Soll Borussia Mönchengladbach sportlich einen großen Schritt weiterentwickel...Soll Borussia Mönchengladbach sportlich einen großen Schritt weiterentwickeln: Neu-Coach Marco Rose ©

München/Mönchengladbach – Nach dem zugegebenermaßen nicht wirklich glorreichen 1:0-Auswärtserfolg von Borussia Mönchengladbach beim Zweitligisten SV Sandhausen in der ersten Runde des DFB-Pokals kamen sie alle wieder aus ihren virtuellen Löchern, die Haderer, die Schwarzmaler, die Kritiker.

Das allgemeine Fan-Echo im Internet und den sozialen Medien: "Das soll also der neue Powerfußball von Marco Rose gewesen sein? Das hätte Dieter Hecking auch noch hinbekommen." Zwei Sätze, die die übertriebene Erwartungshaltung rund um den Borussia-Park ganz gut beschreiben.

Denn: Natürlich hat sich die "Fohlenelf" in Sandhausen nicht mit Ruhm bekleckert, aber sie ist nach hartem Kampf, auf einem nach einem Unwetter desolaten Rasen und einem überhart agierenden Gegner eine Runde weitergekommen. Das ist Bundesligisten wie dem 1. FSV Mainz 05 oder dem FC Augsburg verwehrt geblieben. Immerhin. 

Dass auch Rose dieser Auftritt nicht vollends überzeugt hat, machte er im Anschluss klar. "Wir haben in den kommenden Wochen noch sehr viel Arbeit vor uns", so der neue Coach der Gladbacher, der mit sehr vielen Vorschusslorbeeren von RB Salzburg an den Niederrhein gewechselt ist. Und genau das könnte in den kommenden Wochen und Monaten zum Problem werden – wenn die Ergebnisse ausbleiben. 

Das ist neu 

Neuer Trainer, neues Spielsystem. Marco Rose ist seit rund fünf Wochen dabei, die Gladbacher Spielidee ein Stück weit auf links zu drehen. Nachdem die "Fohlenelf" in den vergangenen Jahren unter den Ex-Trainern Lucien Favre, Andre Schubert und Dieter Hecking größtenteils im klassischen 4-4-2-System mit einer Doppel-Sechs aufgelaufen ist und unter Hecking im vergangenen Jahr ein 4-3-3 einstudierte, setzt der 42-jährige Neu-Coach nun auf ein 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld. 

Aber nicht nur das: Rose will Powerfußball sehen. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Seine Spieler sollen den Gegner schon an dessen Strafraum anlaufen, unter Druck setzen, zu Fehlern zwingen. Im Prinzip den Ball so lange jagen, bis er wieder in den eigenen Reihen ist. Die elf Spieler auf dem Rasen sollen sich dabei immer wieder aufs Neue unterstützen, Überzahl schaffen. Das kostet natürlich Kraft – weswegen die Gladbacher wenn möglich auch keine unnötigen Wege gehen sollen. 

Doch genau hier liegt (noch) das Problem. "Ich glaube, dass wir aktuell noch ein bisschen planlos rumlaufen", sagt Mittelfeldspieler Tobias Strobl. Die neue Spielidee braucht einfach Zeit. Das weiß auch Borussia-Sportdirektor Max Eberl. "Marco Rose ist kein Magier. Das alles wird seine Zeit brauchen", so Eberl, der allerdings voll und ganz von seinem neuen Übungsleiter überzeugt ist. "Jetzt mit Marco Rose eine neue Philosophie dazu zu bringen und die alten Ansätze zu behalten – das wäre die Top-Variante", erklärte der Sportdirektor auf die Frage zur neuen Gladbacher Spielidee im exklusiven Interview mit "ran.de"

Personell haben die "Fohlen" auch nachgelegt. Mit Breel Embolo (von Schalke 04) und Marcus Thuram (von EA Guingamp; Sohn des 1998er-Weltmeisters mit Frankreich, Lilian Thuram) kamen zwei körperlich starke Offensivspieler, die ganz vorne für noch mehr Durchschlagskraft und Torgefährlichkeit sorgen sollen – was Thuram mit seinem "goldenen Treffer" in Sandhausen ja bereits eindrucksvoll gezeigt hat. 

Für hinten rechts wurde die österreichische "Naturgewalt" (Rose) Stefan Lainer verpflichtet. Doch damit sollen die Transferaktivitäten noch nicht abgeschlossen sein. Wunschkandidat für die Position des Linksverteidigers ist und bleibt Malang Sarr von OGC Nizza. Doch die Verhandlungen gestalten sich sehr schwierig und zäh. Deswegen soll angeblich der algerische Nationalspieler Rami Bensebaini von Stade Rennes eine mögliche Alternative sein.   

Das macht Mut 

In der Offensive sind die Gladbacher bärenstark aufgestellt. Top-Torjäger Alassane Plea wirkt noch fitter und spritziger als in der vergangenen Saison. Kein Wunder, dass Rose schwärmt: "Alassane ist ein überragender Fußballer. Wenn der am Sechzehner den Ball bekommt, kann man sich eigentlich schon fertig machen zum Jubeln." Ihm zur Seite stehen in dieser Saison der extrem talentierte Thuram und der bullige Embolo. Egal, welches Duo auch immer spielen wird – die gegnerischen Abwehrspieler sollten sich in Acht nehmen. 

