München/Berlin - Union Berlin steht mit 50 Punkten an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga und träumt mehr denn je vom Aufstieg in die Bundesliga. Ein Protagonist der erfolgreichen Saison ist Coach Jens Keller, der die "Eisernen" trotz prominenter Abgänge auf Bundesliga-Kurs hält.

Der gebürtige Stuttgarter spricht im Exklusiv-Interview mit ran.de über sein Erfolgsrezept, seine schwierige Zeit beim FC Schalke 04 und über das Projekt von RB Leipzig.

ran.de: Sie stehen neun Spieltage vor Schluss mit Union Berlin auf dem ersten Platz der 2. Bundesliga. Haben Sie diese Entwicklung bei ihrem Amtsantritt vorausgesehen?

Jens Keller: Ich bin von meiner Arbeit und dem, was das Team leisten kann, natürlich überzeugt. Aber das wäre damals völlig größenwahnsinnig gewesen. Union Berlin war zuvor in der zweiten Liga noch nie besser als Platz sechs. Mir war sofort klar, dass das Team Potenzial hat, aber dass wir so eine gute Runde spielen, das war nicht abzusehen. 

ran.de: Vor allem, da Sie vor der Saison Top-Stürmer Bobby Wood abgeben mussten. Dann ging mit Collin Quaner noch einer der besten Scorer. Wie konnten Sie diese Rückschläge verkraften? Reichte dafür Winter-Neuzugang Sebastian Polter und die Team-Fähigkeit aus?

Keller: Ja, es ist genau so, wie Sie sagen. Stichwort: Team. Wir sind ein Team und funktionieren zusammen. Wir haben zusammen Spaß, die Truppe ist sehr lernwillig und professionell. Und das ist der Schlüssel, warum wir derzeit so erfolgreich sind. 

ran.de: Team-Zusammenhalt ist das Eine, die Methoden des Trainers das Andere. Wo liegen Ihre Qualitäten als Trainer? 

Keller: Ganz klar in der Führung der Mannschaft. Ich glaube, ich kriege die Mannschaft gut auf meine Seite, wenn es um das Umsetzen von Dingen geht. Aber auch im Zwischenmenschlichen. Ich beziehe das Team oft mit ein und behandele die Spieler mit großem Respekt. So bleibt das Klima gut.

ran.de: Und wo würden Sie sagen, könnten Sie noch etwas von anderen Kollegen lernen? Gibt es Verbesserungs-Potenzial?

Keller: Ich bin 46 Jahre alt. Wenn da nicht noch Potenzial wäre, würde ich irgendetwas falsch machen. Aber jetzt speziell gibt es nichts, was ich mir gerade abschaue. Man entwickelt sich immer weiter und blickt über den Tellerrand hinaus. Es wird immer Dinge geben, die man verbessern kann. Aber im Moment sind mein Trainer-Team und ich auf einem guten Weg.

ran.de: Sie haben vor wenigen Monaten gesagt, Trainer müssen lernen, mit den Medien umzugehen. Aber einige Medienvertreter würden sich in Sachen Fußball nicht weiterbilden. Können Sie das konkretisieren?

Keller: Es ist einfach so: Wenn ich meine Ausbildung zum Fußball-Lehrer mache, muss ich eine Medienschulung machen. Und mich auf die Medien einstellen. Ich glaube aber nicht, dass jeder Reporter eine Ausbildung im fußballerischen Bereich hat. Wenn ein Reporter über taktische und mannschaftliche Dinge schreibt, aber erstens nie selbst gespielt und zweitens nie eine Ausbildung dazu gemacht hat, finde ich das sehr vermessen.

ran.de: Von der Weiterbildung zur Weiter-Entwicklung. Es werden immer wieder Regeländerungen im Fußball diskutiert, vom Wunsch nach mehr Auswechslungen über Zeitstrafen zum Abschaffen des Elfmeterschießens. Was würden Wie gerne ändern?

