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München - "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze." Eine Floskel, die drei Bundesligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals zu spüren bekamen. Hoffenheim scheitert bei den Münchener Löwen, Aufsteiger Ingolstadt verliert gegen den Traditionsverein Unterhaching und Carl Zeiss Jena ringt die Unabsteigbaren aus Hamburg nieder.

Doch das Motto an diesem Wochenende lautet wohl eher: "Der Pokal hat seine eigenen Idioten".

Die Mannschaft um den verdienten Lohn gebracht

Die Spieler des VfL Osnabrück müssen sich wie im falschen Film vorgekommen sein. Knapp 71. Minuten Pokalfight gegen den finanzstarken Zweitligisten RB Leipzig. Unterstützt durch die hitzige Kulisse war die Sensation zum Greifen nah. Und dann brennen bei einem Chaoten auf der Tribüne die Sicherungen durch, sodass der vom Feuerzeug getroffene Schiedsrichter das Spiel abbricht.

Aber hier wurde auch von Vereinsseite die Situation zu sehr aufgebauscht. Denn kurz zuvor rannte ein Ersatzspieler der Osnabrücker auf den Platz, um RB-Stürmer Davie Selke anzupöbeln.

Klar gehören Emotionen zum Sport. Aber gewisse Grenzen müssen eben doch eingehalten werden. Vor allem, wenn die Gesundheit der Schiedsrichter und Spieler gefährdet ist. Und so wird innerhalb weniger Sekunden aus einer magischen Pokalnacht an der Bremer Brücke ein Skandal, der die Osnabrücker verfolgen wird. Denn die Chance auf einen Geldsegen und neue Sympathiepunkte endet in einem großen Imageverlust.

Wilder Westen mitten in Bielefeld

"Wenn man sich das Einschussloch ansieht, kann man sich ja vorstellen, was passiert wäre, wenn die Kugel die Scheibe durchdrungen hätte", sagte ein zurecht fassungsloser Hertha-Manager Michael Preetz. Denn diese Aktion hatte überhaupt nichts mit unserem geliebten Fußball zu tun. Bisher wurden zum Beispiel "nur" Fanbusse mit Steinen angegriffen. Doch am Sonntag erreichte der Fußball-Terror eine neue Dimension. Ein Kopfschuss auf offener Straße, der nur durch eine Scheibe gestoppt wurde. Man kann von Glück sprechen, dass niemand verletzt wurde.

Wen wundert es, dass die Mannschaften sich immer mehr zurückziehen, wenn sie selbst auf der offenen Straße nicht mehr sicher sind.

Geschmacklosigkeit in Duisburg

Spott und Hohn gegen ungeliebte Rivalen ist Alltag und lässt selbst neutrale oder betroffene Personen das ein oder andere Mal schmunzeln. Doch die Fans des MSV Duisburg haben den Bogen maßlos überspannt. "2011? Selbst Rudi kann sich nicht erinnern". Dieser Banner ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Wie bescheuert muss man sein, wenn man sich über schwere Krankheiten anderer Menschen, wie in diesem Fall der Alzheimer-Erkrankung von Rudi Assauer, lustig macht?

Umso erstaunlicher, dass die Verantwortlichen im Vorfeld nichts unternahmen, obwohl es Tage zuvor wohl einen Hinweis gegeben haben soll. Da reicht dann auch der Verweis auf einzelne Idioten nicht mehr, um aus dieser Nummer wieder heraus zu kommen.

Der Sport rückt in den Hintergrund

Es ist schon traurig, wenn nach einem Pokalwochenende keiner über die sportlichen Sensationen redet, sondern solche Skandale alles überschatten.

Will man dem Ganzen etwas Positives abgewinnen, so bleiben einem nur vereinzelte Reaktionen. Wie zum Beispiel die der Duisburger Mannschaft, welche sich mit einem Foto und ein paar warmen Worten bei Rudi Assauer und seiner Familie entschuldigte. Oder aber die sportliche Fairness der Leipziger, die keinen Sieg am grünen Tisch wollen, sondern eine Wiederholung des Spiels angeboten haben. Das zeigt immerhin, dass der Fußball eigentlich eine große Familie ist.

So bleibt zum einen zu hoffen, dass der Schock beim Busfahrer der Hertha und bei Schiedsrichter Martin Petersen nicht all zu groß ist. Und zum Anderen, dass die Selbstregulierung der Fans so gut funktioniert, dass die Chaoten vom Wochenende ihre gerechte Strafe erhalten.

Dann kann es vielleicht bald wieder heißen, "der Pokal hat seine eigenen Gesetze" und nicht "der Pokal hat seine eigenen Idioten."

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