Sie ist amtierende Wimbledon-Siegerin, Weltranglisten-Dritte und will nun au... - Bildquelle: GettySie ist amtierende Wimbledon-Siegerin, Weltranglisten-Dritte und will nun auch mit Tschechien den Fed Cup zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren gewinnen: Petra Kvitova © Getty

ran.de/tennis.de: Frau Kvitova, Sie haben in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal das traditionsreiche Grand-Slam-Turnier in Wimbledon gewonnen und sich zuletzt in Wuhan bereits den 14. Titel in Ihrer WTA-Karriere gesichert. Wie würden Sie Ihr Tennis-Jahr 2014 im Rückblick bislang bewerten?

Petra Kvitova: Vor allem zu Beginn des Jahres lief für mich leider nicht so richtig viel zusammen. Ich habe in der Vorbereitung auf diese Saison wirklich sehr hart und fokussiert gearbeitet, konnte es aber leider nicht gleich auf den Platz bringen. Ich habe mich in dieser Phase vielleicht auch selbst zu sehr unter Druck und Stress gesetzt, unbedingt erfolgreich sein zu müssen. Doch im Laufe des Jahres fühlte ich mich auf dem Court dann immer wohler und konnte ausgerechnet in Wimbledon dann auch meine besten Leistungen abrufen. Dort zu gewinnen ist einfach das Allergrößte.

ran.de/tennis.de: Sie haben die Höhen und Tiefen Ihrer Tennis-Saison 2014 angesprochen. Wie haben Sie es geschafft, ausgerechnet in Wimbledon in Top-Form zu sein?

Kvitova: Ich liebe es einfach, auf Rasen zu spielen. Das ist mein absoluter Lieblingsbelag - und Wimbledon das mit Abstand beste Turnier auf der ganzen Welt. Ich habe mich dort schon immer sehr wohl gefühlt und mein Spiel, mit den sehr gerade geschlagenen Grundschlägen, kommt dort einfach am effektivsten zur Geltung. Es hat einfach wieder einmal alles zusammengepasst.

ran.de/tennis.de: Der Triumph in Wimbledon war sicherlich ein persönlicher Höhepunkt für Sie in diesem Jahr. Aber was ist mit dem noch bevorstehenden Fed-Cup-Finale im November gegen Deutschland? Was bedeutet Ihnen diese Veranstaltung?

Kvitova: Es ist immer eine Ehre für mich, in der Mannschaft für mein Land anzutreten. Und es macht mich wahnsinnig stolz, dass wir wieder einmal im Finale stehen. Wir haben den Fed-Cup im Jahr 2012 ja schon einmal zu Hause in Prag gewonnen – und das wollen wir im November natürlich unbedingt wiederholen. In der Halle wird eine tolle Atmosphäre herrschen, alle meine Freunde und auch meine Familie werden da sein, um mich und meine Teamkolleginnen zu unterstützen. Aber Deutschland ist sehr stark, ich sehe die Chancen bei 50:50.

ran.de/tennis.de: Die deutsche Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner erklärte kürzlich, dass sie die Siegchancen eher 70:30 für Tschechien einschätze …

Kvitova: Wirklich? Das hat sie gesagt? Aber warum? Okay, wir spielen zu Hause. Aber das muss nicht unbedingt ein Vorteil sein. Und die deutsche Nummer eins, Angelique Kerber, steht genauso in den Top-10 wie ich und Andrea Petkovic rangiert in der Weltrangliste in etwa auf der gleichen Position wie meine Mannschaftskollegin Lucie Safarova. Es ist also total ausgeglichen, für mich gibt es deswegen auch keinen klaren Favoriten. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass die Chancen 50:50 stehen.

ran.de/tennis.de: Sie haben den Fed-Cup mit dem tschechischen Team bereits zwei Mal in den vergangenen drei Jahren gewonnen. Was macht Ihre Mannschaft so stark?

Kvitova: Wir haben in Tschechien einfach sehr viele gute Spielerinnen, die für den Fed Cup in Frage kommen. Außerdem spielen wir alle unheimlich gerne für unser Land, genießen jeden Augenblick, wenn wir in der Fed-Cup-Woche alle zusammen sind. Und die Aussicht, für sein Land, seine Nation zu spielen, verleiht uns allen nochmal eine extra Motivation. Tennis ist ja sonst ein sehr individueller Sport, wir reisen oft alleine durch die Welt. Und da ist der Fed Cup einfach eine sehr willkommene Abwechslung.

ran.de/tennis.de: Wie schätzen Sie die deutsche Mannschaft ein?

