Erste Titelverteidigung: Tina Rupprecht.Erste Titelverteidigung: Tina Rupprecht. ©

München – Keine leichte, aber auch keine ungewohnte Situation für WBC-Weltmeisterin Tina Rupprecht. Die Titelträgerin musste sich in den letzten Wochen vor ihrer Verteidigung in Niorkis Carreno auf eine Gegnerin vorbereiten, über die es kaum Videomaterial zu finden gab. Zum wiederholten Mal.

"Es ist nicht das erste Mal", erklärt Rupprecht. "Ich hatte schon andere Gegnerinnen, über die ich gar nichts wusste. Wir werden das am Samstag in der erste Runde sehen, sind aber auf alles vorbereitet, auch wenn wir davon überrascht waren, dass sie eine Rechtsauslegerin ist."

Wenn es an Videomaterial fehlt, werden die letzten Einheiten vor dem Kampf natürlich umso genauer beäugt, um am Kampftag nichts dem Zufall zu überlassen. Doch Rupprecht macht sich da keinen Kopf, schließlich kennt sie das Gefühl aus ihrer Amateur-Zeit noch gut.

"Es gehört auch irgendwie zum Boxen dazu", so Rupprecht weiter. "Als Amateur wusste man auch nie, wer da so kommt und wie diejenige boxt. Ich finde es auch nicht so schlimm. Außerdem, man kann viele Videos analysieren, aber im Endeffekt kann die Gegnerin auch im Kampf alles anders machen als zuvor."

Gegen Carreno zur ersten Titelverteidigung

Doch ob ihre Gegnerin Niorkis Carreno wirklich etwas an der Strategie ändert, darf bezweifelt werden. Schließlich hat die 20-jährige Venezolanerin ihr Erfolgsrezept bereits gefunden und sich innerhalb von nur neun Kämpfen in einen WM-Kampf vorgeboxt, sieben Gegnerinnen K.o. geschlagen.

Entsprechend vorsichtig ist Rupprecht. Sie weiß, dass ihr die Herausforderin gefährlich werden kann, schließlich gehörte sie bereits in einer höheren Gewichtsklasse zu den besten Boxerinnen der Welt.

"Ich unterschätze niemanden", sagte Rupprecht weiter. "Sie kann boxen und sie wird auch gewinnen wollen. Ich bin auf alles eingestellt. Was wir schon ein wenig gesehen haben ist, dass sie Druck macht, nach vorne geht und eine gute Deckung hat."

Mit Heimvorteil zur Titelverteidigung

Bei ihrer Titelverteidigung soll der Heimvorteil helfen, denn Rupprecht tritt vor heimischem Publikum an. Größeren Druck verspürt sie dadurch nicht, auch wenn die Stimmung in der Halle natürlich nicht unbemerkt bleiben wird.

"Druck ist natürlich da, aber das darf nicht Überhand nehmen", so Rupprecht. "Man muss das ausblenden können. Natürlich ist der Support toll, wenn die ganze Halle für dich schreit, laut ist und dich nach vorne pusht. Man kriegt das schon mit, aber natürlich muss man fokussiert bleiben und im Tunnel bleiben."

Dann soll die erste Titelverteidigung unter Dach und Fach gebracht werden. Vielleicht der Grundstein einer langen Regentschaft? Im Vorfeld wurde ihr von ihrem Promoter bereits das Potenzial zugesprochen, zur neuen Regina Halmich zu werden. Für Rupprecht jedoch noch viel zu früh.

"Regina Halmich ist natürlich ein Vorbild", wiegelte Rupprecht ab. "Mein Ziel ist aber erst mal, jetzt am Samstag den Titel zu verteidigen. Ich möchte damit in der Weltrangliste weiter nach oben klettern, derzeit bin ich auf der 7. Ich möchte einfach die Besten der Welt boxen. Es ist noch ein langer Weg vor uns."

Leon Harth plant Titelgewinn ein

Ähnlich siegessicher ist auch Leon Harth vor seinem Duell gegen Ibragim Tsurov um den asiatischen Titel der WBC. Und genau wie Rupprecht steht auch der andere Petko-Neuzugang vor einem ähnlichen Problem, denn auch Tsurov ist noch ein sehr unbeschriebenes Blatt. So gab Harth im Vorfeld zu, nur einen Kampf des Russen gesehen zu haben.

"Er ist ziemlich groß für die Gewichtsklasse", erläutert Harth. "Er geht gerne nach vorne, das passt zu meinem Stil. Das wird ein spannender, spektakulärer Kampf und gut für die Fans. Aber es wird auf jeden Fall kein einfacher Kampf werden, aber ich bin sehr siegessicher. Ich weiß nicht, wie der Kampf enden wird, aber ich gehe stark davon aus, dass ich gewinnen werde."

Erfahrung mit großen Gegner hat Harth bereits als Cruisergewicht gesammelt. Eine Umstellung wird der 1,90m-Hüne also nicht. Dafür ist das Gewichtmachen für die neue Gewichtsklasse immer noch mit viel Arbeit verbunden, gibt der 30-Jährige zu.

"Für das Cruisergewicht war ich ein wenig zu klein, ins Halbschwergewicht passe ich besser, da bin ich physisch einfach dominanter", erklärt Harth den Wechsel. "Nur das Gewicht ist ein bisschen problematisch. Das ist der größere Kampf eigentlich. Ich fühl mich wohl nach der Waage, aber nicht davor."

Harth: Ich habe nur zwei Niederlagen

Der Kontinental-Champion der IBO will nun auch in der neuen Gewichtsklasse nach Titeln greifen. Im Cruisergewicht boxte er bereits gegen die Ex-Weltmeister Murat Gassiev und Krzysztof Wlodarczyk, sammelte wertvolle Erfahrung. Und wenn alles nach Plan läuft, will Harth im kommenden Jahr schon um eine WM kämpfen.

"Erst mal den 15. Dezember gut meistern, danach vielleicht noch einen Zwischenkampf machen und dann könnte es schon so weit sein", hofft der gebürtige Armenier. "Wenn es nach mir geht, könnte ich auch sofort um die WM boxen. Aber ich denke, drei oder vier Kämpfe brauche ich noch."

Einer davon könnte ein Rückkampf gegen den ungeschlagenen Artur Mann sein. Mann bezwang Harth im vergangenen Jahr nach einem knappen Mehrheitsentscheid. Ein Sieg, den Harth bis heute anzweifelt.

"Ich sage es immer wieder", tönt Harth. "Ich habe nur zwei Niederlagen, Gassiev und Wlodarczyk. Gegen Arthur Mann habe ich nicht verloren. Die Punktrichter haben ihn als Sieger gesehen, aber niemand sonst. Und ich stehe für einen Rückkampf jederzeit zur Verfügung."

Mehr zu Kampfsport rund um die Uhr findest du auf ranFIGHTING.de

Du willst die wichtigsten Kampfsport-News zum Boxen, der UFC und der WWE direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein unter http://tiny.cc/ran-whatsapp