Herbe Kritik: Uli Hoeneß nimmt sich Mesut Özil (r.) vor - Bildquelle: Getty ImagesHerbe Kritik: Uli Hoeneß nimmt sich Mesut Özil (r.) vor © Getty Images

München - Nicht einmal zwölf Stunden hat es gedauert. Am Sonntagabend verkündete Mesut Özil inklusive Rundumschlag via Twitter seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Noch ehe die Sonne am Montag aufgegangen war, wurde der Social-Media-Fan von einem der höchsten Männer in Fußball-Deutschland öffentlich zerrissen.

Uli Hoeneß feuerte gegen die Nummer zehn: "Sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren." Und wo der Präsident vom FC Bayern München schon einmal in Rage war, wetterte er weiter: "Der hat seit Jahren Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen."

Hoeneß "froh, dass Spuk vorbei ist"

Ob der Abschied Özils wirklich Erleichterung oder doch eher Verbitterung beim Boss des deutschen Überklubs hervorgerufen hat? Darüber lässt sich streiten. Hoeneß jedenfalls zeigte sich "froh, dass der Spuk vorbei ist".

Aber: Treffen die provokanten Sätze ins Schwarze? ran.de hat die Statistiken Özils bei wichtigen Spielen gesammelt.

 

Mehr als ein Ballkontakt pro Minute

Los geht's mit den Zahlen der WM 2018. Laut unserer Datenbank sammelte der 29-Jährige pro Einsatz - er absolvierte zwei Spiele über je 90 Minuten - 94,5 Ballkontakte. Das überboten im DFB-Team nur Passmaschine Toni Kroos (121), Jerome Boateng (105) und Niklas Süle (99).

Auch im Vergleich mit drei Stars des Turniers in Russland muss sich Özil keinesfalls verstecken. Die in unserer ran-Top-Elf im offensiven Mittelfeld aufgebotenen Luka Modric (86,6), Kevin De Bruyne (68,7) und Eden Hazard (59,5) weisen allesamt einen schwächeren Wert auf.

Bessere Passquote als drei WM-Stars

Ähnlich sieht es bei der Passquote aus. Özil brachte 140 von 158 Zuspielen zu den Teamkollegen - das macht 88,6 Prozent. Modric (88,1), Hazard (86) und De Bruyne (83,4) reihen sich knapp dahinter ein. Im DFB-Team überbieten nur Kroos (94,3), Joshua Kimmich (90,2) und Boateng (89,5) den Özil-Wert.

Und auch in Hoeneß' "Fachbereich" wusste der Linksfuß zu überzeugen. Die Zweikampfquote von 56,5 Prozent bei 13 von 23 gewonnenen Duellen ist die beste unter allen offensiv ausgerichteten DFB-Spielern bei der WM 2018.

Nur Kollegen aus der Abwehrkette und dem defensiven Mittelfeld schneiden besser ab. Und unser Trio aus der Top-Elf? Hazard liegt mit 57,4 Prozent vor Özil, Modric (52,9) und De Bruyne (36,6) müssen sich geschlagen geben.

Özil taugt nicht als Sündenbock

Natürlich hatten die Belgier und Kroaten auch qualitativ hochwertigere Gegner als der viermalige Weltmeister. Dennoch zeigen allein diese Zahlen: Der vielkritisierte Filigrantechniker taugt aus sportlicher Sicht nicht als Sündenbock für die historische Blamage.

Das unterstreicht auch die Zahl aus seiner Schokoladendisziplin: Bei der WM legte Özil laut Datendienstleister "Opta" 5,5 Chancen pro 90 Minuten auf - der Bestwert aller Spieler des Turniers. Erinnert sei nur an seine exakt getimte Flanke auf Mats Hummels in der Schlussphase des Spiels gegen Südkorea beim Stand von 0:0, die der Verteidiger nicht verwerten konnte.

33 Assists seit 2009 sind unerreicht

Bei der WM blieb Özil auch deshalb ohne Scorerpunkt. Während seiner kompletten DFB-Karriere bereitete er in 92 Spielen bei 23 eigenen Treffern aber auch 33 Tore vor. Das sind zehn Assists mehr als Thomas Müller, der zweiterfolgreichste Deutsche in dieser Statistik seit Özils Debüt im Februar 2009.

Und auch bei großen Turnieren legte er fleißig auf: In den drei Welt- und zwei Europameisterschaften seit 2010 sammelte der gebürtige Gelsenkirchener acht Assists. Das ist gemeinsam mit Hazard der Bestwert aller europäischen Nationalspieler in diesem Zeitraum.

Zwei Turniertreffer gegen Italien

Selbst netzte er vier Mal bei großen Turnieren ein, auch im EM-Halbfinale 2012 und dem EM-Viertelfinale 2016 - jeweils gegen Italien. Vorzeigbar sind auch seine Trefferstatistiken in Quali-Spielen: 14 in 35 Einsätzen.

Allein diese Zahlen sollten keine Zweifel lassen: Mit Özil hat die DFB-Auswahl auch viel Qualität in der Offensive verloren. Das lässt sich auch mit populistischen Aussagen aus der Emotion heraus nicht wegreden.

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