Jordan Love bestreitet gegen die Kansas City Chiefs sein erstes NFL-Spiel vo... - Bildquelle: 2021 Getty ImagesJordan Love bestreitet gegen die Kansas City Chiefs sein erstes NFL-Spiel von Beginn an. © 2021 Getty Images

Kansas City - Matt LaFleur dürfte sich seinen 42. Geburtstag auch anders vorgestellt haben.

Ein paar Glückwünsche auf der Pressekonferenz hier, einen Satz zum Spiel am Sonntag gegen die Kansas City Chiefs (ab 22:25 Uhr live auf ProSieben MAXX und im Livestream auf ran.de) da, dass sie ein gutes Football-Team sind, dass man sie nicht unterschätzen darf trotz ihrer 4-4 Bilanz. So in etwa.

Dass der Head Coach der Green Bay Packers sich dann am späten Vormittag so einer Knallernachricht der Presse stellen muss - nämlich dass Aaron Rodgers positiv auf Corona getestet wurde -, damit hatte er bestimmt nicht gerechnet.

Für LaFleur bedeutet der Ausfall des Star-Quarterbacks für das Topspiel beim Topteam der vergangenen beiden Jahre, dass sein Team ohne den MVP der Vorsaison und einen mit Ausnahme des ersten Saisonspiels herausragenden Dirigenten der Offense auskommen muss.

"Sie werden das Spiel für uns nicht verschieben oder absagen", meinte LaFleur auf der Pressekonferenz dann schon etwas genervt. Es sei nun mal so, man müsse sich dem stellen. Jetzt zählt die "Next man up"-Mentalität.

 

6:21 Minuten NFL-Erfahrung statt dreimaliger MVP

Statt in Rodgers' Hände legt bzw. muss LaFleur seine Offensiv-Bemühungen in die Hände eines Quarterbacks legen, der 6:21 Minuten auf einem NFL-Spielfeld während eines Regular-Season-Spiels stand: Jordan Love.

Ergebnis dieses Einsatzes beim Spielstand von 3:38 bei noch 10:46 im letzten Viertel am 1. Spieltag der Saison gegen die New Orleans Saints in Jacksonville: fünf von sieben Pässen, 68 Yards, ein Fumble bei einem Quarterback-Rating von 102,1.

Darunter ein feiner Pass auf Randall Cobb über 32 Yards. Was dem ehemaligen Quarterback der Dallas Cowboys und heutigem TV-Experten Troy Aikman bei den wenigen Snaps auffiel: "Er schafft sich etwas Zeit in der Pocket."

Ein gutes Zeichen. Die Pässe über die Distanz von zehn bis 20 Yards wiesen in der Preseason schon eine gewisse Genauigkeit auf, die Ein- und Ansätze versprachen Positives.

 

Vergiftetes Klima bei den Packers wegen Love

Dabei war die Personalie Jordan Love in Green Bay zu Beginn alles andere als eine Love-Story.

Vielmehr sorgte die Auswahl des Quarterbacks von der Utah State beim Draft 2020 für reichlich Diskussion und schien das Klubklima insbesondere zwischen Rodgers und der Packers-Führung zu vergiften.

Love symbolisiert alles das, was General Manager Brian Gutekunst in Rodgers' Augen falsch gemacht hat. Fehlende Unterstützung durch investierte frühe Draftpicks in die Offensive.

Dass dann ausgerechnet ein Erstrunden-Pick - und dazu auch noch um vier Plätze nach oben getradet - in seinen Nachfolger investiert wird - für Rodgers ein Schlag in die Magengrube.

Love nicht mal als Backup im Einsatz

Und die Wahl Loves blieb auch nach dessen Rookie-Saison ein Mysterium für Experten und Journalisten - vor allem wegen der Handhabe von LaFleur mit seinem Neuling während der Spielzeit.

So fand sich der Rookie nie auf dem 46 Mann umfassenden Spielkader der Packers wieder. Vor den Partien hieß es immer wieder: Love inactive.

Aufgrund der fehlenden Preseason-Spiele in der Vorsaison und auch der wegen Corona nur wenigen Möglichkeiten, die Trainings der Packers zu verfolgen, blieb Love keine Chance, sich zu zeigen.

Fragen nach Loves Fähigkeiten kamen daher schnell auf. "Ist er vielleicht sogar so schlecht, dass die Packers ihn verstecken wollen?", hieß es im Hoge & Jahns Podcast von "The Athletic".

Solide Einsätze in der Preseason

In dieser Preseason widerlegte Love diese Spekulationen und zeigte bei seinen Einsätzen, was er in seinem rechten Wurfarm hat. Zwar war es auch nicht die von den Packers-Fans erwartete oder erhoffte Dominanz, Ansätze ließ er aber aufblitzen und vor allem an sein zweites College-Jahr erinnern.

Mit 32 Touchdowns bei nur sechs Interceptions für 3567 Yards stellte er einen Saison-Rekord an der Uni im Mormonen-Staat auf, ließ die Draft-Analytiker von einem künftigen Erstrunden-Pick schwärmen.

Den Absturz in seiner Junior-Saison mit 20 Touchdowns bei 17 Interceptions führten die Experten auf den Abgang von zahlreichen Startern seiner College-Mannschaft zurück.

 

Mahomes gegen Rodgers wird keine Love-Story

Nun erwartet den am Dienstag 23 Jahre alt gewordenen Quarterback sein Starter-Debüt gegen die Chiefs - ein Spiel, dem Football-Fans entgegengefiebert hatten.

Es sollte doch das große Spektakel werden, das Duell Rodgers gegen Patrick Mahomes, nachdem es vor zwei Jahren noch aufgrund einer Verletzung von Mahomes ausgefallen war. Das Duell MVP 2020 gegen MVP 2018.

Selbst Mahomes verriet im ran-Interview, wie er auf das Aufeinandertreffen mit Rodgers hinfiebert.

"Wenn du gegen einen großartigen Quarterback spielst wie Aaron, ist das schon eine besonders coole Sache", meinte er. Schließlich habe er Rodgers Jahre lang genau beobachtet.

"Ich habe mir in meiner Jugend viele Spiele von ihm angeschaut, allein weil ich der Meinung war, einen ähnlichen Stil wie er spielen zu können", erklärte Mahomes: "Wie er sich bewegt, wie er auf unterschiedlichste Weise den Ball wirft. Und jetzt erstmals gegen ihn spielen zu können, auf diese Gelegenheit freue ich mich besonders."

Dies bleibt Mahomes nun erneut verwehrt. Das Duell Mahomes und Rodgers wird eben keine Love-Story mehr.

Aber Love-Stories sind für den kühlen LaFleur eh nichts: "Niemand möchte, dass so großartige Spieler wie Aaron ausfallen. Aber da müssen wir jetzt durch. Jeder einzelne muss sein Bestes geben. Auch Jordan."

Und vielleicht beginnt dann am Sonntag um 15:25 Uhr Ortszeit eine neue Love-Story.

Die von Jordan.

Aus Kansas City berichtet Rainer Nachtwey

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