Der SC Paderborn steht vor seiner zweiten Saison in der Bundesliga. - Bildquelle: imagoDer SC Paderborn steht vor seiner zweiten Saison in der Bundesliga. © imago

Paderborn/München - Menschen aus Ostwestfalen sieht man nicht sofort an, dass sie Spaß haben. Sie können Emotionen ganz gut für sich behalten. Fakt ist aber: Sie haben Spaß. Beim SC Paderborn zuletzt endlich wieder öfter. Denn der Klub legte in den vergangenen Jahren eine Achterbahnfahrt hin, die ihresgleichen sucht.

2015 Abstieg aus der Bundesliga, ein Jahr später Abstieg aus der 2. Bundesliga, 2017 den freien Fall in die Regionalliga nur durch den Lizenzentzug von 1860 München gestoppt. Durchgeatmet. Geschüttelt. Und ab die wilde Fahrt: 2018 Aufstieg als Zweiter in die 2. Bundesliga und in diesem Frühjahr der Durchmarsch in die Bundesliga - als Zweiter. 

Heißt: "Auch diesmal geht's maximal um den zweiten Platz", sagt Paderborns Coach Steffen Baumgart. Scherz, natürlich. Humor haben sie in Ostwestfalen also auch.

Das ist neu

Zehn Neue wurden geholt, in erster Linie unbekannte Spieler, Merkmal "gerne ablösefrei", aus der 3. Liga oder der Regionalliga. Jung und hungrig, mit Potenzial. Dazu die Hoffnung, vielleicht einen Volltreffer gelandet zu haben. 

Sparmeister sind sie schon, 220.000 Euro wurden bislang ausgegeben. Eingenommen haben sie hingegen fünf Millionen Euro, dafür verlor der SCP durch die Abgänge von Philipp Klement (VfB Stuttgart) und Bernard Tekpetey (FC Schalke 04/Fortuna Düsseldorf) aber auch Qualität.

"Wir haben eine ganz klare Vereinsstrategie, die besagt, dass wir junge Spieler hier aufbauen und ihnen den nächsten Schritt gewähren wollen", sagte Paderborns neuer Sport-Geschäftsführer Martin Przondziono. "Wir wollen Spieler, die hungrig und schnell sind und sich selbst nicht so wichtig nehmen", bestätigt Baumgart die Philosophie.

Das macht Mut

Dass man in Paderborn Mut hat. Denn Bundesliga hin oder her: Es soll auch im Oberhaus ein Feuerwerk abgebrannt werden. Offensivfußball ist das A und O. "Ich muss im Fernsehen schon genügend langweilige Spiele ertragen", sagt Baumgart: "Wir wollen in der 1. Liga genau so offensiv spielen wie in der 2. Liga."

Keine Frage: Das ist eine Ansage.

Aber mit dieser Philosophie ist der Klub nach den Abstiegen gut gefahren. Damit hatte er es zuvor zum ersten Mal in die Bundesliga geschafft, dann aber Fehler gemacht, den Weg der Bescheidenheit verlassen, auf falsche Namen gesetzt. Wie beim Trainer-Missverständnis mit Stefan Effenberg oder bei angeblichen Leistungsträgern wie Srdjan Lakic, Oliver Kirch, Jakub Sylvestr, Kevin Stöger oder Marc-Andre Kruska. 

In der Mannschaft ist klar, wie der Hase läuft. Routinier Uwe Hünemeier: "Hier ist auf soliden Füßen etwas aufgebaut worden und nach einer schwierigen Phase ist der Verein in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Jetzt geht es darum, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Wir wissen, wer wir sind und wollen das Beste herausholen. Und dazu sind wir mehr als bereit."

Volle Konzentration auf die Tugenden kann ein Faktor werden. Genauso wie die Aufstiegs-Euphorie, die schon mehr als einmal eine Mannschaft durch eine Saison getragen, qualitative Unterschiede ausgeglichen hat. Auch der Stempel des Underdogs kann Kräfte freisetzen. Zu verlieren hat der Aufsteiger nichts.

Das bereitet Sorgen

Dass Mut alleine manchmal nicht ausreicht. Denn man muss nicht lange darüber diskutieren, dass Qualität nicht als erstes Merkmal ins Auge sticht, wenn man sich den Kader genauer anschaut. Der Kader besteht größtenteils aus unbekannten Spielern - ob das für die Bundesliga tatsächlich reicht, muss sich zeigen.

Bei 24 Millionen Euro steht der Marktwert - Platz 18, selbst bei Union Berlin sind es 37. Der Spieler-Etat soll bei übersichtlichen 22 Millionen Euro liegen. Große Sprünge sind nicht möglich, große Nachbesserungen auch nicht.

Hinzu kommt die Unruhe im Umfeld: Eine erste Feuerprobe zwischen Klub und Fans gab es in der Vorbereitung, denn die seltsame, harsch kritisierte und am Ende abgesagte Kooperation mit RB Leipzig wurde zum Eigentor. So kann es möglicherweise mit der Geduld schneller vorbei sein als ohne PR-Desaster.

Darauf kommt es an

Den Kurs nicht verlassen. Sich selbst treu bleiben, vor allem nicht die Nerven verlieren und alles hinterfragen, was in den vergangenen Jahren mühsam wieder aufgebaut wurde. Glaubwürdig bleiben: Was man im Vorfeld predigt, sollte man auch verfolgen und sich nicht beirren lassen. In den vergangenen beiden Jahren waren Rückschläge und Niederlagen selten. Sie wird es nun wieder öfter geben, möglicherweise werden sie sogar zum Alltag in der Bundesliga.

Eigentlich hat der SC Paderborn keine Chance, doch genau das muss er nutzen. Paderborn als Bundesligist ist keine Selbstverständlichkeit, und ebenoso unbekümmert wie demütig sollte der Klub die Aufgabe auch angehen.

Das sagen die Verantwortlichen

Przondziono verspricht, dass man den Weg nicht verlassen werde. "Egal, in welcher Liga wir spielen: Wir wollen so viele Tore wie möglich schießen.Wir wollen jedes Spiel gewinnen, so gehen wir in die Partien hinein."

Das bisherige Spektakel mal in Zahlen: 93 Pflichtspiele bestritt der SCP unter Baumgart. 221 Tore schoss der Klub dabei, was immerhin 2,4 Treffer pro Spiel sind. Halten wird man den nicht. Aber der Ansatz – sexy geht auch als armer Aufsteiger – ist interessant.

So läuft die Saison

Wir müssen uns nichts vormachen: Es wird sehr schwer, Abstiegskampf steht auf der Tagesordnung. Passiert nichts Außergewöhnliches, ist der Klub dann auch Abstiegskandidat Nummer eins. Ob sich genug Vereine finden, die am Ende hinter dem SCP bleiben - eher nein. 

Als Ostwestfale kann man dann aber trotzdem Spaß haben. Auch wenn sie es selten zeigen. 

Infos zum SC Paderborn

Kader

Spielplan

Transfers

Voraussichtliche Aufstellung: Huth - Dräger, Schonlau, Hünemeier, Collins - Pröger, Vasiliadis, Kapic, Antwi-Adjej - Zolinski, Michel

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