Anthony Joshua will sich seine WM-Titel gegen Andy Ruiz jr. zurückholen. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesAnthony Joshua will sich seine WM-Titel gegen Andy Ruiz jr. zurückholen. © 2019 Getty Images

München - Viel zu oft werden Boxkämpfe in der Öffentlichkeit übertrieben gehypt: "Duell der Giganten", "Die letzte Chance", "Alles oder Nichts" - in den meisten Fällen hat die Realität mit den plakativen Slogans eher wenig zu tun. 

Auf das Rematch zwischen dem entthronten Schwergewichts-Weltmeister Anthony Joshua und seinem Bezwinger Andy Ruiz jr. würde jeder Superlativ zu 100 Prozent zutreffen. Und doch kommt der WM-Kampf in Riad/Saudi Arabien völlig ohne ausschweifende PR aus. Es braucht keine Werbetrommel, jeder - Fans, Journalisten und die Box-Welt - weiß: Publikumsliebling Anthony Joshua steht vor der größten Herausforderung seiner Karriere. 

Nach dem Schock-K. o. im New Yorker Madison Square Garden am 1. Juni gegen den wenig austrainiert anmutenden Amerikaner ist verlieren für Joshua diesmal keine Option.

Vergangene Erfolge sind irrelevant

Druck bekommt der 30-jährige Brite ausgerechnet von seinem eigenen Team. "Alle vergangenen Erfolge, der Olympiasieg 2012, sein WM-Titel, der prestigeträchtige Sieg gegen Wladimir Klitschko, die Titel-Vereinigung gegen Joseph Parker – all das zählt nicht mehr. Es gibt nur diese eine Aufgabe: Andy Ruiz jr. zu schlagen", tönte Promoter Eddie Hearn bei Sky Sports. 

Ein Selbstläufer ist das bei Weitem nicht. "Die Menschen fragen mich, ob ich nervös bin. Ich bin versteinert vor Angst", so der Manager weiter.

Joshua fünf Kilo weniger Muskeln

Auch AJ selbst weiß: "Es wäre definitiv eine Katastrophe, wenn ich verliere." Doch daran will er keinen Gedanken verschwenden. AJ zog in der Vorbereitung alle Register, damit sich eine Niederlage wie in New York nicht wiederholt. Satte fünf Kilogramm Muskelmasse trainierte er ab, um schneller, beweglicher und konditionsstärker zu sein als beim letzten Mal.

Wohl auch getrieben durch Ruiz' Ankündigung, diesmal auf Schokoriegel zu verzichten und abzuspecken. "Ich werde so fit sein wie noch nie in meinem Leben", hatte Ruiz noch im Ring versprochen. 

In den vergangenen Monaten kursierten im Netz tatsächlich Bilder, die den US-Kämpfe mit mexikanischen Wurzeln tatsächlich deutlich erschlankt zeigten. Photoshop sei Dank. Denn beim offiziellen Wiegen am Freitag brachte "The Destroyer" mit 128,7 kg sogar sieben Kilo mehr auf die Waage als im Juni.

"Hast du deinen Trainer gegessen?"

Ruiz schob die überschüssigen Pfunde auf das zuvor verzehrte Abendessen, woraufhin sich Joshua-Manager Eddie Hearn einen Seitenhieb nicht verkneifen konnte. "Was hast du gegessen? Deinen Trainer?"

Das Gewicht, so glaubt AJ, wird im Ring jedoch keine Rolle spielen. "Es geht darum, zu treffen und nicht getroffen zu werden. Die süße Kunst des Boxens." Ganz nach dem Vorbild von Ex-Champion Wladimir Klitschko.

 

Taktik nach Klitschko-Vorbild

Beim ersten Kampf hatten Joshua und Coach Rob McCracken die falsche Taktik gewählt. Joshua vernachlässigte die Defensive über weite Strecken und öffnete dem schnelle Ruiz damit Tür und Tor, Volltreffer zu landen. Diesmal lautet die Devise, die Reichweitenvorteile von 20 Zentimetern klug auszunutzen. 

Für den Matchplan bedeutet das: Joshua muss Ruiz mit dem Jab auf Distanz halten und ermüden, um schließlich zum richtigen Zeitpunkt gezielt Einzeltreffer und Kombinationen zu setzen.

Ex-Champion zweifelt an Joshua

Der frühere Supermittelgewichts-Champion und jetzige Sky-Experte Carl Froch sieht in dieser Vorgehensweise Joshuas einzige Siegchance. "AJ hat eigentlich alle körperlichen Voraussetzungen, den Kampf aus der Distanz zu gewinnen. Von diesem Plan darf er nicht abkommen."

Allerdings ist diese Art zu boxen eigentlich nicht typisch für den Engländer, der lieber auf den offenen Schlagabtausch steht. Eine erneute Niederlage wäre daher auch für Froch keine große Überraschung. "Ich mache mir Sorgen um Joshua. Ruiz hat riesiges Selbstvertrauen. Er schlägt hart und ist unglaublich schnell. Ich erwarte einen ähnlichen Kampf wie beim ersten Mal und denke, Ruiz wird AJ irgendwann erwischen und ausknocken."

Joshua hat aus Fehlern gelernt

AJ selbst beteuert, aus seinen Fehlern gelernt zu haben. Er sei jetzt besser vorbereitet. Er habe nach der Niederlage angefangen, Boxen wieder zu studieren. "Wenn ich alles umsetze, was ich mir vorgenommen habe, sollte ich gewinnen", so der Ex-Champion. Er weiß: Eine weitere K. o.-Niederlage würde Mega-Fights gegen WBC-Weltmeister Deontay Wilder oder Landsmann Tyson Fury in weite Ferne rücken und im schlimmsten Fall sogar seine Karriere beenden.

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