So sehen Sieger aus: Werder Bremen (l.) und der 1. FC Nürnberg haben jeweils... - Bildquelle: imagoSo sehen Sieger aus: Werder Bremen (l.) und der 1. FC Nürnberg haben jeweils über die Relegation die Klasse gehalten © imago

München - Die Saison 2019/2020 im deutschen Profifußball ist beendet. Und sie schloss mit einem besonders lauten Tusch. Durch Fabian Schleuseners Treffer zum 1:3 tief in der Nachspielzeit entging der 1. FC Nürnberg im Duell mit dem FC Ingolstadt noch gerade so dem Versinken in die Drittklassigkeit.

Diese 90 Minuten waren beileibe nicht hochklassig und boten mehr als eine Hälfte lang nur Langeweile. Und dennoch war das Kräftemessen zwischen dem 16. der 2. Liga und dem Drittligavertreter letztlich beste Werbung für die von vielen Seiten so argwöhnisch beäugte Relegation.

 

Relegation verkörpert alles, warum wir Fußball lieben

Denn genau wie das Aufeinandertreffen zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Heidenheim zuvor verkörperte die Partie in der Autostadt alles, was Fußball so liebenswert macht. Einen dramatischen Spielverlauf, dessen Wendungen niemand vorhersagen kann. Außenseiter, die über sich hinauswachsen und dem vermeintlichen Goliath plötzlich auf Augenhöhe begegnen.

Und natürlich das Wichtigste, wofür wir alle ins Stadion pilgern, unsere Stammkneipe aufsuchen, den Fernseher anschalten oder den Livestream im Internet starten: Emotionen pur!

Eindrucksvolle Plädoyers für Beibehaltung der Relegation

Wohlgemerkt positive wie negative. Denn auch die gehören zu einem sportlichen Wettkampf dazu. Wenn sich zwei Duellanten Auge in Auge gegenübertreten und es am Ende nur einen geben kann.

Insofern werden diese beiden Relegations-Vergleiche als eindrucksvolle Plädoyers für die Beibehaltung der künstlichen Saisonverlängerung in dessen Geschichte eingehen. Über deren Sinn eben immer wieder gestritten wird.

Doppeltes Fangnetz für Bundesligisten?

Natürlich setzt sich gerade in der sogenannten großen Relegation in den allermeisten Fällen - seit Wiedereinführung 2008 genau neunmal in zwölf Jahren - der Bundesligist durch. Deshalb monieren Kritiker sicher zu Recht, es handele sich quasi um ein doppeltes Fangnetz für die Klubs aus dem Oberhaus.

Kann man so sehen. Aber viel wichtiger ist doch: Dieser K.o.-Modus beschert uns zum Ausklang der Saison regelmäßig Bilder, die unter die Haut gehen. In Heidenheim waren die Bremer nach Ludwig Augustinssons erlösendem 2:1 außer Rand und Band, nun bildeten die Nürnberger ein Jubelknäuel nahe der Eckfahne.

Drama gipfelt auf dem Höhepunkt

Weil sich plötzlich der ganze seit Tagen, Wochen oder Monaten aufgestaute Druck Bahn bricht. Zumindest das kleinste aller Saisonziele doch noch irgendwie errungen wird. Das Drama auf seinem Höhepunkt gipfelt.

Gerade für den neutralen Fan sind derartige Herzschlagfinals unbezahlbar. Zwar erleben wir dabei selten echte Sternstunden, aber dafür steht eben auch viel zu viel auf dem Spiel.

Solche Do-or-die-Duelle ziehen ihren Reiz im Grunde allein aus der Spannung. Und sie wirken nach. Manche Szenen brennen sich regelrecht im Kopf des Betrachters ein.

Denn in dieser Intensität gibt es all das eben nur in den Extrarunden, die manche Klubs zur Strafe, andere als Belohnung drehen müssen oder dürfen. Da kann das ebenso liebgewonnene und letztlich auch fairere Ligasystem nicht mithalten.

Nächstes Mal aber bitte wieder mit Fans

Deshalb demonstrierten auch die beiden bis zum letzten Pfiff offenen Duelle in diesem Sommer wieder: Diese Relegation hat sich bewährt und darf uns gern über viele weitere Sommer begleiten.

Nur dann bitte, bitte wieder mit Fans. Die hätten den Partien in Bremen, Heidenheim, Nürnberg und Ingolstadt noch mehr Würze verschafft.

Aber auch so sage ich: Danke, liebe Relegation, dass es dich gibt. Lass dich drücken - bald wieder!

 

Marcus Giebel

Du willst die wichtigsten Fußball-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

Torjäger

Keine Daten vorhanden.
Keine Daten vorhanden.