München/Valencia - Es war ein komplett kurioses Ende eines chaotischen fünften Saisonrennens in Valencia: Mercedes-Pilot Nyck de Vries hat sich im Mercedes den zweiten Saisonsieg gesichert.

Er gewann im Regen vor Nico Müller im Dragon und seinem Teamkollegen Stoffel Vandoorne.

Am Ende gab es ein Finale furioso, ein echtes Drama, denn dem halben Feld ging nach einer Safety-Car-Phase, der vierten insgesamt, kurz vor dem Ende die Energie aus, darunter auch Titelverteidiger Antonio Felix da Costa, der die ganze Zeit souverän geführt hatte, er wurde am Ende nur Sechster. Insgesamt wurden nur zwölf der insgesamt 24 Autos gewertet. In der Gesamtwertung setzte sich de Vries mit 57 Punkten an die Spitze vor Vandoorne (48) und Sam Bird (Jaguar/45), der durch das Chaos als Neunter noch zwei Punkte holte.

"Ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Eine Runde vor dem Ende bekam ich über Funk die Anweisung, dass ich die Energie reduzieren soll. Da wusste ich schon, dass ich die Ziellinie nicht überqueren werde. Ich bin noch nie so langsam gewesen und dann trotzdem nicht ins Ziel gekommen. Ich bin sprachlos", sagte da Costa. ran.de erklärt die Hintergründe zum Energie-Chaos in Valencia.

Energiemangel zum Schluss

Offenbar hatten sich zahlreiche Teams in den letzten Runden beim Energiemanagement böse verrechnet. Das führte dazu, dass das Feld noch einmal komplett durcheinandergewirbelt wurde, den Autos ging die Energie aus. Mercedes hatte die richtige Rechnung auf dem Schirm, De Vries fuhr mit einer Rest-Energiemenge von einem Prozent durchs Ziel. 

Komplett verrückt: Müller und Vandoorne waren von den Plätzen 22 und 24 (Vandoorne verlor die Pole Position wegen eines falsch montierten Reifens) aus ins Rennen gegangen und lagen nach einer Kollision untereinander kurz vor Ende des Rennens noch am Ende des Feldes. Stattdessen komplettierten sie das Podium.

Wie kam es zu dem Chaos? Nach einer Safety-Car-Phase wird eine Reduktion der Energie berechnet und den Autos abgezogen. ran racing-Experte Daniel Abt konnte sich kurz nach dem Rennen nicht vorstellen, dass die Teams bei der Berechnung der Energie für die restliche Renndauer fast alle verrechnet haben, er glaubt, dass sich die Rennleitung möglicherweise bei der genannten Reduktion vertan hat. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass so viele Teams so blöd gewesen sein sollen und die Energie falsch berechnet haben", sagte Abt.

Abt-Technikchef Florian Modlinger erklärte das für viele Teams so desaströse Ende mit einem Rechenfehler. Die letzte Safety-Car-Runde habe zweieinhalb Minuten gedauert, sagte er: "Vielleicht haben das auch einige berechnet. Und die allerletzte Safety-Car-Phase, bevor das Safety Car reingekommen ist, war deutlich schneller. Das ganze Feld ist noch mal 30 Sekunden vor dem Rennende über die Start/Ziel-Gerade gefahren, deshalb waren es am Ende noch zwei Runden statt einer. Das war das größte Problem für die meisten."

Frederic Bertrand, Circuit Championships Director der FIA, erklärte: "Wir hatten heute etwa die gleiche Konstellation wie in Rom. Wir hatten eine späte Safety-Car-Phase und haben die Teams im Vorfeld darüber informiert, dass wir in diesem Fall die Energie reduzieren würden. So war es auch in Rom." Dass das Verhalten des Führenden dann Auswirkungen auf das Energie-Management Rest das Fahrerfeldes hätte, sei nur logisch. "Einige Fahrer haben das verstanden und entsprechend gut antizipiert, andere weniger gut. Wir wissen, dass Energie-Management die Schlüssel-Komponente in unserer Weltmeisterschaft ist. Es war eine große Herausforderung, aber machbar", so Bertrand.

