Seit 2016 arbeitet Stefan Kuntz erfolgreich als Bundestrainer für die U21 un... - Bildquelle: 2018 Getty ImagesSeit 2016 arbeitet Stefan Kuntz erfolgreich als Bundestrainer für die U21 und führte den Nachwuchs seither zu einem EM-Erfolg (2017) und in diesem Sommer zum Vize-EM-Titel. © 2018 Getty Images

ran.de: Stefan Kuntz, die Finalniederlage bei der U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino gegen Spanien liegt jetzt bereits einige Wochen zurück. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf dieses Turnier? 

Stefan Kuntz: "Das Turnier muss man aus meiner Sicht komplett positiv bewerten. Die Art und Weise, wie wir uns in Italien und San Marino präsentiert haben, wie wir als Einheit auf und neben dem Platz aufgetreten sind, war herausragend. Auch, wenn wir das Finale verloren und ein Happy End somit knapp verpasst haben. Viele Spieler konnten bei dieser U21-EM nochmal einen Schritt in ihrer Entwicklung nach vorne machen, und das ist letztlich das, was am Ende zählt. Wir haben mittlerweile das komplette Turnier analysiert, und damit ist es nun auch abgehakt. Denn ab sofort stehen wir bei der deutschen U21 vor einem Neustart mit einer neuen Generation von Spielern." 

ran.de: Was sind die Lehren, die Sie daraus gezogen haben? 

Kuntz: "Es war ja mehr oder weniger das Ende einer zweijährigen Reise mit diesem Kader, und es war schön zu sehen, wie sich die Jungs alle in Sachen Persönlichkeit, Teamfähigkeit, Taktik und auch als Fußballer weiterentwickelt haben. Denn genau das wollen wir bei der U21 ja auch erreichen." 

ran.de: Nach der U21-EM war ja direkt auch schon wieder vor der U21-EM-Qualifikation, die am 5. September mit einem Testspiel gegen Griechenland eingeleitet wird (live auf ProSieben MAXX und ran.de). Wie muss man sich die vergangenen Wochen bei Ihnen als Bundestrainer vorstellen? 

Kuntz: "Wenn man sich das erste Bundesliga-Wochenende anschaut, dann fällt auf, dass nur Johannes Eggestein, Dennis Geiger und Nico Schlotterbeck auf dem Rasen standen. Also nur drei Spieler, die bei dem kommenden Neustart sicherlich auch bei uns eine gute Rolle spielen werden. Das war bei dem Jahrgang zuvor noch ganz anders, da waren zum Schluss viele gestandene Bundesliga-Profis im Kader. Jetzt ist es so, dass die Jahrgänge 1998 und jünger bei ihren Klubs aktuell kaum oder noch gar nicht zum Zuge kommen. Aber das kann sich in den kommenden knapp zwei Jahren noch ändern. Von daher habe ich mir in den vergangenen Wochen vor allem viele Videos von den kommenden Kandidaten angeschaut, war bei Trainingseinheiten, Testspielen oder Punktspielen der Dritten oder Zweiten Liga. Dazu habe ich mich mit meinen U-Trainerkollegen über die Jahrgänge 1998 und jünger ausgetauscht, weil sie in den letzten Jahren mit den Spielern zusammengearbeitet haben. Natürlich wurde auch schon das eine oder andere Einzelgespräch geführt. Für mich ist jetzt das Wichtigste, ein Gefühl für die Jungs zu entwickeln." 

ran.de: Gab es denn auch Angebote von Vereinen? Es wurde nach dem U21-EM ja auch gemutmaßt, Sie könnten Ihre Karriere als Klubtrainer fortsetzen. 

Kuntz: "Es ist ja generell so, dass erfolgreiches Arbeiten immer wahrgenommen wird. Aber wie alle sehen können, bin ich nach wie vor deutscher U21-Nationaltrainer. Ich warte jetzt mal das kommende Perspektivgespräch mit dem DFB ab und bin gespannt, wie sie meine Arbeit bewerten und wo sie mit mir in Zukunft hinwollen. Danach kann ich mir immer noch Gedanken machen." 

ran.de: Wie haben Sie selbst den Hype um Ihre Person rund um die U21-EM wahrgenommen? 

Kuntz: "Ich bin da ganz entspannt und ruhig, da ich das alles ganz gut einordnen kann. Wenn es positiv läuft, wird man als Trainer extrem gehypt, im Misserfolg aber auch genauso schnell schlecht gemacht. Das sind immer Extreme. Aber da komme ich ganz gut mit klar." 

ran.de: Der deutschen U21 steht jetzt ein Neustart bevor, aus dem vorigen Jahrgang bleiben nur noch Torwart Markus Schubert, Arne Maier, Johannes Eggestein und Lukas Nmecha übrig. Wie werden Sie die kommenden Wochen, Monate und Jahre angehen? 

