München - Die Saison 2021 der Arizona Cardinals lässt sich eigentlich in zwei Hälften aufteilen. 

Auf der einen Seite steht das Team, das mit acht Siegen und einer Niederlage in die Saison startete und lange Zeit als großer Favorit auf den Nummer-Eins-Seed in der NFC galt. Auf der anderen Seite zeichnete sich jedoch ein deutlich durchwachseneres Bild der Cardinals ab.

Da dem Team von Head Coach Kliff Kingsbury in der zweiten Saisonhälfte nur drei Siege aus acht Spielen gelang, rutschte Arizona auf den fünften Platz in der NFC ab und muss nun am Dienstag (ab 2:05 Uhr live auf ProSieben und im Livestream auf ran.de) in der Wild Card Round im schweren Auswärtsspiel bei den Los Angeles Rams antreten. 

Sollte man gewinnen, warten Tom Brady und seine Tampa Bay Buccaneers.

Sinnbildlich für den wechselhaften Saisonverlauf steht dabei Franchise-Quarterback Kyler Murray. Der 24-Jährige legte wie die Feuerwehr los und avancierte schnell zum frühen MVP-Favoriten. Im der zweiten Saisonhälfte hatte er jedoch deutlich mehr Probleme als zuvor. 

Kyler Murray: Zwischen MVP-Kandidat und Rookie-Fehlern

Auf dem Papier lesen sich die Zahlen von Murray über die Saison gesehen mehr als ordentlich. In 14 Spielen kam der Spielmacher auf 3787 Passing Yards und insgesamt 29 Touchdowns. Dank seiner Fähigkeiten als Läufer steuerte er 423 Rushing Yards bei. 

 

Das Problem: 20 seiner 29 Touchdowns erzielte er vor der 21:24-Niederlage gegen die Green Bay Packers in Woche acht, die so etwas wie den Wendepunkt in der bis dato tadellosen Saison von Murray und den Cardinals markierte. Gegen eine giftige Rams-Defense muss Murray zu seiner Form vom Saisonstart schleunigst zurückfinden. 

Wollen die Cardinals in den Playoffs erfolgreich sein, muss Murray zudem sein Interception-Problem in den Griff bekommen. Zehn Mal warf Murray in der Regular Season den Ball zum Gegner. Liest sich erstmal nicht schlecht, wird aber zum Problem, wenn ihm mehrere Turnover in einem Spiel unterlaufen. 

In Spitzenspielen wie gegen jene Packers oder die Rams in Woche 14 wurden je zwei haarsträubende Würfe von Murray abgefangen, wodurch beide Partien letztlich zu Ungunsten der Cardinals mitentschieden wurden. Vor der Postseason stellt sich dabei die Frage, wie gut Murray mit dem bevorstehenden Druck umgehen kann. 

Kliff Kingsbury: "Wird bestes Spiel seiner Karriere machen"

Das Aufeinandertreffen mit den Rams ist nicht nur für den Quarterback ein Debüt, auch Head Coach Kingsbury wird nach drei Jahren bei den Cardinals sein erstes Playoff-Spiel von der Seitenlinie leiten. Weil er 2019 bei seinem Amtsantritt Murray mit dem Nummer-Eins-Pick im Draft haben wollte, verbindet die beiden die gemeinsame Reise in die Playoffs. 

"Er wartet darauf, so wie ich seit drei Jahren", erklärte Kingsbury auf einer Pressekonferenz am Mittwoch: "Er ist ein Typ, der um etwas spielen will und er ist sich dessen bewusst, was auf dem Spiel steht", erntete Murray Lob von seinem Coach.

 

Dieser schreckte dabei nicht davor zurück, noch mehr Druck auf den jungen Spielmacher aufzubauen: "Das ist sein erster Versuch in den Playoffs. Ich gehe davon aus, dass er das beste Spiel seiner Karriere abliefern wird. Ich weiß, dass er alles geben wird, was er hat", so Kingsbury. 

Verzichten muss Murray dabei auf seine Lieblingsanspielstation DeAndre Hopkins. Der Wide Receiver fehlt den Cardinals seit einigen Wochen - auch einer der Gründe, warum der Offensiv-Motor in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr so geschmiert lief wie zuvor. 

Mehr als nur ein Playoff-Spiel: Spielt Murray um seine Zukunft?

Während Murray noch für einige Jahre bei den Cardinals aktiv sein dürfte, ist nicht gesichert, dass der bald 30-jährige Hopkins ebenfalls in diesem Zeitraum noch in Arizona spielt. Für den jungen Spielmacher ist das Spiel also die beste Gelegenheit, zu zeigen, dass sein Können als Quarterback nicht von einem bestimmten Receiver abhängig ist. 

So scheint es zwar ausgeschlossen, dass sich die Cardinals bei einer missglückten Leistung von ihm trennen würden, doch es ist ein guter Gradmesser für die Verantwortlichen, wie viel er dem Team in Zukunft wert sein könnte. Wie bei allen Erstrunden-Picks von 2019 kann mit Murray ab der kommenden Saison über seine Vertragsverlängerung nach dem 4. bzw. 5. Jahr in der NFL verhandelt werden. 

Angesichts des aktuellen Trends in der NFL und dem immer höher ansteigenden Cap Space winkt ihm dabei ein rekordverdächtiger Vertrag, sollte er seine Leistung vom Saisonstart bestätigen können. Gradmesser dürfte hier Josh Allen von den Buffalo Bills sein, der sein Team nun im dritten Jahr in Folge in die Postseason führen konnte. 

die Bills belohnten ihn in der vergangenen Offseason mit einem Sechsjahres-Vertrag über insgesamt 258 Millionen US-Dollar. Kann also Murray in dieser Saison bereits für einen Erfolg in den Playoffs sorgen, könnte er seinen Anspruch auf einen ähnlichen Vertrag zementieren - und Allens Gehalt womöglich sogar übertreffen. 

Doch Monstervertrag im Hinterkopf oder nicht: auf Murrays Schultern liegt vor dem Duell gegen die Rams nicht zuletzt wegen der Lobeshymnen seines Trainers einiges an Druck - was das erste Playoff-Spiel zu einem ganz besonderen macht. 

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