Bologna – Stefan Kuntz schaute ernst. Sehr ernst sogar. Das ist deshalb interessant, weil man den deutschen U21-Bundestrainer sonst eigentlich immer nur fröhlich und mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht erlebt. Doch nach diesen 90 nervenaufreibenden und kräftezehrenden Minuten im Glutofen von Bologna war das anders.

 

Kuntz wirkte mitgenommen, die Stimme kratzte. Trotz des am Ende deutlichen 4:2-Erfolgs seiner Jungs gegen Rumänien und dem damit realisierten Final-Einzug bei dieser U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino hatte der Saarländer Redebedarf.

"Wollt ihr so in Erinnerung bleiben?"

"Ich habe die Mannschaft in der Halbzeit gefragt, ob sie sich als Jahrgang und Team so aus dem Turnier verabschieden will und ob das der letzte Eindruck sein soll, den die Leute zu Hause von uns in Erinnerung behalten sollen. Oder, ob wir dieses Angebot und diese große Herausforderung annehmen wollen, den Rückstand gegen einen Gegner zu drehen, der auf einer Euphorie-Welle schwimmt und die Unterstützung des Publikums hat", so Kuntz über seine überaus deutliche Kabinenansprache.

Zu diesem Zeitpunkt lag Deutschland mit 1:2 zurück und zeigte eine mehr als nur mäßige Vorstellung vor gut 16.000 Zuschauer, wovon mindestens 14.000 ein gelbes und somit rumänisches Trikot trugen. "Ich wollte von den Jungs wissen, ob sie bereit sind, einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung nach vorne zu machen. Und das hat die gesamte Mannschaft dann wirklich super gemacht."

Kuntz-Team zeigt starke Reaktion

Stimmt. In der zweiten Halbzeit zeigte das DFB-Team eine Reaktion, wehrte sich endlich gegen emotional und aggressiv auftretende Rumänen, die Luca Waldschmidt und Co. mit ihrer harten Gangart lange Zeit den Schneid abkauften. "Wir haben gedacht, dass wir das schon locker nach Hause bekommen, dass wir alles spielerisch lösen können", kritisierte Kuntz sein Team.

Und weiter: "Das Schlimme an der Sache war, dass wir mit dem 1:0 durch Nadiem Amiri auch noch dafür belohnt worden sind. Nur danach wurde es ja noch schlimmer, dann kam auch noch Überheblichkeit dazu. Und schon stand es zur Halbzeit 2:1 für Rumänien." Man kann nur erahnen, wie hoch Kuntz’ Puls gewesen sein muss, als er nach dem Halbzeitpfiff in die deutsche Kabine stapfte. 

"Emotionale Ansprache vom Coach"

Wie laut es wirklich in der 15-minütigen Pause in der deutschen Kabine zugegangen sein muss, ließ Doppel-Torschütze Amiri durchblicken. "Es war eine sehr emotionale Ansprache vom Trainer, er hat uns sehr hart angepackt. Aber das hat uns gut getan und enorm gepusht für den zweiten Durchgang. Und das zeigt auch, was für einen Charakter wir haben", so der Hoffenheimer, der in der Nachspielzeit mit einem sehenswerten Freistoß zum 4:2-Endstand traf.

"Der Trainer wollte mich eigentlich schon auswechseln", lachte Amiri, "aber da habe ich ihm gesagt: 'Nee, den Freistoß will ich noch schießen'. Hat dann ja auch ganz gut geklappt." Ähnlich wie bei Luca Waldschmidt, der gegen Rumänien seine Turnier-Tore sechs und sieben erzielte. Und damit gemeinsam mit dem Hoffenheim-Profi das Endspiel in Udine gegen Spanien (Sonntag, 20:45 Uhr) klar machte.

Mittelstädt lobt den Teamgeist

"Es ist gut zu wissen, dass wir als Team gegen Widrigkeiten ankämpfen und bei möglichen Rückstanden zurück kommen können", meinte Hertha-Profi Maximilian Mittelstädt nach der Partie, der den gelbgesperrten Benjamin Henrichs auf der Linksverteidiger-Position vertreten hatte. "Das schweißt uns als Team noch enger zusammen."

"Außerdem fügte der Berliner noch hinzu: 'Wir sind jetzt definitiv fürs Finale gewappnet und egal wer da kommt, wir wollen sie weghauen.'" Eine klare Ansage an die Spanier, die wenig später Frankreich klar mit 4:1 besiegten. Allerdings dürfte auch Mittelstädt klar sein, dass sich die deutsche U21 im Endspiel nicht noch einmal so eine Halbzeit leisten kann wie gegen Rumänien.

Sonst muss Kuntz erneut die Gewissenfrage stellen – und nach der Partie grimmig gucken. Dabei steht ihm das schelmische Grinsen doch viel besser.

Aus Bologna berichtet: Dominik Hechler

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