Bayern gewinnt zum 20. Mal den DFB-Pokal - Bildquelle: FIROFIROSIDBayern gewinnt zum 20. Mal den DFB-Pokal © FIROFIROSID

Berlin - Kapitän Manuel Neuer reckte im goldenen Konfettiregen um 22.11 Uhr den Pokal in die Höhe, seine Mitspieler jubelten mit der Medaille um den Hals und streiften sich ihre weißen Double-Shirts über. Die schier unersättlichen Titelsammler von Bayern München haben ihre Vormachtstellung im deutschen Fußball untermauert und dürfen nach einem 4:2 (2:0) gegen Bayer Leverkusen im Geister-Pokalfinale in Berlin sogar vom zweiten Triple nach 2013 träumen.

Insgesamt war es der 20. Pokalerfolg für die Münchner und das 13. Double der Vereinsgeschichte. In der abgelaufenen Bundesligasaison hatte die Mannschaft von Trainer Hansi Flick ihren achten Titel in Serie geholt. "Wir sind megaglücklich, dass wir das Double geholt haben. In der ersten Halbzeit hatten wir das Spiel völlig unter Kontrolle, hätten noch ein, zwei Tore mehr machen können. Danach hatte Leverkusen viele Konter, aber im Endeffekt gewinnen wir 4:2 - und das ist das Wichtigste", sagte Nationalspieler Serge Gnabry bei Sky.

Alaba trifft per Freistoß

Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Präsident Fritz Keller brachte Abwehrchef David Alaba (16.) den deutschen Meister per direktem Freistoß sehenswert in Führung. Gnabry (24.) und Torjäger Robert Lewandowski (59. und 89.) erzielten die weiteren Tore. Sven Bender (64.) und Kai Havertz (90.+5/Handelfmeter) trafen für Bayer.

"Das Team um Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat auch in dieser Saison wieder eindrucksvoll seine herausragende sportliche Stellung im deutschen Fußball unter Beweis gestellt. Der FC Bayern hat in einer gewiss außergewöhnlichen Zeit einmal mehr Außergewöhnliches bewerkstelligt und seine Stärke demonstriert", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Leverkusen eine Stunde ohne Chance

Leverkusen blieb wie im Ligaduell vor vier Wochen (2:4) eine Stunde lang ohne Chance und verpasste im vierten Pokalfinale der Vereinshistorie den ersten Titel seit dem Pokalsieg im Jahr 1993.

Dem 77. Finale des DFB-Pokals fehlte, was das Endspiel in Berlin stets so besonders macht: die Fans. Die knapp 75.000 Plätze waren wegen der Corona-Pandemie verwaist, die in den Vereinsfarben geschmückten Kurven ließen den sonst so stimmungsvollen Rahmen nur erahnen. "Es ist eine ungewohnte Atmosphäre", sagte Löw in der ARD.

Im Münchner Block waren die Namen Hunderter Fanklubs aufgelistet, die Gegenseite war in rot-schwarz gehalten und mit einer Aufforderung an die Leverkusener versehen: "Holt den Pokal nach Lev. Schreibt Geschichte" stand auf einem Banner.

Bayern mit starker erster Halbzeit

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase übernahm der Favorit zunehmend die Kontrolle. Nach Ballgewinnen schaltete Flicks Team blitzartig um und sorgte mit Vorstößen über die starke Achse im Zentrum für Gefahr. Thomas Müller (8.) und Kingsley Coman (10.) ließen gute Möglichkeiten ungenutzt, kurz darauf nahm Alaba aus rund 18 Metern genau Maß.

Leverkusen wirkte geschockt und fand in der Folge kaum Zugriff. Bayern dominierte, kombinierte sicher und löste die vereinzelten Konter mit großer individueller Klasse. Die Außenverteidiger Benjamin Pavard und besonders Alphonso Davies überzeugten.

Kimmich setzt Gnabry in Szene

Auch offensiv glänzten die Roten. Joshua Kimmich spielte nach einer guten Balleroberung Gnabry auf der Außenbahn frei. Der Nationalspieler ließ Lukas Hradecky im Leverkusener Tor erneut keine Abwehrchance. Nach dem zweiten Tor reduzierte München etwas das Tempo, blieb aber immer Herr der Lage.

Das änderte sich auch nach dem Seitenwechsel zunächst nicht. Vor allem die Überlegenheit im Mittelfeld stach hervor, Kimmich und Leon Goretzka überzeugten als Taktgeber in der Zentrale. Defensiv standen die Bayern stabil, hatten bei der ersten großen Unachtsamkeit aber Glück, als der eingewechselte Kevin Volland (57.) freistehend über den Ball trat.

Hradecky mit kapitalem Bock

Die Strafe für den verpassten Anschlusstreffer folgte umgehend - und wieder schadete sich Bayer mit einem individuellen Fehler. Lewandowskis Schuss aus etwa 30 Metern boxte Hradecky ins eigene Tor.

Der Anschluss durch Bender nach einer Ecke kam überraschend. Bayer fand dadurch aber neuen Mut und hatte seine beste Phase im Spiel. Die Bayern gerieten unter Druck, in der Abwehr taten sich Lücken auf. Nur mit Glück und dank Leverkusener Ungenauigkeiten kassierten sie keinen weiteren Gegentreffer in dieser Phase. Dann sorgte Lewandowski für die Entscheidung. Es war der insgesamt achte Treffer des Polen in einem Pokalfinale - Rekord. Der Treffer von Havertz kam zu spät.

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