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München/Tennessee - Im vergangenen Jahr gelang den Tennessee Titans zum ersten Mal seit 2002 der Einzug ins AFC Championship Game. Wie auch damals zogen die Titans nicht in den Super Bowl ein, doch das trübt den Eindruck der starken zweiten Saisonhälfte nicht.

Ein kurzer Rückblick: Nach einem schwachen Start in die letzte Saison haben die Titans letzte Saison mit einem starken Lauf beendet. Nach einem 4-5-Start übernahm Ryan Tannehill das Zepter von Marcus Mariota und feierte direkt im ersten Spiel einen Sieg gegen die Kansas City Chiefs. Ihm gelang der Einzug in die Playoffs, in denen das Team von Head Coach Mike Vrabel erst Tom Brady und die Patriots ausschaltete und dann Lamar Jackson und die Ravens.

Auch gegen Patrick Mahomes und die Chiefs sah es zu Beginn gut aus, führte man doch zu Beginn des zweiten Viertels noch mit 17:7. Die starke Chiefs-Offense um Patrick Mahomes, den aktuell vielleicht besten Quarterback der Liga, schlug aber zurück und beendete die Super-Bowl-Träume der Titans.

Titans bleiben bescheiden

Die große Frage, die sich die Titans-Fans nun stellen: Kann man die Leistung in diesem Jahr wiederholen? Ein mögliches Indiz ist das Roster. Bis auf Right Tackle Jack Conklin, Defensive Tackle Jurrell Casey und Cornerback Logan Ryan wurde das Team zusammengehalten. Dabei tut der Abgang von Conklin, der einer der besten auf seiner Position ist, sehr weh. Als mögliche Nachfolger kommen Dennis Kelly, ein guter Tackle, der aber seit 2012 nie mehr als 400 Snaps gespielt hat, und Rookie Isaiah Wilson, der stark im Run Game ist, aber gegen Speed und Power noch seine Probleme hat, in Frage.

Viele Experten gehen aber von einem Rückgang der Leistung aus. Schließlich sagte schon der legendäre Trainer Bill Parcells: "Du fängst nie dort wieder an, wo du letztes Jahr aufgehört hast. Nie!" Diesem Satz kann der Offensive Coordinator der Titans, Arthur Smith, nur zustimmen. "Er hat absolut Recht. Nur weil wir im AFC Championship Game standen, sagt das noch lange nichts aus, wie wir gegen Denver in die Saison starten. Deswegen ist Football für mich das großartigste Spiel im Profi-Sport. Es ist die größte Herausforderung", sagte er ProFootballTalk.

Smith überzeugt im ersten Jahr

Der 38-jährige Playcaller hat seine erste Saison als OC hinter sich und beeindruckte dabei mit kreativen Calls. So ließ er direkt in seinem zweiten Spiel Offensive Lineman David Quessenberry einen Touchdown fangen. Doch eigentlich war das Play anders gedacht. "Unser erster Read war Daren Bates, unser Outside Linebacker, der als Fullback eingesetzt wurde. Es war aber so, dass Bates gedeckt und Quiz komplett frei war. Es war unglaublich und hat genauso funktioniert, wie es sein sollte", erklärte Smith.

Das beeindruckt besonders Peter King, Kolumnist für ProFootballTalk. In seiner neusten Kolumne dazu lobt er Smith: "Das war toller Spielzug in seinem sechsten Viertel als Playcaller. Er callt einen Linebacker als erste Option und einen 310-Pfund-schweren Offensive Lineman als zweite."

Der Sohn von FedEx-Gründer Fred Smith selbst gesteht, dass er gerne die Grenze austestet. "Ich liebe die Strategie daran und teste die Limits, was wir machen können. Deswegen arbeite ich auch gerne für Mike Vrabel. Er erlaubt dir, die Grenzen auszutesten", beschreibt Arthur Smith die Lage.

Variabilität als Trumpf?

Zu Anfang seiner Trainerkarriere war Smith Defensive Quality Assistant bei den damaligen Washington Redskins und wurde dabei vom damaligen Head Coach Joe Gibbs, einem der kreativsten Play Caller in der NFL, beeinflusst. "Wenn ich an die Saison mit ihm zurückdenke, realisiere ich, wie er gut der Team geführt hat und über das Spiel gedacht hat. Wenn ich über John Riggins spät im Jahr und in den Playoffs denke, habe ich nachgedacht über das nachgedacht, dass auch mit Derrick (Henry; Anm. d. Red.) in den Playoffs letztes Jahr zu machen, und die Gemeinsamkeit, wie er über Playoff Football denkt. Das hat mich beeinflusst", erläuterte er bei ProFootballTalk.

Smith ist somit einer der Garanten für den Erfolg gewesen und will darauf aufbauen. Dabei setzen die Titans Hoffnung in den diesjährigen Drittrundenpick Darryton Evans. "Darryton Evans hat die Chance eine schlechtere Variante von Alvin Kamara zu sein", zitierte Peter King von "NBC" eine nicht näher genannte Quelle. Evans konnte zwar zuletzt eine Woche nicht trainieren, dennoch erhoffen sich die Verantwortlichen in Nashville, dass Evans die Rolle einnimmt, die Dion Lewis nie ausfüllen konnte: Ein Changeup-Back, der überall auf dem Feld eingesetzt werden kann.

Tannehill vor wichtiger Saison

Eine wichtige Rolle beim Erfolg in der nächsten Saison wird auch Ryan Tannehill einnehmen. Der Quarterback hat eine unglaubliche Wandlung hinter sich. Bei ProFootballFocus bekam Tannehill 2018 die schlechteste Note von allen Starting Quarterbacks und in diesem Jahr erhielt er die Bestnote. Eine solche Wendung hat es in der Geschichte von PFF noch nie gegeben! Er selbst nennt dabei einen wichtigen Grund: Arthur Smith.

"In dem Moment, als ich übernommen habe, hat er an mich geglaubt und wollte von mir, dass ich einfach nur spielen gehe, loslege und nicht zu viel überdenke. Mir hat das viel Spaß gemacht, dort rauszugehen und zu spielen, voller Selbstvertrauen zu werfen und Leute anzuspielen, an die ich glaube, dass sie Plays machen können", beschreibt Tannehill sein neues Selbstvertrauen.

Gelingt der erneute Playoff-Einzug?

Der enorm effektive 32-Jährige wird es dennoch schwer haben, dieses hohe Niveau zu bestätigen. In seiner Karriere hat er dabei Hoch und Tiefs erlebte. Deswegen ist durchaus mit einem Abschwung nach unten zu rechnen, aber mit einem enorm kreativen Playcaller wie Smith sollte er dennoch auf einem hohen Niveau spielen können.

Ob es am Ende zu einem Playoff-Einzug reicht, ist angesichts der Konkurrenz aus Houston und Indianapolis noch fraglich. Journalist Peter King ist sich aber sicher: "Dieses Team macht Spaß und wird auch weiterhin Spaß, weil der Offensive Coordinator keine Angst vor riskanten Calls hat, weil sein Head Coach ihm vertraut und er, wie sein Mentor Gibbs, weiß, dass offensive Flexibilität eine Stärke ist. Tennessee wird also kein One-Hit-Wonder sein."

Sebastian Mühlenhof

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