Christian Streich (Mi.) muss beim SC Freiburg den Abgang einiger Leistungstr... - Bildquelle: ImagoChristian Streich (Mi.) muss beim SC Freiburg den Abgang einiger Leistungsträger verkraften © Imago

München – Mit 48 Punkten und Platz acht hat der SC Freiburg 2019/20 für viele überraschend eine sorgenlose Saison gespielt, in der die Breisgauer die Europa League nur um einen Zähler verpassten und gleich zwei Kicker zu deutschen Nationalspielern formte.

Doch nun drohen wieder härtere Zeiten, und das trotz rosiger finanzieller Lage und eines neuen Stadions. Das Problem ist ein altbekanntes: Wer bei Freiburg überzeugt, bleibt nicht lange beim Sportclub.

Das ist neu

Auf dem Transfermarkt hält sich Freiburg bislang verhältnismäßig zurück. Fürs Tor kommt Benjamin Uphoff ablösefrei vom Karlsruher SC, er wird aber wohl nur Backup hinter Mark Flekken.

Im Sturm ruhen die Hoffnungen auf Ermedin Demirovic, der für 3,7 Millionen Euro vom spanischen Erstligisten Deportivo Alaves kommt. Immerhin: Der gebürtige Hamburger schoss vergangene Saison den FC St. Gallen als Leihspieler mit 14 Toren in 28 Spielen zur Schweizer Vizemeisterschaft.

Der vielleicht interessanteste Neue beim SC Freiburg ist eine Leihgabe: Der offensive Mittelfeldmann Guus Til kommt von Spartak Moskau. Der inzwischen 22-Jährige debütierte vor zwei Jahren für die niederländische Nationalmannschaft und ging 2019 für 16 Millionen Euro vom AZ Alkmaar nach Moskau. Doch nach verheißungsvollem Beginn spielte Til unter Trainer Domenico Tedesco im weiteren Saisonverlauf kaum noch eine Rolle. In Freiburg will er nun zu alter Klasse finden.

Der größte Star zum Saisonstart 2020/21 sollte eigentlich das neue Stadion im Norden der Stadt werden. Wegen der Corona-Krise verzögerten sich die Bauarbeiten allerdings. Nun peilt der Klub an, im Januar den Umzug vom Schwarzwaldstadion in die neue Arena zu vollziehen – noch ist unklar, ob mit oder ohne Fans.

Das macht Mut

Mit Christian Streich sitzt weiterhin ein Mann am Ruder, der die Gegebenheiten seines Klubs kennt wie kein Zweiter. Leistungsträger werden abgeworben? Die Mittel für Neue sind angesichts des solide wirtschaftenden Klubs niedriger als anderswo? Nichts Neues für Streich, dessen Arbeit mit Rang drei in der Wahl zum deutschen Trainer des Jahres 2020 hinter den Titelhamstern Hansi Flick und Jürgen Klopp gewürdigt wurde.

Und: Mit Yannik Keitel, Luca Itter und Lino Tempelmann haben die Breisgauer gleich drei deutsche U-Nationalspieler im Kader, denen ein Durchbruch zuzutrauen ist.

Ein weiterer Vorteil: In Freiburg herrscht Gelassenheit. Ziel bleibt trotz der tollen Vorsaison einzig und allein der Klassenerhalt. Selbst wenn der Klub in den Abstiegskampf abrutscht, dürfte Streichs Stuhl sicher sein. Die Kontinuität an der Seitenlinie - neben Streich hat im Sommer auch sein Trainerteam die Verträge verlängert - bleibt der größte Trumpf.

Das bereitet Sorgen

Trotz des bewährten Freiburger Modells als Ausbildungsklub ist der Aderlass des bisherigen Transferfensters gewaltig: Mit Luca Waldschmidt (zu Benfica Lissabon) und Robin Koch (Leeds United) haben zwei aktuelle deutsche Nationalspieler den Verein verlassen. Dazu ging Stammkeeper Alexander Schwolow nach zwölf Jahren im Verein zu Hertha BSC.

Zudem kehrten Kapitän Mike Frantz (Hannover 96) sowie Jerome Gondorf (Karlsruher SC) dem Verein den Rücken. Damit verlieren die Freiburger sowohl in der Leistungsspitze als auch in der Kadertiefe im Vergleich zum Vorjahr an Substanz. Zwar hat der Klub durch Transfererlöse einen neuen Vereinsrekord von geschätzten 37 Millionen Euro aufgestellt, auf teure Neuzugänge verzichtete man im Breisgau bislang allerdings.

