Erst Quarterback, dann Coach? Josh McCown für die New York Jets - Bildquelle: ImagoErst Quarterback, dann Coach? Josh McCown für die New York Jets © Imago

München/Houston - Die Houston Texans haben in der Vergangenheit nicht immer mit einem glücklichen Händchen bei Personalentscheidungen geglänzt. Nicht nur stellte sich die Einbindung von Head Coach Bill O'Brien als General Manager als Reinfall heraus, auch sein Nachfolger David Culley überlebte nur ein Jahr.

Nun gaben die Texans bekannt, dass sie neben den etablierten Kandidaten für den offenen Posten als Cheftrainer wie Brian Flores oder Jonathan Gannon auch Josh McCown in Betracht ziehen. Dabei war der 42-Jährige bereits in der vergangenen Saison Teil der Franchise - als aktiver Quarterback.

McCown, die Definition des "Journeyman"

McCown hat zweifellos eine beispiellose Karriere hingelegt, die offiziell auch noch gar nicht vorbei ist. Sucht man bei "nfl.com" den Namen Josh McCown bei zurückgetretenen Spielern, so gibt es kein Ergebnis. Offiziell hat der in Jacksonville geborene Spielmacher seine Schuhe noch nicht an den Nagel gehängt.

Müsste man einem Laien den Begriff "Journeyman" erklären, so wäre McCown das lebende Beispiel dafür. Für satte zwölf Teams, also 38 Prozent aller Franchises, hat der 42-Jährige schon seine Schuhe geschnürt. 2002 wurde er in der dritten Runde von den Arizona Cardinals gedraftet, nur ein Spieler ist noch länger in der NFL: der gefühlt nicht alternde Tom Brady.

Ein Vollzeit-Starter war McCown allerdings fast nie, auch deshalb stehen so viele Teams in seiner Vita. In keiner seiner Saisons kam er auf die volle Anzahl von 16 Spielen.

"Coach McCown"? Seine Qualitäten werden geschätzt

Warum also kann McCown auf eine 17-jährige - rechnet man 2020 dazu sogar 18-jährige - Karriere zurückblicken? Schließlich beträgt die durchschnittliche Halbwertszeit eines Spielers in der NFL zirka drei Jahre. Die Antwort: Die Qualitäten, die McCown mitbringt, werden ligaweit geschätzt, weshalb er in der Konversation für einen der begehrten Coaching Jobs ist.

"Er ist ein sehr respektierter Spieler in der Liga", so NFL-Insider Ian Rapoport im NFL Network. Auch Doug Pederson, ehemaliger Head Coach der Philadelphia Eagles äußerte sich über McCown: "Er hat alles gesehen, er kennt unser Team, wir können uns immer auf ihn verlassen."

Auch von Experten gibt es warme Worte. "Ich finde die Idee super", sagt etwa "ESPN"-Experte Mike Tannenbaum: "Er hat die Qualitäten, um ein Team anzuführen." Das ist auch der Grund, wieso McCown immer wieder ein neues Team fand. Zuletzt war er Mentor von Deshaun Watson, der bekanntlich keine Zukunft mehr bei den Texans hat.

Dennoch gibt es natürlich auch kritische Stimmen, vor allem von Fans. "Was weiß McCown schon über's Gewinnen?", heißt es unter anderem. 

Aus dem Huddle ans Headset wäre Novum - Erfahrung in der High School

Sollte Josh McCown tatsächlich zum neuen Head Coach der Houston Texans ernannt werden, dann wäre es ein Novum. Noch nie wurde ein noch aktiver Spieler in der darauffolgenden Saison gleich Head Coach in der NFL. Zwar gab es einige Male den Fall, dass Spieler sofort in den Coaching Staff übergingen, aber nie gleich als Head Coach.

Immerhin: Der 42-Jährige ist nicht völlig ohne Erfahrung, was das Coaching angeht. 2020 war er zwar noch aktiv, de facto aber Assistent des Quarterback-Coaches und Offensive Coordinators Tim Kelly.

Zudem fungierte McCown 2019 immerhin schon als Offensive Coordinator einer High School. Die Myers Park Mustangs waren das Team seines Sohnes.

Entscheiden sich die Texans also wirklich dazu, den Job an ihren ehemaligen Quarterback zu vergeben, wäre das nicht nur eine Premiere, sondern eine riesengroße Überraschung. Wenn es sich für ein Team jedoch lohnen könnte, keinen der üblichen Verdächtigen zu holen, dann für die Franchise aus Houston.

Denn Erwartungen, die McCown möglicherweise nicht erfüllen könnte, hat durch die vergangenen Monate ohnehin fast niemand mehr.

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