Gleichzeitig gestand der FIA-Direktor aber auch ein: Wir sind offensichtlich ein zu hohes Risiko eingegangen und konnten das Rennen nicht unter geordneten Bedingungen beenden. Das ist sicher nicht das Finish, das wir uns gewünscht haben."

Durch das Chaos wurde Audi-Pilot Rene Rast, der die ganze Zeit mit den Punkten nichts zu tun hatte, am Ende Fünfter. Er hatte für die letzte Runde noch eine Kilowattstunde übrig, normalerweise benötigt man das Doppelte, verriet er: "Ich wusste nicht, wie weit ich mit einer kWh komme. Das haben wir ja nie trainiert."

Rast besserte die deutsche Bilanz ein wenig auf, denn aus deutscher Sicht war es ansonsten ein desaströses Rennen. Pascal Wehrlein hielt sich als Siebter lange in der erweiterten Spitzengruppe, musste in der Schlussphase aufgrund von technischen Problemen allerdings vorzeitig aufgeben. Er blieb damit zum ersten Mal in dieser Saison ohne Punkte.

Günther scheidet aus

Für Maximilian Günther war es ein bitterer Nachmittag: Er war von Startplatz zwei aus ins Rennen gegangen, schied nach einem Ausflug ins Kiesbett aber vorzeitig aus. "Ich habe angebremst, die Hinterachse hat komplett blockiert, ich hatte keine Chance, das Auto abzufangen. Das ist natürlich sehr schade. Wir müssen verstehen, warum das so gewesen ist", sagte Günther.

Auch Andre Lotterer findet einfach nicht in die Saison. Er blieb in vier Rennen ohne Punkte, und auch in Valencia setzte sich die Durststrecke fort. Trotz Startplatz fünf wurde der Porsche-Pilot nur 20., nachdem er in der ersten Runde gleich einen Crash hinlegte - mal wieder übrigens. Er bekam eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt und schied nach einer erneuten Kollision kurz Schluss komplett aus.

Start hinter dem Safety Car

Während Training und Qualifying noch im Trockenen über die Bühne gingen, regnete es beim Rennen. Deshalb wurde der Lauf hinter dem Safety Car gestartet. 

Zu einem Crash kam es trotzdem sehr schnell: Noch in Runde eins kollidierte Lotterer mit Sebastien Buemi, weshalb das Safety Car direkt wieder ausrückte. Rein klarer Fehler des Deutschen, der dafür eine Durchfahrtsstrafe kassierte.

Beim Restart blieb da Costa vorne vor Günther, der von Lynn unter Druck gesetzt wurde. Dahinter lagen de Vries, Nato und Rowland. Recht schnell drückte de Vries aufs Gas, er eroberte Platz zwei vor Lynn, der sich ebenfalls Günther schnappte, der mit dem Tempo nicht mitgehen konnte.

25 Minuten vor Schluss war das Rennen für Günther dann beendet - er flog bei den widrigen Bedingungen ins Kiesbett ab, was den zweiten Safety-Car-Einsatz zur Folge hatte. Knapp zehn Minuten dann der nächste Zwischenfall, nach dem Aus von Sergio Sette Camara nach einer Kollision mit Mitch Evans musste wieder das Safety Car ausrücken.

Wer sich von dem Chaos nicht beirren ließ, war da Costa an der Spitze, er hielt de Vries wacker hinter sich. Dahinter lagen Sims, Lynn, Rowland und Wehrlein. Nach einer erneuten Safety-Car-Phase brach dann schließlich das Chaos auf der Strecke aus, vielen Fahrern ging die Energie aus, was zu einem völlig veränderten Ergebnis führte.

Am Sonntag geht es weiter

Renntage sind Feiertage - auch am Sonntag wieder. Denn da steht bereuts das sechste Saisonrennen auf dem Programm, ebenfalls in Valencia. Los geht es ab 7.55 Uhr mit dem dritten freien Training (im Livestream auf ran.de)

Im Qualifying werden ab 9.45 Uhr (im Livestream auf ran.de) die Startplätze ausgefahren, der sechste WM-Lauf geht dann ab 13.30 Uhr über die Bühne (live in SAT.1 und auf ran.de).

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