen halt. Es war beeindruckend zu sehen, wie der Trainer des FC Liverpool die Worte nur so rausschoss, wie es sprudelte.

Und sie war dabei, die Ansage. Für die Fans des FC Liverpool ein Versprechen. Für die Gegner eine Drohung.

"Erst der Anfang"

"Ich war noch nie mit so einer Truppe im Finale. Das ist eine außergewöhnliche Truppe, eine erwachsene Truppe. Und trotzdem ist es erst der Anfang", so Klopp. Wie gesagt, es sprudelte: "Jetzt haben wir etwas gewonnen, wir werden weitermachen. Wir werden Dinge gewinnen. Das ist groß."

Keine Frage: Es ist seine Truppe, mit der er Dinge gewinnen will.

Sein Team, das er in den dreieinhalb Jahren seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 zusammengestellt hat. Verändert, auf links gedreht hat. Mit seiner Mentalität, seinem Feuer ausgestattet hat, mit seinem Fußball. 

Nur noch zwölf Spieler sind aus der Zeit von Vorgänger Brendan Rodgers übrig. Aus der Startelf von Klopps erstem Spiel als Liverpool-Trainer hat es keiner in die Startelf von Madrid, dem Endspiel der Königsklasse gegen Tottenham Hotspur, geschafft. 

Akribisch geplant

Denn klar: Der Erfolg ist kein Zufall, sondern über die Jahre akribisch geplant. Zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Die vermeintlich größte Baustelle wurden im Winter 2017/18 und vor der gerade abgelaufenen Saison adressiert. 

Die wackelige Defensive wurde mit Abwehrriese Virgil van Dijk und Torhüter Alisson Becker so signifikant verstärkt, die offensichtlichen Probleme so nachhaltig gelöst, dass kaum noch jemand die völlig verrückten finanziellen Aufwendungen (85 Millionen Euro für van Dijk, 62,5 für Alisson) in Höhe von 150 Millionen Euro für eine funktionierende Hintermannschaft anprangert. 

Denn die Zukunft ist bereitet, Klopp hat angerichtet: Seine Mannschaft hat eine außerordentliche Qualität, dazu eine beeindruckende Mentalität. 

Es gibt sie ja, diese negativen Spiralen, in die man nach einem verlorenen Champions-League-Finale und einer verpassten Meisterschaft trotz 97 Punkten und nur einer Niederlage in 38 Spielen geraten kann. Dass der eigene Trainer nach sechs Endspiel-Niederlagen in Folge nicht den Ruf eines Final-Killers genoss, kann zusätzlich verunsichern.

Viele Leistungsträger langfristig gebunden

Doch keine Spur davon, dass sich das Team aus der Spur bringen lässt. Die Eckpfeiler sind mit einem Durchschnittalter von 25 Jahren auch noch längerfristig gebunden: An Alisson (bis 2024), van Dijk (2023), Trent Alexander-Arnold (2024), Naby Keita (2023), Jordan Henderson (2023), Sadio Mane (2023), Fabinho (2023), Roberto Firmino (2023) oder Mo Salah (2023) haben die Reds im Normalfall noch etwas länger Spaß.

Verrückt war man auf dem Transfermarkt offenbar auih lange genug, immerhin flossen seit 2015 rund 443 Millionen Euro in die Mannschaft. Deshalb wollen es die Reds vergleichsweise ruhig angehen lassen, wollen es bei zwei bis drei Neuen belassen. Klopp weiß: Er hat die besten Voraussetzungen für weitere emotionale Momente.

"Wenn wir diese Schritte nun genauso weitergehen, was wird das dann für eine nächste Saison", sagte Klopp, der in der Stunde des Triumphs auch mit Manchester Citys Trainer Pep Guardiola telefonierte. 

Zwischen den beiden hat sich ein kleiner (scherzhafter) Schlagabtausch entwickelt. Es ist kein Geheimnis, dass die beiden Vereine bei den Titelgewinnen wohl gerne getauscht hätten. Schließlich hat City die Königsklasse trotz der Scheich-Millionen noch nie gewonnen, die Reds haben zuletzt 1990 die Meisterschaft gewonnen.

Nach der Sommerpause startet der nächste Angriff.

Klopp über das Telefonat mit Pep: "Wir haben uns versprochen, dass wir uns im nächsten Jahr wieder gegenseitig in den Hintern treten werden. Wir werden wieder aufs Ganze gehen und sehen, ob wir etwas bekommen." 

Denn der erste Titel mit dem FC Liverpool soll erst der Anfang gewesen sein. 

Andreas Reiners

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