München/Leipzig - Ideen kommen oft unter der Dusche, wo Kreativität so selbstverständlich fließt wie das Wasser. Dieses Phänomen kennt auch Ralf Rangnick.

Der Macher von RB Leipzig berichtete auf einer außerordentlichen Pressekonferenz, während der Winterpause habe er im Urlaub unter der Dusche gestanden und über die Zukunft nachgedacht.

Was ihm dabei einfiel, verändert nicht nur die Struktur bei RB Leipzig, sondern auch die beim Aufsteiger SC Paderborn - und birgt damit Gefahren für die Fairness in der Liga.

Wechsel von Krösche und Kooperation

Rangnick gibt seinen Posten als Sportdirektor in Leipzig auf und wechselt als Fußball-Chef zu Red Bull, dort wird er auch für die Filialen in New York und Sao Paulo verantwortlich sein. Die Auswirkung für Paderborn: Für die vakante Stelle in Leipzig hat RB den begehrten Manager Markus Krösche aus seinem Vertrag beim SC Paderborn ausgelöst.

Der Trennungsschmerz von Krösche dürfte sich in Grenzen halten, denn mit seinem Klub wird er künftig weiter in Austausch stehen. Leipzig und Paderborn verkündeten neben dem Vereinswechsel des 38-Jährigen, dass sie eine "langfristige Kooperation" eingehen werden.

 

Wie soll das aussehen? "Das Ganze bezieht sich auf einem Austausch im Scouting-Bereich, auf Hospitationen", erklärte Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, auch im Bereich "Commercial", also Vermarktung, wolle man helfen.

Einen solchen Austausch mag es informell und lose schon zwischen Bundesligisten geben, doch dass zwei Ligakonkurrenten eine Verbindung ganz offiziell fixieren, mutet doch sehr ungewöhnlich an. RB hilft Paderborn nicht aus Großmut, sondern verfolgt eigene Interessen.

Vorteile für RB Leipzig

Man wolle sehen, sagte Mintzlaff, "wie wir Paderborn auf der sportlichen Ebene unterstützen können, dass es langfristig nicht nur Paderborn hilft, sondern auch uns". Wie das aussehen könnte, verriet er auch: "Da gibt es vielleicht den ein oder anderen Spieler, der dann möglicherweise nach Paderborn ausgeliehen wird, und dort erst mal spielt, bevor man ihn irgendwann nach Leipzig holt."

Was sich sehr hypothetisch anhört, dürfte das langfristige Ziel der Leipziger sein.

Und so spannt sich der Bogen zu dem designierten Fußball-Chef von Red Bull, Ralf Rangnick. Der saß neben Mintzlaff auf dem Podium und sagte, er sehe zwischen den Filialen in Leipzig, New York und Sao Paulo neue Synergien und enormes Steigerungspotenzial. Man braucht nicht viel Vorstellungskraft, um sich die künftige Rolle von Paderborn vorzustellen - als ein Art RB-Weiterbildungsverein.

Ein mögliches Szenario

Ein Gedankenspiel: Der Weg eines brasilianischen Talents, nennen wir es Yeymar Jr., könnte wie folgt aussehen: Yeymar wird in Brasilien von den Red-Bull-Spähern entdeckt, der junge Stürmer kommt zum Red-Bull-Klub CA Bragantino nach Sao Paulo. Der Verein hat sich mittlerweile den Ruf erarbeitet, "die beste Ausbildungsmannschaft in ganz Brasilien" zu sein, wie es Rangnick auf der Pressekonferenz als Ziel formulierte.

Nach einiger Zeit ist Yeymar für die nächste Stufe bereit, doch der Schritt nach Europa und zu RB Leipzig, das regelmäßig in der Champions League spielt, ist vielleicht noch zu groß. Um die deutsche Liga und das deutsche Klima schon mal kennenzulernen, geht es also nach Paderborn. Der notorisch klamme Klub freut sich über den jungen Dribbler, der mit seinen Toren den Klassenverbleib sichert.

Am letzten Spieltag braucht Leipzig dann einen Sieg gegen Paderborn, um die Meisterschaft zu gewinnen. Yeymar sitzt auf der Bank - und mit ihm noch vier weitere Red-Bull-Spieler, die nach Paderborn verliehen sind.

Ende des Gedankenspiels.

Gefahren wegen Wettbewerbsverzerrung

Die Kooperation zwischen Leipzig und Paderborn steht zwar noch am Anfang, doch es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ein Verein im normalen Transfergeschäft nur einen Spieler an einen Ligakonkurrenten verleiht, oder ob es in einer systematischen Kooperation geschieht.

Die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung wäre groß, wenn überdurchschnittlich viele Red-Bull-Spieler bei einem Ligakonkurrenten von RB Leipzig unterkommen.

Denn das RB von RB Leipzig steht zwar offiziell für RasenBallsport, es meint aber Red Bull.

Tim Brack

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