Serena Williams - Bildquelle: 2019 Getty ImagesSerena Williams © 2019 Getty Images

Wimbledon - In ihrem Kampf gegen das vermeintliche Verfallsdatum für Sportlerkarrieren wähnt sich Serena Williams in bester Gesellschaft. "Roger Federer, Tom Brady, auch Tiger Woods", zählt die US-Tennis-Königin auf. Sie alle würden derzeit ihre Laufbahnen auf höchstem Niveau verlängern, sie alle seien dadurch "eine große Inspiration". Williams selbst gehört ebenfalls in diese Liste der Superstars. 17 Jahre nach ihrem ersten Triumph greift sie am Samstag gegen Simona Halep (ab 14:30 Uhr im Liveticker auf ran.de) erneut nach dem Wimbledon-Titel - und peil nebenbei einen Rekord an.

Bei einem Erfolg würde Williams durch ihren dann 24. Major-Titel mit der Australierin Margaret Court gleichziehen. Es wäre zudem der erste seit der Geburt ihrer Tochter 2017. Einen anderen Rekord hat Williams dagegen bereits sicher. Mit 37 Jahren und 291 Tagen ist sie nunmehr die älteste Grand-Slam-Finalistin in der Ära des Profitennis. Bislang wurde die Bestmarke von der großen Martina Navratilova gehalten, die 1994 in Wimbledon exakt 33 Tage jünger war.

Serena Williams jetzt älteste Grand-Slam-Finalistin in der Ära des Profitennis

Mit 37 Jahren und 291 Tagen ist Williams dabei die älteste Grand-Slam-Finalistin in der Ära des Profitennis. Ihr erster Titelgewinn in London aus dem Jahr 2002 scheint nicht nur ihr selbst inzwischen aus einem anderen Zeitalter zu stammen. "Ich habe gerade erst versucht, mich daran zurückzuerinnern", sagte sie nach ihrem mühelosen 6:1, 6:2-Erfolg im Halbfinale gegen die Tschechin Barbora Strycova am Donnerstag: "Es war gegen Venus, oder?"

Es war in der Tat gegen ihre ältere Schwester Venus und die damals 20-jährige Serena stand noch ganz am Anfang ihrer Ära der Dominanz. "Ich erinnere mich, wie anders das Gefühl ist, wenn man jünger ist", sagte sie nun: "Ich bin so viel ruhiger heute. Ich schaue einfach von Tag zu Tag und versuche, mein Bestes zu geben." Die mentale Stärke, die Gelassenheit einer 23-maligen Grand-Slam-Siegerin verschaffen ihr gegenüber vielen der jüngeren Konkurrentinnen einen Vorteil.

Williams will auch als Mutter Grand-Slam-Titel gewinnen

Dass sie auch nach so langer Zeit noch immer auf höchstem Niveau spielen kann, schreibt Williams aber auch der modernen Sportmedizin und Trainingswissenschaft zu. "Wenn wir diese Technologie schon vor 20 Jahren gehabt hätten, würde vielleicht Michael Jordan noch spielen", scherzte sie nach ihrem erneuten Sturm ins Wimbledon-Finale: "Ich habe das Gefühl, dass ich so viel mehr über meinen Körper weiß. Dinge, die ich anders mache als zu dem Zeitpunkt, als ich neu auf der Tour war. Dinge, die meine Karriere verlängern."

Hinzu kommt, dass sich Williams inzwischen ausschließlich auf die Highlights des Tennis-Jahres konzentriert und sich dort noch einmal regelmäßig auf ein anderes Level hieven kann. Seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia verzeichnete sie bei gewöhnlichen Turnieren der WTA-Tour fünf Siege und sechs Niederlagen. Bei den vier Majors dagegen steht ihre Bilanz bei 27:4 Siegen. Der Wunsch, als Mutter noch einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen und mit insgesamt 24 Triumphen zur australischen Rekordhalterin Margaret Court aufzuschließen, bleibt Williams' innere Antriebsfeder.

Am Samstag nun bietet sich ihr gegen die Rumänin Halep die nächste Chance. Zweimal - im Vorjahr in Wimbledon gegen Angelique Kerber und bei den US Open gegen die Japanerin Naomi Osaka - ist sie knapp gescheitert. Auch gegen die frühere French-Open-Siegerin und Weltranglistenerste Halep, die ein starkes Turnier gespielt und sich eindrucksvoll aus ihrem kleinen Leistungsloch befreit hat, muss sie sich auf harte Gegenwehr einstellen. "Sie will zeigen, dass sie es noch immer kann", vermutet sie. Ein Wunsch, den Williams wahrlich nachempfinden kann.