Zumal hinten dran noch Spieler wie Feingeist Raffael oder, sobald er wieder fit ist, Kapitän Lars Stindl lauern. Auch das Mittelfeld ist bestens besetzt. Mit Denis Zakaria und Florian Neuhaus stehen zwei spiel- aber auch zweikampfstarke Achter parat. Auf der Sechs wäre nach den Eindrücken der Vorbereitung Christoph Kramer gesetzt gewesen, doch der laboriert aktuell noch an einer Bänderverletzung. Ein Einsatz zum Auftakt gegen Schalke 04 scheint mehr als fraglich. Seine Vertretung Tobias Strobl machte das gegen Sandhausen aber auch mehr als ordentlich. 

Außerdem zeigte vor allem die erste Halbzeit der Gladbacher im finalen Testspiel gegen den FC Chelsea, wie es aussehen könnte, wenn die gesamte Mannschaft Roses neue Spielphilosophie zu einhundert Prozent auf den Rasen bringt. Das war wirklich Powerfußball vom Feinsten: Schnelle Balleroberungen, flinkes Umschalten, sofortiger Torabschluss. Das waren definitiv 45 Minuten, die dem Neu-Coach gefallen haben dürften – den Fans sowieso. 

Das macht Sorgen 

Die komplette Abwehr wirkt alles andere als sattelfest. Vor allem Nico Elvedi und Oscar Wendt wackelten beim DFB-Pokalspiel in Sandhausen das eine oder andere Mal bedenklich. Gleiches gilt für Stefan Lainer. Allerdings nicht nur in Sachen Zweikampf, sie alle spielten zum Teil verheerende Fehlpässe im Spielaufbau, die direkt zu gefährlichen Situationen für den Gegner sorgten. Das muss definitiv besser werden. Genauso wie das Stellungsspiel. 

Durch Roses neuen Spielansatz verteidigt die komplette Viererkette deutlich höher als in den vergangenen Jahren, Keeper Yann Sommer muss dabei teilweise sogar den Ausputzer geben. Doch in den Testspielen der Vorbereitung ging genau das ab und an schief, der Gegner lief immer mal wieder alleine aufs Gladbacher Tor zu. Fehler, die in der Bundesliga regelmäßig bestraft werden. 

Genau das dürfte aber im Moment das größte Problem der Borussen sein: das neue Spielsystem. Es ist klar erkennbar, dass alle es bestmöglich umsetzen wollen. Jedoch bekommen sie es noch nicht richtig auf den Rasen. Es zeichnet sich auch ab, dass das noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen wird. Dass sie es können, haben sie zumindest eine Halbzeit lang gegen den FC Chelsea gezeigt. Was noch fehlt, ist die Konstanz. 

Das sagen die Verantwortlichen 

"Ruhe, eine große Freude auf das, was kommt, aber auch Akzeptanz, wenn am Anfang noch nicht alles so rund läuft. Sportlich möchten wir schon gerne die Gruppenphase der Europa League überstehen. Das ist das große Ziel. Im DFB-Pokal möchten wir wie immer so weit kommen wie nur möglich. Und in der Bundesliga wollen wir dem Reigen der oberen Teams erhalten bleiben und hoffen, dass wir die Dreifach-Belastung kompensiert bekommen. Ich wünsche mir, dass wir wie in den vergangenen Jahren wieder um Europa mitkämpfen, dass Marcos neuer Ansatz so schnell wie möglich greift und wir guten, attraktiven Fußball spielen", so Sportdirektor Max Eberl im exklusiven ran.de-Interview auf die Frage, was er sich für die kommende Spielzeit wünscht. 

So läuft die Saison 

Die Euphorie in Mönchengladbach ist riesengroß. Alleine zur Saisoneröffnung kamen über 60.000 Fans in den Borussia-Park, beim Trainingslager am Tegernsee wurde die Mannschaft von tausenden Fans begleitet. Nach Platz fünf und der direkten Qualifikation für die Europa League lechzen die Gladbach-Anhänger nach mehr. Ihr Hoffnungsträger: Marco Rose. 

Der Neu-Trainer ist sich seiner Rolle bewusst, weiß, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Liverpool-Coach und Rose-Kumpel Jürgen Klopp sagte kurz vor der Verpflichtung über den Gladbach-Trainer: "Er ist der Gehypteste von allen." Das scheint sogar untertrieben. Angeblich wollte halb Europa Rose holen, Gladbach hat ihn bekommen. 

"Ich bin mir dem Druck bewusst, aber ich liebe Herausforderungen", sagt Marco Rose über seine Rolle. Der Mann hat ein gesundes Selbstvertrauen. Und das kann er nach seiner erfolgreichen Arbeit bei RB Salzburg auch haben. 

Sollte Roses Spielidee schnell greifen und die Mannschaft die Neuzugänge schnell integrieren können, dürfte Gladbach auf jeden Fall wieder um die ersten fünf Plätze mitspielen. Im Optimalfall ist in der kommenden Saison sogar ein Champions-League-Platz in Reichweite. Allerdings bleibt abzuwarten, wie die Borussia die Dreifachbelastung mit Bundesliga, Pokal und Europa League wegsteckt.

Dominik Hechler

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Voraussichtliche Aufstellung: Sommer – Wendt, Elvedi, Ginter, Lainer – Strobl, Zakaria, Neuhaus, Embolo (Raffael) – Plea, Thuram

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