Bei einem Verkehrsunfall verstorben: Dwayne Haskins hielt sich mit seinen Te... - Bildquelle: imagoBei einem Verkehrsunfall verstorben: Dwayne Haskins hielt sich mit seinen Teamkollegen der Pittsburgh Steelers in Florida auf © imago

München - Die letzten Stunden seines viel zu kurzen Lebens verbrachte Dwayne Haskins im Kreis seiner wohl wichtigsten Teamkollegen. Mit deren Unterstützung sein zweiter Anlauf in der NFL gelingen sollte.

Chase Claypool, Pat Freiermuth, Cody White oder Najee Harris, die seine Bälle - zugeworfen oder zugesteckt - möglichst weit in Richtung gegnerische Endzone tragen sollten.

Aber auch Mason Rudolph und Mitch Trubisky, die ebenso wie der einstige Heisman-Trophy-Finalist darauf hofften, die von Ben Roethlisberger hinterlassene Lücke bei den Pittsburgh Steelers als Starting Quarterback ausfüllen zu dürfen. Und sich auf dem Weg dahin gegenseitig zu Höchstleistungen anzutreiben.

Trubisky lädt Haskins und Co. nach Florida

Der frisch verpflichtete Trubisky hatte nach South Florida geladen und damit eine "Big-Ben"-Tradition fortgeführt. Auch wenn die Franchise-Legende seine Offense-Kollegen stets auf sein Anwesen nahe Atlanta gebeten hatte. Wo auch Bootstouren anstanden, wie ein Blick in die sozialen Medien verriet.

Diesmal kursieren Bilder und Videos, die die Gruppe um Trubisky und Haskins unter strahlend blauem Himmel bei der Arbeit auf dem Rasen zeigen. Sie sollen wohl demonstrieren: Hier wird früh Gas gegeben, um die Steelers wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Schwere Zeit in Washington

Für Haskins galt das auch ganz persönlich. Er kam nach einer 50-Touchdowns-Saison für die Ohio State Buckeyes mit enormen Vorschusslorbeeren in die NFL. Die Franchise aus Washington, seit Jahren auf der Suche nach einem Anführer für die Offense, griff im Draft 2019 an 15. Position zu.

Haskins wurde sogar die Ehre zuteil, die bereits in den Ruhestand verabschiedete Nummer sieben von Joe Theismann auf dem Trikot zu tragen. Doch statt der Franchise-Legende direkt nachzueifern, hatte Haskins in Washington eine eher schwierige Zeit mit persönlichen Verstößen gegen Corona-Regeln oder einem verpassten Snap wegen eines Selfies mit einem Fan im Stadion.

Nach Entlassung neue Chance bei den Steelers

So war die Bilanz von zwölf Touchdowns bei 14 Interceptions in 16 Einsätzen lediglich einer der Gründe, warum sich der Klub nach nur zwei Jahren vom jungen Signal Caller trennte. Der vielversprechende neue Stern am Himmel drohte in Windeseile zu verblassen.

Der Schritt sei für beide Seiten jedoch das Beste, erklärte Head Coach Ron Rivera die damalige Entlassung. Und dürfte es seinem Ex-Schützling folglich gegönnt haben, als dieser kurz darauf bei den Steelers unterkam.

Haskins in Pittsburgh nur die Nummer drei

Auch wenn selbst Haskins klar gewesen sein dürfte, dass er sich in "Steel City" zunächst ganz hinten anstellen muss. Es galt erst zu beweisen, dass er sich die Chance auch wirklich verdient hat.

"Big Ben" war trotz einiger Wackler ohnehin unantastbar, aber selbst dahinter bekam Rudolph den Vorzug, so dass Haskins letztlich nur einmal in den Spieltagskader berufen wurde. Dennoch erhielt er in diesem Jahr einen neuen Vertrag.

"Kann auf jeden Fall Starter sein"

Weshalb er umso mehr auf die neue Saison gehofft haben dürfte. Angefeuert von der Überzeugung, jetzt würde seine Zeit kommen. Trotz des Zweijahresvertrags über 14,2 Millionen US-Dollar für Trubisky soll das Rennen um die Roethlisberger-Nachfolge offen gewesen sein.

"Ich kann auf jeden Fall der Starter sein, dafür wurde ich immerhin gedraftet", sagte Haskins im Januar bei "ESPN" und fügte hinzu: "Ich habe das Talent, um mit den Besten zu spielen, habe es aber bisher ehrlicherweise nicht zeigen können. Ich muss mich in der Offseason zusammenreißen."

Haskins' Teilnahme an Workout auch ein Fingerzeig

Was wohl so zu verstehen ist, dass Haskins an seiner Einstellung arbeiten wollte. Denn zu oft verließ er sich auf sein zweifellos ausgeprägtes Talent. Doch in der NFL genügt das eben nicht.

Die Teilnahme am freiwilligen Workout von Trubisky war da vielleicht auch ein Fingerzeig, dass Haskins klar geworden ist, was zum Profileben dazugehört. Wie die selbstorganisierten Einheiten aus seiner Sicht liefen, ist nicht bekannt.

Vom gehypten Rookie zum gewachsenen Youngster?

Es hätte der Auftakt zu seinem zweiten Anlauf werden sollen. Unter anderen Vorzeichen: Nicht mehr als gehypter Rookie, sondern als gewachsener Youngster mit drei Jahren NFL-Erfahrung, der aus seinen Fehlern die richtigen Schlüsse gezogen hat.

Wie seine Chancen bei den Steelers wirklich gestanden hätten und was ein geläuterter Haskins zu leisten imstande gewesen wäre, wird sich nun niemals aufklären. Aus dem schrecklichsten aller möglichen Gründe.

 

Liga um Quarterback für besondere Momente beraubt

Die NFL-Familie und die Steelers im Besonderen trauern um einen Profi, der erst noch auf dem Weg dazu war, diese Berufsbezeichnung wirklich mit Leben zu füllen. Die ganze Liga wurde eines Spielers beraubt, der mit Ball in der Hand für besondere und spektakuläre Momente sorgen kann.

Nach ersten Erkenntnissen war Haskins zu Fuß auf der Schnellstraße I-595 in Fort Lauderdale unterwegs, als er von einem Kipplaster angefahren wurde. Anscheinend geschah der Unfall nahe des Flughafens.

Die genauen Hintergründe sind also noch unklar. Seine Todesumstände geben folglich Rätsel auf. Wie leider auch seine unvollendete NFL-Karriere.

Marcus Giebel

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