Keller: Ich bin im Grunde sehr zufrieden. Man darf im Fußball nicht zu viel verändern. Der Videobeweis würde sicherlich vielen Leuten helfen. Nur die Umsetzung in der Praxis ist nicht ganz so einfach. Wenn man wegen jedem Scheiß den Videobeweis ruft, verfehlt es auch die Wirkung. An sich würde es - richtig umgesetzt - dem Fußball helfen. Damit es in gravierenden Situationen nicht so viele Fehlentscheidungen gibt. 

ran.de: Als Trainer von drei Traditionsvereinen, also VfB Stuttgart, Schalke 04 , Union Berlin, und als erfahrener Coach im Jugendfußball. Ganz neutrale Frage: Wie sehen sie das Projekt RB Leipzig?

Keller: Ich sehe das Projekt sehr positiv. RB Leipzig gibt sehr viel Geld aus, keine Frage. Aber sie setzen ihr Geld sinnvoll ein. Und das ist eben der große Unterschied. Wenn man jetzt zum Beispiel nach München schaut. Dort wird auch viel Geld ausgegeben. Ob das wirklich so sinnvoll ist, müssen die Beteiligten wissen. Wenn man den Weg von RB Leipzig sieht, dann stehen Sie nach dem Aufstieg nicht zu Unrecht oben in der Tabelle. Sie legen viel Wert auf junge Talente, fördern diese, entwickeln sie weiter und da steckt zumindest ein Plan dahinter. Sie werden in den nächsten Jahren schon eine Mannschaft sein, die im oberen Bereich mitspielt. 

ran.de: Mit den finanziellen Mitteln wird das dann wahrscheinlich auch der Anspruch sein.

Keller: Wie ich schon sagte: Finanzielle Mittel sind das Eine, diese richtig einzusetzen, das Andere. Und RB Leipzig macht das richtig gut. 

ran.de: Im Sat.1 Frühstücksfernsehen haben Sie kürzlich gesagt, dass zu ihrer Zeit auf Schalke "einige Dinge passiert sind, die nicht der Wahrheit entsprochen haben". Viele Medien titelten von "Kellers Abrechnung mit Schalke". Was genau werfen Sie Schalke vor?

Keller: Ich habe damit nicht Schalke etwas vorwerfen wollen, sondern den Medien. Dort standen häufiger Sachen, die in der Form nicht stimmten. Ich bin es auch langsam Leid, über Schalke zu reden. Es sind nun fast drei Jahre, seitdem ich weg bin. Ich bin jetzt bei Union und habe da unheimlich viel Spaß. Und deswegen möchte ich auch nicht mehr groß über Schalke reden. Ich habe aber nie etwas gegen den Verein gesagt. 

ran.de: Eine Frage, die nur indirekt etwas mit Schalke zu tun hat. Unter ihnen haben Max Meyer, Leon Goretzka und Leroy Sane ihr Erstliga-Debüt gegeben. Wie sehen Sie deren Entwicklung?

Keller: Das sind großartige Talente. Alle drei haben das Potenzial Weltstars zu werden. Leroy Sane spielt eine super Rolle bei Manchester City, Leon Goretzka wird auch Angebote vorliegen haben. Max Meyer ist unter Markus Weinzierl so ein bisschen hintendran geraten, aber auch er hat enorme Qualität. Das sind drei hochtalentierte Jungs, die noch einen ganz, ganz großen Weg vor sich haben.

ran.de: Was nervt Sie mehr: Fragen über den FC Schalke 04 oder Fragen zum möglichen Aufstieg mit Union?

Keller: Fragen zum FC Schalke 04. Fragen zum Aufstieg lassen sich ja nicht ausschließen.

Das Interview führte Mike Stiefelhagen

Du willst die wichtigsten Fußball-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein.

Wann startet die 2. Liga in die neue Saison 2022/23?

Die 2. Liga startet schon am 15. Juli 2022 mit dem Duell zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Hannover 96 in die neue Saison. Das Spiel wird ab 19:00 Uhr live in SAT.1 und auf ran.de zu sehen sein. Nach dem 15. Spieltag geht es zwischen dem 14. November 2022 und 19. Januar 2023 in die WM-Unterbrechung und anschließenden Winterpause. Am 27. Januar 2023 wird der Spielbetrieb in der 2. Liga wieder aufgenommen. Mit dem 34. Spieltag am 28. Mai 2023 endet die Saison. Hier geht es zum aktuellen Spielplan der 2. Liga


Wer spielt am 1. Spieltag 2022/23 in der 2. Liga ?