Darauf kommt es an

Vieles hängt von den beiden Neuen Ermedin Demirovic und Guus Til ab. Gelingt es Streich, die beiden Youngster in der Offensive gut zu integrieren, dürfte der Angriff stark genug bleiben. Zumal mit Nils Petersen eine Stütze der Mannschaft weiterhin dabei ist. Dazu kommt mit dem Koreaner Woo-Yeong Jeong ein Offensivmann zurück, der im vergangenen halben Jahr als Leihgabe bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern ordentlich Selbstvertrauen getankt hat und nun auch in der Bundesliga durchstarten will.

Dennoch sollten die Freiburger die bis Oktober verlängerte Transferphase gut nutzen. Die Breite des Kaders aus der Vorsaison ist dahin. Vor allem im zentralen Mittelfeld klafft noch eine Lücke. Zudem muss Freiburg hoffen, dass wie in den vergangenen Jahren schon so oft ein Talent den Durchbruch bei den Profis schafft.

Das sagen die Verantwortlichen

Trainer Christian Streich zeigte sich angesichts der namhaften Abgänge vorsichtig: "Die Breite vom Vorjahr werden wir wohl nicht nochmal haben, aber wir wollen wieder so aufgestellt sein, dass wir in der Lage sind, Bundesligaspiele zu gewinnen. Wenn Leute gehen, müssen sich Dinge neu ordnen. Aber das ist nicht so kompliziert bei uns, weil viele Wurzeln schon gewachsen sind. Die Wurzeln, die jetzt entfernt wurden, wachsen auch wieder nach. Bei uns ist es ja generell so, dass die Hierarchien flacher sind."

Leistungsträger Nils Petersen ist im "SWR" optimistisch, dass der SC die Abgänge kompensieren kann: "Ich glaube, wir werden wieder eine gute Mannschaft zusammenhaben. Am Ende sind wir auch ein Unternehmen, das Gewinne generieren muss und das haben wir wieder getan. Das spricht ja auch für uns. Wir haben zum Glück ein paar Spieler, die schon lange dabei sind und da habe ich eigentlich keine Angst, dass wir das nicht auffangen können."

So läuft die Saison

Nach dem Aderlass des Sommers ist ein abermaliges Rennen um die Europapokalplätze für Freiburg 2020/21 nicht noch einmal drin. Wenn die Neuzugänge funktionieren und auf dem Transfermarkt noch einmal für die Kaderbreite investiert wird, sind die Freiburger aber auch diesmal zu gut, um wirklich tief in den Keller abzurutschen. Prognose: Am Ende steht der SC auf einem zweistelligen Tabellenplatz.

Infos zum SC Freiburg

Kader

Spielplan

Transfers

Voraussichtliche Aufstellung: Flekken - Schmid, Lienhart, Heintz, Günter - Sallai, Til, Höfler, Grifo - Höler, Demirovic

Martin Jahns

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Tabelle

#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtFrankfurtSGE21104:224
2Bayern MünchenBayern MünchenBayernFCB11008:083
3Borussia DortmundBorussia DortmundDortmundBVB11003:033
4FC AugsburgFC AugsburgAugsburgFCA11003:123
4RB LeipzigRB LeipzigRB LeipzigRBL11003:123
6Hertha BSCHertha BSCHertha BSCBSC21015:413
71899 Hoffenheim1899 HoffenheimHoffenheimTSG11003:213
7SC FreiburgSC FreiburgFreiburgSCF11003:213
9Arminia BielefeldArminia BielefeldBielefeldDSC10101:101
10Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusenB0410100:001
10VfL WolfsburgVfL WolfsburgWolfsburgWOB10100:001
121. FC Köln1. FC KölnKölnKOE10012:3-10
12VfB StuttgartVfB StuttgartStuttgartVFB10012:3-10
141. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion BerlinFCU10011:3-20
141. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05Mainz 05M0510011:3-20
16Werder BremenWerder BremenWerderSVW10011:4-30
17Bor. MönchengladbachBor. MönchengladbachM'gladbachBMG10010:3-30
18FC Schalke 04FC Schalke 04SchalkeS0410010:8-80
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