Kuntz: "Ich will und muss ein Gefühl für diese neue Mannschaft bekommen, mir die Jungs anschauen, wer zukünftig für welche Position auf dem Rasen in Frage kommt. Es ist ja kein Geheimnis, dass jetzt die Jahrgänge kommen, die mit ihren DFB-Junioren-Nationalmannschaften in der Vergangenheit eher nicht so erfolgreich waren. Da sind hier und da ehemals gehypte Talente dabei, die mittlerweile einsehen mussten, dass ihre sportliche Entwicklung eben kein Selbstläufer ist. Es wird darauf ankommen, auf die Jungs einzugehen und ihnen zu zeigen, was wir bei der deutschen U21 bieten können. Wir planen bei dem Spiel gegen Griechenland, jeden Neuen eine Halbzeit lang spielen zu lassen. So können wir uns vor dem U21-EM-Qualifikationsspiel in Wales ein genaueres Bild machen. Das wird auf der Insel nämlich alles andere als ein Spaziergang." 

ran.de: Welche Erwartungen haben Sie an Ihre "neuen" Spieler? 

Kuntz: "In den vergangenen Jahren hat sich ein 'U21-Gen' entwickelt. Dabei geht es um Werte wie Teamgeist, Respekt, Anstand, Verhalten auf und neben dem Platz und noch vieles mehr. Damit sollten sich die Spieler schon identifizieren können. Wir wollen sie alle gemeinsam in den nächsten Jahren weiterentwickeln, und sie sollen sich alle auf jedes Zusammentreffen und jede einzelne Trainingseinheit bei der U21 freuen. Aber: Die Schritte in ihrer Entwicklung müssen sie selbst gehen. Wir als Trainerteam können da nur Hilfestellungen geben." 

ran.de: Welche Rolle spielen in diesem kommenden Kader die "alten Hasen" wie Markus Schubert, Arne Maier oder Johannes Eggestein? 

Kuntz: "Markus hat nun schon eine U21-EM mitgemacht und sich dort menschlich und sportlich hervorragend verhalten. Von ihm erwarte ich, dass er seine zwei neuen Torwartkollegen schnellstmöglich an das Team heranführt. Johannes und Arne sollen als erfahrene Bundesliga- und deutsche U21-Spieler natürlich ein Stück weit vorangehen. Sie sehe ich schon als künftige Führungspersönlichkeiten. Und bei Spielern wie Janni Serra und Lukas Nmecha hoffe ich, dass sie so schnell wie möglich wieder ihr maximales Leistungsvermögen abrufen können." 

ran.de: Können Sie schon ein paar Namen verraten, die in Zwickau gegen Griechenland mit dabei sein werden? 

Kuntz: "Nein, dafür ist es noch ein bisschen zu früh." 

ran.de: Was können die Fans von dieser neuformierten Mannschaft erwarten? 

Kuntz: "Dass wir mit Leidenschaft, Erfolgshunger und großer Motivation ins Spiel gehen. Wir wollen die Partie gegen Griechenland auf jeden Fall gewinnen und ich hoffe, dass die Zuschauer nach den 90 Minuten nach Hause gehen und sagen: 'Boah, das hat richtig Spaß gemacht, den Jungs beim Kicken zuzuschauen'." 

ran.de: Die vergangenen Jahrgänge waren mit dem Titelgewinn 2017 und dem diesjährigen Finaleinzug sehr erfolgreich. Was bedeutet das für die kommende Generation? 

Kuntz: "Gar nichts. Denn das ist ein komplett neuer Jahrgang, der mit dem vorigen überhaupt nichts mehr zu tun hat. Wenn man vergleichen wollen würde, müsste man sich die Leistungen dieser neuen Spieler in der U20, U19 oder U17 anschauen."

 

ran.de: Im ersten richtigen Härtetest geht es für das neue deutsche U21-Team gegen Griechenland. Was erwarten Sie von diesem Gegner? 

Kuntz: "Für die griechischen Spieler ist es die Möglichkeit, sich in Deutschland auf einer großen Fußballbühne zu präsentieren. Die werden also top motiviert sein. Ich erwarte ein intensives Spiel gegen einen technisch sehr versierten Gegner." 

ran.de: Sie arbeiten ja schon seit einigen Jahren im Nachwuchsbereich. Es gibt aktuell einige Diskussionen rund um den Wechsel des 20-jährigen Michael Cuisance von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern. Der Spieler soll in Gladbach eine Stammplatz-Garantie gefordert und sich in den vergangenen Wochen auch intern nicht korrekt verhalten haben. Nun also der Wechsel zum deutschen Rekordmeister. Wie sind Ihre Erfahrungen mit so jungen Spielern? Sind sie heutzutage aus Ihrer Sicht was die sportliche Entwicklung betrifft zu ungeduldig? 

Kuntz: "Ich kenne Michael Cuisance nicht persönlich, kann nur für unsere Jungs sprechen. Und da ist ein Spieler wie Florian Neuhaus ein absolutes Paradebeispiel. Er ließ sich von Gladbach zu Fortuna Düsseldorf in die Zweite Liga ausleihen, machte dort über 30 Spiele und ist jetzt Stammspieler in der Bundesliga bei der Borussia. Diese Geduld zahlt sich nun langfristig aus."

Interview: Dominik Hechler

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