In Bulgarien gibt es rassistische Vorfälle, die Türkei nutzt die Fußball-Büh... - Bildquelle: GettyIn Bulgarien gibt es rassistische Vorfälle, die Türkei nutzt die Fußball-Bühne für politische Statements. Damit muss jetzt Schluss sein. © Getty

München – Der Fußball hat bei den EM-Qualifikationsspielen am Montagabend einen ganz, ganz schwarzen Tag erlebt. Bulgarische Stadionbesucher überschatteten das Duell gegen England (0:6) mit rassistischen Schmähungen gegen englische Spieler, zeitgleich nutzen große Teile der türkischen Nationalmannschaft die Bühne beim 1:1 in Frankreich für einen Militärgruß und salutieren erneut. Ein Zeichen in Richtung der Soldaten in Syrien. 

Solche Abende zeigen, dass Fußball immer mehr für politische Zwecke missbraucht wird. Aber: Wenn Tore, Spieler oder Ergebnisse in den Hintergrund gedrängt werden, MUSS die Uefa handeln. Und zwar schnell und nachhaltig. Die Zeit von langwierigen Disziplinarverfahren, unwirksamen Fanausschlüssen oder Geldstrafen bei Wiederholungstätern muss vorbei sein.

 

Vorfälle mit Vorankündigung

Der bulgarische Verband spielte nach ähnlichen Vorkommnissen im Juni bereits auf Bewährung, England hatte daraufhin angekündigt, bei rassistischen Vorfällen das Spielfeld verlassen zu wollen. Passiert ist es nicht. Leider. Die türkischen Spieler haben schon beim Spiel am Freitag gegen Albanien salutiert. In beiden Fällen hatte die Uefa ermittelt. Ergebnis? Bislang keines.

Auch das Verhalten der Verantwortlichen ist beschämend. Bulgariens Nationaltrainer Krassimir Balakov sagte nach dem Skandalspiel auf der Pressekonferenz, dass er im Stadion "nichts gehört" habe. In der Mixed-Zone sprach er sogar davon, dass die Verfehlungen von den englischen Fans ausgingen.

Politischer Druck auf Spieler in der Türkei

In der Türkei wird der politische Druck auf die Spieler immer größer. Bestes Beispiel: Torschütze Kaan Ayhan. Nachdem der Düsseldorfer gegen Albanien noch mitsalutierte, daraufhin viel Kritik aus Deutschland bekam und ein ernstes Gespräch mit seinem Verein führte, hatte er sich gegen Frankreich nicht am Militärjubel beteiligt.

Daraufhin entbrannte ein hitziges Wortgefecht mit Mitspieler Merih Demiral. Der soll ihn aufgefordert haben, sich dem Jubel anzuschließen. Erfolgslos. Immerhin. Wenn die nationalen Verbände die Vorfälle nicht in den Griff kriegen (wollen), müssen härtere Strafen her. Die logische Konsequenz: Punktabzüge oder Ausschlüsse von Uefa-Wettbewerben. Erst wenn es um die Teilnahme an der Europameisterschaft, der Champions League oder Europa League geht, setzt vielleicht ein Umdenken ein.

Uefa will Spielberichte analysieren

Die Uefa hat angekündigt die Spielberichte zu analysieren, um "dann über etwaige Maßnahmen zu entscheiden." Das macht ehrlich gesagt nicht sehr viel Hoffnung auf harte Bestrafungen.

Immerhin: Der bulgarische Premierminister Bojko Borissow forderte den "sofortigen Rücktritt" des Verbandspräsidenten Boris Michailow, was dieser bereits tat. Ein klares Statement, was jetzt auch Verbände, Vereine und Sportler setzen müssen.

Oder anders gesagt: Die englischen Spieler hätten vom Feld gehen sollen.

Julian Reusch

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