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München/Gelsenkirchen - 200 Prozent. Und zwar von jedem.

Als die Schalker Ultras ihre Mannschaft eine Woche vor dem Revierderby im Anschluss an das 1:1 gegen Union Berlin zur Rede stellten, machten sie klar, was sie gegen den verhassten BVB erwarten würden.

Sonst sehe man sich wieder, lautete die Drohung: "Dann wird es aber nicht so friedlich."

Das Duell mit dem Erzrivalen endete 0:3. Und nicht nur die Schalker Ultras müssen sich nun eine unangenehme Frage stellen: Hat die Mannschaft im Derby keine 200 Prozent abgerufen? Oder, und diese Frage ist fast noch schlimmer: Waren das die 200 Prozent?

Keine Torchance in 90 Minuten

Das Ergebnis drückt nämlich nur unzureichend aus, was sich im Signal-Iduna-Park abspielte. Schalke machte nicht den Eindruck, etwas anderes zu wollen, als die unausweichliche Niederlage möglichst lange hinauszuzögern.

Vier Ballkontakte hatten die Königsblauen im Strafraum der Dortmunder, eine wirkliche Torchance gab es in den ganzen 90 Minuten keine. Eine Idee, was man mit so einem Fußball anstellt, wenn man ihn denn mal hat, ist in Gelsenkirchen schon länger nicht mehr gesichtet worden.

Riether: "Plötzlich rutscht man in eine positive Phase"

Schalkes Trainer Manuel Baum hatte nach der Partie gegen Union sogar noch von der "Fantasie" gesprochen, etwas mitnehmen zu können gegen den BVB. Nach der Pleite fühlte er sich "genervt und sauer", und pochte auf dieses eine Erfolgserlebnis, das die Mannschaft brauche - "dann dreht sich das Wetter so schnell, das glauben Sie gar nicht".

Auch Sascha Riether, Koordinator der Lizenzspielerabteilung, meldete sich ähnlich zu Wort. "Plötzlich", sagte der 37-Jährige im "Doppelpass", "rutscht man dann in eine positive Phase rein".

Aber woher soll dieses Erfolgserlebnis kommen? Wer soll dafür sorgen, in einer bis auf die Knochen verunsicherten Mannschaft?

Mit seiner Aussage, das größte Problem der Mannschaft sei "der Kopf", legte Baum die Krux offen: Die Mannschaft ist gefangen im Schalker Teufelskreis; für Erfolgserlebnisse braucht es einen freien Kopf, für einen freien Kopf braucht es Erfolgserlebnisse. Was aber, wenn beides weder da, noch in Sicht ist?

Nur Tasmania Berlin war schlechter - vor 55 Jahren

Seit 21 Spielen, also neun Monaten, hat der FC Schalke 04 nicht mehr in der Bundesliga gewonnen. Nur das legendär miserable Tasmania Berlin, das in der Anfangszeit der Bundesliga eher aus politischen als sportlichen Gründen in die höchste Spielklasse gehievt wurde, war in der Saison 1965/66 mit 31 erfolglosen Spielen am Stück noch schlechter.

Auf Schalke sind längst Ernüchterung und eine gewisse Hoffnungslosigkeit eingekehrt. Auch der Spielplan - Schalke spielte schon an den ersten sechs Spieltagen auswärts gegen Bayern, Dortmund sowie Leipzig und fraß dabei 15 Gegentore - kann nicht als Ausrede herhalten. Der FC Schalke 04 macht aktuell nicht den Eindruck, ein Fußballspiel gewinnen zu können.

"Selbst Tönnies Schweine zeigen mehr Kampf als ihr"

Fehlende Qualität, nicht abgerufene Qualität - Riether ging bei seinem Auftritt im "Doppelpass" mit der Mannschaft schließlich auch hart ins Gericht. Sie werde einfach nicht abgerufen, die vorhandene Qualität, Man müsse sie endlich "rauskitzeln", man brauche eine "höhere Qualität von mehreren Spielern".

Zwei Möglichkeiten haben die Schalker noch vor der Länderspielpause, diese verschüttgegangene Qualität wieder zu tage zu befördern. Am Freitag geht es gegen das bärenstark gestartete und von Tabellenplatz vier grüßende Stuttgart, in der Woche darauf gegen Mainz 05. Aktuell Tabellenletzter, ohne Punkt.

Eigentlich ist der 7. Spieltag zu früh, um Partien als Endspiele auszurufen. Aber wohin soll es sportlich und auch im Kopf gehen, wenn auch dieses Spiel nicht gewonnen wird?

Schalkes Ultras haben nach der Niederlage gegen den BVB ein Plakat an der Tausend-Freunde-Mauer neben der Schalker Arena aufgehangen. "Selbst Tönnies Schweine zeigen mehr Kampf als ihr", ist darauf zu lesen.

Vielleicht sollte sich die Mannschaft in Zukunft an die vor dem Derby geforderten 200 Prozent halten. Weil es die nicht nur im Derby braucht, sondern in der aktuellen Lage immer. Und zwar von jedem.

David Kreisl

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Tabelle

#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenBayern MünchenBayernFCB861128:121619
2Borussia DortmundBorussia DortmundDortmundBVB860220:71318
3Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusenB04853016:9718
4RB LeipzigRB LeipzigRB LeipzigRBL852116:51117
51. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion BerlinFCU843118:81015
6VfL WolfsburgVfL WolfsburgWolfsburgWOB83509:5414
7Bor. MönchengladbachBor. MönchengladbachM'gladbachBMG833213:13012
8VfB StuttgartVfB StuttgartStuttgartVFB825116:12411
9Werder BremenWerder BremenWerderSVW825110:10011
10FC AugsburgFC AugsburgAugsburgFCA832310:11-111
11Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtFrankfurtSGE825111:13-211
121899 Hoffenheim1899 HoffenheimHoffenheimTSG822414:15-18
13Hertha BSCHertha BSCHertha BSCBSC821515:18-37
14SC FreiburgSC FreiburgFreiburgSCF81349:19-106
151. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05Mainz 05M05811610:21-114
16Arminia BielefeldArminia BielefeldBielefeldDSC81165:17-124
171. FC Köln1. FC KölnKölnKOE80358:14-63
18FC Schalke 04FC Schalke 04SchalkeS0480355:24-193
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