In einem Brief für Sponsor Under Armour lässt Mick Schumacher ungewohnt tief... - Bildquelle: ITRIn einem Brief für Sponsor Under Armour lässt Mick Schumacher ungewohnt tief in seine Gedankenwelt und seine Inspiration durch Vater Michael blicken. © ITR

München - Unter dem Titel "My Way Through" hat Mick Schumacher einen emotionalen offenen Brief verfasst, der von seinem persönlichen Sponsor Under Armour den Medien zur Veröffentlichung angeboten wurde. In dem Brief schreibt der 21-Jährige über seinen Vater Michael und sein großes Ziel im Motorsport: Formel 1 zu fahren und ein Champion zu werden.

"Ich habe ziemlich früh erkannt, dass ich ein Formel-1-Fahrer, ein Champion, sein möchte. Ich bin mit drei Jahren das erste Mal in ein Go-Kart gesprungen - damals war es natürlich noch kein richtiges Go-Kart - und bin mit acht Jahren in den nationalen Rennsport eingestiegen. Als ich elf oder zwölf Jahre alt war, wusste ich, dass ich das professionell machen wollte."

"Anfangs habe ich verschiedene Namen benutzt, um unerkannt Rennen fahren und mich ungestört verbessern zu können, ohne allzu sehr dem Etikett 'der Sohn von' ausgesetzt zu sein", erinnert sich Schumacher an seine Anfänge. Unter anderem trat er bei einigen Rennen als "Mick Betsch" an - unter dem Mädchennamen seiner Mutter Corinna.

Dabei spürt er eigenen Angaben nach "keinen Druck", den Familiennamen Schumacher "zu tragen oder genau das zu tun, was mein Vater getan hat. Der meiste Stress geht von mir aus - von dem, was ich mir selbst auferlege. Von den Gedanken darüber, was ich falsch gemacht habe und wie ich mich verbessern kann."

Der lange Schatten des berühmten Vaters

"Die Leute kennen die Schlagzeilen und die 'Berühmtheit' meines Vaters, was ich vollkommen verstehe. Komplett nachvollziehbar. Immerhin hat er im Jahr nach meiner Geburt die erste von fünf Formel-1-Meisterschaften in Folge gewonnen - das ist unglaublich, oder? Aber ich habe meinen Vater nie nur als den 'größten Fahrer der Welt' gesehen."

Das deckt sich mit einer früheren Aussage in einem exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com', geführt beim Saisonfinale 2019 in Abu Dhabi. Damals hatte Schumacher über den Hype um seine Person gesagt, er "merke das gar" nicht - auch, weil er keine Zeit und Lust hat, die Presse zu lesen: "Da gehe ich lieber ins Gym oder mit meinem Hund spazieren."

In seinem "Under-Armour"-Brief betont Schumacher, dass Michael für ihn nicht der siebenmalige Weltmeister ist, der von Millionen von Formel-1-Fans angehimmelt wird, sondern: "Er ist in erster Linie immer mein Vater."

Über den spricht der Formel-2-Pilot selten. Über dessen Skiunfall noch weniger. Die Familie Schumacher legt auf ihre Privatsphäre allergrößten Wert. Jetzt schreibt er aber: "Ich nehme die Lektionen, die er mir weitergegeben hat, nicht als selbstverständlich hin. Eine dieser Lektionen ist, beständig zu bleiben, nie zu euphorisch oder zu niedergeschlagen zu sein."

2018: Erst Durststrecke, dann Siegeslauf

Als Beispiel nennt er seine Formel-3-Saison 2018, in der er in den ersten 14 Rennen (bis zum dritten Rennen in Spa) nur einmal auf dem Podium stand - und trotzdem noch Meister wurde: "Selbst damals, als ich 2018 in der Formel-3-Serie nach dem 15. Rennen auf Platz zehn war - selbst da hatte ich nie Zweifel daran, dass dies mein Jahr werden würde."

"Ich war im Training gut unterwegs, und ich habe mich in die Arbeit gestürzt. Ich musste nur auf Kurs bleiben und Druck machen. Es gab keinen Ausweg; der einzige Weg war, es durchzustehen und härter zu arbeiten. Und wir haben es geschafft - wir haben das Ergebnis erreicht, das wir in Spa-Francorchamps brauchten."

"Die Emotionen des Sieges haben uns wieder angestachelt, und am Ende haben wir noch sieben weitere Siege geholt und den Titel gewonnen. Der Schlüssel zum Erfolg war der Glaube an die Arbeit, die wir bereits geleistet hatten. Die Siege waren das Ergebnis."

Mit dem Titel in der Tasche stieg Schumacher in die Formel 2 auf, zum Prema-Powerteam, für das er auch in der am 5. Juli in Spielberg beginnenden Saison 2020 antreten wird. 2019 sei "hart" gewesen, "aber so ist der Sport. Man gewinnt, man verliert, man lernt und verbessert sich. In der Formel 2 ist das Auto viel schwerer [als in der Formel 3], mit einem ganz anderen Fahrverhalten."

2020: Wichtige Saison für das Fernziel Formel 1

"Ich weiß, dass dieses Jahr ein bedeutendes Jahr für meine Entwicklung und meinen Fortschritt ist. Ich bin bereit und gut aufgestellt. Auch das Prema-Team ist bereit. Und ich habe meine Familie und Freunde, die mich am Boden halten und mich zentrieren."

Dass er mit seinen Ambitionen scheitern könnte, hat in Schumachers Kopf keinen Platz: "Letztendlich bin ich überzeugt von dem, was ich tue. Das muss ich sein, denn ich habe mir keine andere Möglichkeit gegeben. Ich liebe das, was ich tue. Irgendwie mache ich das schon 18 Jahre meines Lebens - und ich bin 21."

"Ich werde nicht aufhören, bis ich die oberste Stufe des Podiums erreicht habe. Ich werde den Champagner versprühen und mit meinem Team lachen und feiern. Ich werde dabei trotzdem daran denken, was ich in der neunten und 23. Runde in der zweiten Kurve hätte besser machen können. Es wird sich in mein Gedächtnis einbrennen."

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