Kvitova: Ich habe die Ergebnisse der deutschen Spielerinnen in den vergangenen Monaten jetzt nicht explizit verfolgt. Aber natürlich habe ich mitbekommen, dass Andrea Petkovic unter anderem das Halbfinale der French Open erreicht hat und nach ihren vielen Verletzungen endlich wieder erfolgreich auf die Tour zurückgekehrt ist. Ich freue mich sehr für sie. Und Angie Kerber spielt bereits seit langer Zeit auf einem sehr hohen Niveau, sonst würde sie nicht seit zwei Jahren konstant in den Top-10 der Weltrangliste stehen. Außerdem habe ich gehört, dass sie eine richtig gute Atmosphäre in der Mannschaft haben. Das ist nicht immer einfach und selbstverständlich in einer reinen Frauen-Mannschaft (lacht). Aber es hilft natürlich sehr, wenn im Team einer für den anderen da ist. Nur so kann man gemeinsam erfolgreich sein.

ran.de/tennis.de: Sie haben selbst schon einige Male gegen die beiden deutsche Top-Spielerinnen Angelique Kerber und Andrea Petkovic gespielt. Wo sehen Sie deren Stärken und Schwächen?

Kvitova: Petkovic und Kerber sind beide große Athleten.  "Petko" spielt sehr aggressiv, geht immer nach vorne. Und Angie ist ein "Lefty" – genauso wie ich. Die sind immer schwer zu spielen. Außerdem bewegt sich Kerber richtig gut auf dem Platz, sie gibt keinen Ball verloren.

ran.de/tennis.de: Glauben Sie, dass Petkovic und Kerber die beiden Einzel für Deutschland bestreiten werden oder könnten Sie sich auch vorstellen, dass Sabine Lisicki noch nominiert und ins Rennen geschickt wird?

Kvitova: Das ist für mich natürlich nur ganz schwer einzuschätzen. Allerdings hat Lisicki in diesem Jahr noch kein einziges Fed-Cup-Match bestritten und ich rechne jetzt auch nicht wirklich damit, dass sie gegen uns spielen wird. Das ist aber nur meine ganz persönliche Meinung.

ran.de/tennis.de: Was müssen Sie und das tschechische Team machen, um die Deutschen zu schlagen und den Fed Cup erneut zu gewinnen?

Kvitova: Das Finale ist am Ende der Saison, jede Spielerin ist müde und kaputt. Da ist das Risiko für Verletzungen enorm hoch, jeder muss sich noch einmal konzentrieren und alles aus sich herausholen. Jedes Match am Fed-Cup-Wochenende wird sehr offen sein, nur wenige Punkte werden über Sieg oder Niederlage entscheiden. Unsere Fans und unser Team müssen ganz eng zusammenstehen und die Zuschauer müssen uns mit ihrer Unterstützung die nötige Energie vermitteln. Denn wir werden Deutschland alles abverlangen müssen. Sie werden nach Prag kommen, um uns zu schlagen. Auch sie haben den unbedingten Willen, den Fed Cup zu gewinnen. Da geht es dann auch nicht mehr um irgendwelche Weltranglisten-Positionen. Wenn man für sein Land spielt, zählen diese nämlich überhaupt nichts mehr.

ran.de/tennis.de: Welche Bedeutung hat der Heimvorteil für Tschechien?

Kvitova: Das bedeutet vor allem enormen Druck für unsere Mannschaft. Aber wir haben ja im Jahr 2012 schon einmal in Prag das Fed-Cup-Finale gespielt und gewonnen, so dass Lucie Safarova und ich diesen Druck und die Atmosphäre in der Halle bereits kennen und auch schon im Vorfeld ganz gut einschätzen können. Im Prinzip ist es ja auch das Schönste was es gibt, vor den eigenen Fans spielen zu können. Außerdem ist Prag nicht so weit von Deutschland entfernt, so dass bestimmt auch viele Fans von dort anreisen werden. Ich bin mir sicher, dass die Stimmung am Fed-Cup-Wochenende richtig toll werden wird.

ran.de/tennis.de: Andrea Petkovic hat uns im Interview gesagt, dass die deutschen Fans bei einem möglichen Fed-Cup-Sieg nicht den "Petko-Dance", sondern wahrscheinlich den "Petko-Bier-Trinker" sehen werden. Was haben Sie sich Besonderes bei einem möglichen Triumph überlegt?

Kvitova: Wir haben den Fed Cup ja als Team bereits zwei Mal in den vergangenen drei Jahren gewonnen und wir wollen ihn nun auch ein drittes Mal nach Tschechien holen – für das gesamte Team und vor allem für die Fans. Da geht es nicht um uns selbst als einzelne Spielerinnen. Wenn man die Trophäe dann in der Hand hält, ist das schon ein ganz besonderer Moment. Da brauche ich persönlich nichts anderes, besonderes machen.

ran.de/tennis.de: In ihrem Twitter-Profil schreiben Sie über sich selbst, dass Sie "immer lachen". Was bringt Sie denn mal so richtig auf die Palme?

Kvitova: Also wenn ich mal nicht so gut spiele, kann ich schon richtig sauer werden. Denn ich suche den Fehler immer bei mir und nie bei anderen. Aber ansonsten liebe ich es einfach, fröhlich zu sein und viel zu lachen. So bin ich einfach, ein durchweg positiver Mensch.