Niko Kovac gelang es zuletzt nicht, seine Mannschaft richtig einzustellen. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesNiko Kovac gelang es zuletzt nicht, seine Mannschaft richtig einzustellen. © 2019 Getty Images

München - Eigentlich ist nichts passiert. Betrachtet man die nackten Zahlen, ist beim FC Bayern München alles im grünen Bereich.

In der Meisterschaft vorne mit dabei, das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht und das Weiterkommen in der Champions League ist nach drei Siegen quasi Formsache.

Wären da nicht die chronisch schwachen Leistungen auf dem Platz, die sich - mit wenigen Ausnahmen - über die gesamte Saison erstrecken. Durch sie ist es ungemütlich an der Säbener Straße.

Vor allem für Trainer Niko Kovac, dessen Stuhl sich in einen Schleudersitz zu verwandeln droht.

 

Karl-Heinz Rummenigge schlug schon vor gut einer Woche Alarm. "Ich glaube nicht, dass die Leistung, die wir heute Abend gebracht haben, uns in diesem Jahr große Erfolge beschweren wird, wenn wir nicht langsam die Kurve kriegen", so der Bayern-Boss in seiner Brandrede beim Bankett nach dem knappen 3:2 in der Königsklasse bei Olympiakos Piräus.

Seitdem wurde es nicht besser: Rumpelsieg gegen Aufsteiger Union Berlin in der Bundesliga und überaus glücklicher Last-Minute-Erfolg im Pokal beim VfL Bochum, dem Kellerkind der zweiten Liga.

 

Kritik an der Einstellung

Zwölf Gegentore kassierten die Münchner in den vergangenen sieben Pflichtspielen. Zuletzt überzeugten sie beim 7:2 bei Tottenham Hotspur, in der Bundesliga höchstens am 3. Spieltag beim 6:1 gegen Mainz. Selbst das am ENde viel zu hoch ausgefallene 4:0 gegen den 1. FC Köln war schmeichelhaft.

Was ist los mit dem Rekordmeister, der noch vor nicht allzu langer Zeit mit sehenswertem Angriffsfußball nach Belieben dominierte? Kovac - so hat es den Anschein - schiebt den schwarzen Peter seiner Mannschaft zu.

Es liege nicht an der Taktik, sondern an der Einstellung, schimpfte er in Bochum. "Wir sprechen Sachen an, aber die Jungs setzen es im Moment nicht um."

Eine explosive Äußerung, wie sie der Coach in den vergangenen Wochen mehrfach getätigt hatte. Etwa als er Thomas Müller unbedacht zum Notnagel degradierte, auch wenn er sich dafür längst entschuldigte.

Oder als er, angesprochen auf das schwache Pressing seiner Mannschaft, einen unglücklichen Vergleich mit dem FC Liverpool bemühte. "Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 km/h schaffen", hatte Kovac ziemlich ungelenk fehlende Spielertypen beklagt.

Nach dem schwachen Pokal-Auftritt lobte Kovac den Gegner. Seine Aussage "Da sieht man mal, wenn alle das machen, was der Trainer sagt, dann funktioniert das auch" verstanden viele als Seitenhieb in Richtung der eigenen Spieler.

In der Kabine dürfte diese Art der Kritik nicht gut angekommen sein. Der "kicker" berichtete schon zuvor über eine Kluft zwischen Mannschaft und Coach.

 

Kovac redet sich um Kopf und Kragen

Die Medien sollten nicht hineininterpretieren, dass die Mannschaft gegen ihn spiele, warnte Kovac vor der Partie bei Eintracht Frankfurt in weiser Voraussicht. Denn es drängt sich schon die Frage auf, ob der Trainer sein Team überhaupt noch erreicht. Viele Äußerungen, selbst die späteren verbalen Rettungsversuche, klingen nach Offenbarungseid.

Schließlich gehört es in den Aufgabenbereich eines Trainers, die passende Ansprache zu finden und die Spieler richtig einzustellen - taktisch wie emotional. Auch vermeintlich fehlende Spielertypen gelten, anders als in der Vorsaison, nicht mehr als Ausrede. Denn Kovac hatte sich seinen Kader in der Sommerpause selbst zusammengestellt.

Das Auswärtsspiel in Frankfurt am Samstag ab 15:30 Uhr im Liveticker auf ran.de als Schicksalsspiel hochzustilisieren, wäre überzogen. Zumindest aber steht der 48-Jährige bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November unter besonderer Beobachtung. In Frankfurt, gegen Olympiakos und vor allem gegen den BVB sind überzeugende Auftritte Pflicht, um die schwelende Unruhe im Verein zu ersticken. 

Schleudersitz aktiviert

Für Kovac ist es keine unbekannte Situation. Schon in seinem ersten Jahr beim FC Bayern hatte mehrfach sein Stuhl gewackelt.

Im Vergleich zu damals gibt es heute signifikante Unterschiede, die ihm das Leben erschweren: Die jüngsten Lobeshymnen auf die Fans von Eintracht Frankfurt könnten Kovac den Rückhalt bei den eigenen Anhängern kosten. Diese hatten den Trainer in der vergangenen Saison auch in schwierigen Phasen noch bedingungslos unterstützt.

Mit Präsident Uli Hoeneß geht sein größter Fürsprecher im November in den Ruhestand. Und mit Ajax-Coach Erik ten Haag ("Ich schließe nichts aus."), Mauricio Pochettino, der in Tottenham nicht mehr unumstritten ist, Ex-Juventus-Trainer Massimiliano Allegri und Jose Mourinho stehen gleich vier mögliche Kandidaten bereit, die Kovacs Schleudersitz auslösen könnten.

Und das, obwohl zahlenmäßig doch eigentlich noch gar nichts passiert ist an der Säbener Straße.

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Tabelle

Bundesliga

#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bor. MönchengladbachBor. MönchengladbachM'gladbachBMG14101330:161431
2RB LeipzigRB LeipzigRB LeipzigRBL1493239:162330
3Borussia DortmundBorussia DortmundDortmundBVB1475233:191426
4FC Schalke 04FC Schalke 04SchalkeS041474325:18725
5SC FreiburgSC FreiburgFreiburgSCF1474324:17725
6Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusenB041474322:18425
7Bayern MünchenBayern MünchenBayernFCB1473435:201524
81899 Hoffenheim1899 HoffenheimHoffenheimTSG1463519:23-421
9VfL WolfsburgVfL WolfsburgWolfsburgWOB1455415:14120
101. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion BerlinFCU1461718:19-119
11Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtFrankfurtSGE1453624:22218
12FC AugsburgFC AugsburgAugsburgFCA1445520:26-617
131. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05Mainz 05M051450920:34-1415
14Werder BremenWerder BremenWerderSVW1435622:29-714
15Hertha BSCHertha BSCHertha BSCBSC1433820:29-912
16Fortuna DüsseldorfFortuna DüsseldorfDüsseldorfF951433816:29-1312
17SC Paderborn 07SC Paderborn 07PaderbornSCP14221017:32-158
181. FC Köln1. FC KölnKölnKOE14221012:30-188
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