Kade Warner arbeitete sich ohne Stipendium zum Starter hoch. - Bildquelle: imagoKade Warner arbeitete sich ohne Stipendium zum Starter hoch. © imago

München/Lincoln - Es ist das Jahr 2017. Kade Warner hat soeben sein letztes Spiel an der High School für die Desert Mountain Wolves absolviert. Nach einer vielversprechenden Saison blickt der Wide Receiver in eine rosige Zukunft.

Denn Warner hat in drei Jahren mit 241 Catches einen Rekord im Bundesstaat Arizona für gefangene Bälle aufgestellt. Darüber hinaus erzielte er in den vergangenen beiden Saisons 32 Touchdowns.

Doch es kommt nicht wie erwartet. Denn Warner wartet trotz seiner starken Auftritte bei den Wolves vergeblich auf Angebote von Colleges.

Eine Tatsache, die sein Vater Kurt Warner nicht verstand. "Es gab keine Angebote", stellte Warner im Gespräch mit "The Athletic" fest. "Null Angebote, für einen Spieler, der produktiv war und ein Play nach dem Anderen gemacht hat. Das Enttäuschende für mich ist, dass die Scouts nur messbare Variablen sehen - und dabei die unmessbaren übersehen."

Warners harter Weg

Der ehemalige Quarterback spricht aus bitterer Erfahrung. Denn seine Anfangszeit im Football verlief ähnlich holprig. Warner wurde im Draft 1994 nicht ausgewählt und konnte in der Folge seine Chance im Training Camp der Green Bay Packers nicht nutzen und wurde entlassen.

Doch der heute 48-Jährige biss auf die Zähne und empfahl sich zwei Jahre in der Arena League. Nach einem weiteren Zwischenstopp in der NFL Europe bei den Amsterdam Admirals gaben schließlich die St. Louis Rams Warner 1998 eine Chance.

Der Rest ist glorreiche Geschichte. Warner lieferte bei den Rams in drei Jahren "The Greatest Show on Turf" und begeisterte die Massen mit spektakulären Auftritten. Dabei sprangen 2000 der Gewinn des Super Bowls und 1999 sowie 2001 die Krönung zum MVP heraus.

Kade motivieren die Leistungen seines Vaters

Sein Sohn Kade kann die Leistungen seines Vaters erst seit ein paar Jahren wirklich einschätzen. "Ich habe erst beim Rücktritt meines Vaters verstanden, was er eigentlich geleistet hat." Der steinige Weg seines Vaters half Kade dabei, mit seiner eigenen Situation umgehen zu können.

"Die Umstände, die mein Vater zu bewältigen hatte, waren deutlich härter als meine", sagte Kade. "Das wurde mir in der High School klar. Und wenn er das geschafft hat, dann schaffe ich das auch."

Und Kade hat es geschafft. Zumindest vorerst. Denn der Wide Receiver konnte sich 2018 bei einem Probetraining für Nebraska empfehlen und bekam einen Platz im Team der Cornhuskers. Warner gelang es bis Woche fünf, sich vom dritten Team bis zu den Startern hochzuarbeiten und startete sieben der letzten neun Spiele.

Dass Warner kein Stipendium erhalten hat, sondern als sogenannter Walk-On (ein Spieler, der nicht rekrutiert wurde, sondern über Probetrainings ins Team gelang) für die Huskies spielt, stört ihn nicht.

"Die Leute sagen gerne, dass ich langsam wäre. Ganz offensichtlich habe ich auch deswegen kein Stipendium bekommen", reflektiert Warner. "Aber das spielt jetzt keine Rolle für mich. Solange ich eine Chance bekomme, zu spielen, ist es mir egal ob ich rekrutiert wurde oder nicht."

"Du hast etwas geschafft, das mir nicht gelang"

Das muss Warner auch nicht interessieren sein. Sein Vater ist bereits jetzt stolz darauf, was Kade erreicht hat. "Ich habe Kade deutlich gemacht, dass er jetzt ein Starter in der "Big Ten" ist. Ich habe ihm gesagt: 'Ist dir überhaupt klar, dass 99 Prozent der Spieler nicht das erreichen werden, was du geschafft hast? Du hast etwas geschafft, was mir nicht gelang'", sagte Kurt seinem Sohn.

Nichtsdestotrotz muss sich Kade in seiner ersten vollen Saison als Starter bei Nebraska steigern, möchte er eine ähnlich steile Karriere wie sein Vater hinlegen. Denn die 17 Catches für 95 Yards in der vergangenen Saison werden keinen NFL-Scout vom Hocker hauen.

Beim Auftakt gegen South Alabama am 31. August ab 17:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de bietet sich für Warner gleich eine gute Gelegenheit, erfolgreich in die Spielzeit zu starten. Denn die Jaguars gehen als krasser Außenseiter in die Partie. Die vergangene Saison schloss South Alabama mit einer Bilanz von 3-9 ab.

Nebraska kam nach sechs Niederlagen in Folge mit Warner zum ersten Erfolg und schloss die Saison nach dem katastrophalen Start mit vier Siegen aus den letzten 6 Spielen ab.

Kade soll eigene Geschichte schreiben

Kurt Warner möchte seinen Sohn, so gut es geht, unterstützen. "Wir wollen so viele Spiele wie möglich von Kade sehen. Wenn dein Sohn Football spielt und etwas macht, das er liebt, muss man die Gelegenheiten wahrnehmen, die es gibt."

Die Geschichte von Kade Warner ist definitiv eine ganz besondere. Die Parallelen zu den Anfängen seines berühmten Vaters sind nicht von der Hand zu weisen. Doch der Werdegang von Kurt Warner sorgt auch für Druck auf den Schultern des 20-Jährigen.

"Ich weiß, dass der Druck da ist", gibt der Super Bowl Champion zu.

"Aber Kade ist bisher immer sehr gut damit umgegangen. Ich denke, dass er sich bewusst ist, dass er mit seiner Leistung überzeugen muss. Ansonsten werden die Leute ihn nur als 'Sohn von Kurt Warner' wahrnehmen. Aber genau das treibt ihn an: stolz auf seine Wurzeln zu sein und gleichzeitig seine eigene Geschichte zu schreiben".

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Notifications für Live-Events.

Hier geht es zum App-Store zum Download der ran App für iPad und iPhone.

Hier geht es zum Google-Play-Store zum Download der ran App für Android-Smartphones.

US-Sport-Videos

US-Sport-News

Die nächsten Spieltage

NFL 2019 / 2020