Eröffnet wird die Saison in der 2. Liga 2022/23 vom 1. FC Kaiserslautern, der Hannover 96 am 15. Juli empfängt (live in SAT.1 und auf ran.de). Den kompletten Spielplan gibt es hier.

Freitag, 15. Juli

20:30 Uhr: 1. Spieltag, 1. FC Kaiserslautern - Hannover 96 - ab 19 Uhr live in SAT. 1 und auf ran.de

Samstag, 16. Juli

13:00 Uhr: SpVgg Greuther Fürth - Holstein Kiel - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky
13:00 Uhr: FC St. Pauli - 1. FC Nürnberg - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky
13:00 Uhr: SV Sandhausen - Arminia Bielefeld - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky
13:00 Uhr: SSV Jahn Regensburg - SV Darmstadt 98 - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky
20:30 Uhr: 1. FC Magdeburg - Fortuna Düsseldorf - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky und Sport1

Sonntag, 17. Juli

13:30 Uhr: SC Paderborn 07 - Karlsruher SC - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky
13:30 Uhr: FC Hansa Rostock - 1. FC Heidenheim - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky
13:30 Uhr: Eintracht Braunschweig - Hamburger SV - im Liveticker auf ran.de und live bei Sky


Welche Mannschaften spielen in der 2. Liga 2022/2023?

Die beiden direkten Absteiger aus der Bundesliga 2021/22:
Arminia Bielefeld
SpVgg Greuther Fürth
Der Verlierer der Relegationsspiele zwischen dem 16. der Bundesliga 2021/22 und dem 3. der 2. Liga 2021/22
Hamburger SV
Die zwölf Teams auf den Plätzen 4 bis 15 der Saison 2021/22:
V Darmstadt 98
FC St. Pauli
1. FC Heidenheim
SC Paderborn 07
1. FC Nürnberg
Holstein Kiel
Fortuna Düsseldorf
Hannover 96
Karlsruher SC
Hansa Rostock
SV Sandhausen
SSV Jahn Regensburg
Der Gewinner der Relegationsspiele zwischen dem 16. der 2. Liga 2021/22 und dem 3. der 3. Liga 2021/22
1. FC Kaiserslautern
Der Meister und der Vize-Meister der 3. Liga 2021/22:
1. FC Magdeburg
Eintracht Braunschweig

Alle Team in der Übersicht


Welche Anstoßzeiten gibt es in der 2. Liga 2022/23?

Die Nachmittagsspiele in der 2. Liga an einem Samstag werden künftig wieder früher angepfiffen. Der Anstoß wird um eine halbe Stunde auf 13 Uhr verlegt. Das teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Dienstag (26.04.2022) mit. Bereits von 2009 bis 2021 wurden die frühen Samstagsspiele um 13 Uhr angepfiffen. Die Reform wurde nach nur einer Saison schon wieder rückgängig gemacht.

Andere Zeiten bleiben unberührt - Die weiteren Anstoßzeiten in der 2. Liga bleiben von den Änderungen unberührt. Es bleibt also bei einem Samstagsspiel um 20.30 Uhr. Freitags beginnen die Spiele der 2. Liga weiter um 18:30 Uhr, an Sonntagen um 13:30 Uhr.


Die nächsten Spiele / Termine

2. Liga Spieltage

DFB POKAL 1. Runde

DFL Supercup 2022 live auf SAT.1 und ran.de
Am 30. Juli wartet das erste Highlight nach der Sommerpause auf die Fußballfans! Der Deutsche Meister Bayern München trifft im DFL-Supercup 2022 auf den DFB-Pokalsieger RB Leipzig. Das Finale steigt in der Leipziger Red Bull Arena, der Anpfiff erfolgt um 20:30 Uhr. Das Spiel wird live im Free TV bei SAT.1 übertragen. Mehr INFOS...

Auch in der Saison 2022/23 zeigt ran insgesamt neun Partien der Bundesliga und 2. Bundesliga live in SAT.1 und im Livestream. Alle Tore, Ergebnisse und Tabellen gibt es auf ran.de in Echtzeit. Neben der Konferenz aller Spiele sind auch ausgewählte Einzelspiele im ran.de Liveticker abrufbar.