Bereit für die neue Saison: Claudio Pizarro will in seiner letzten Saison mi... - Bildquelle: GettyBereit für die neue Saison: Claudio Pizarro will in seiner letzten Saison mit Werder Bremen an die starke Spielzeit 2018/2019 anknüpfen © Getty

München/Bremen - Eine Saison völlig frei von Abstiegsängsten - viele Jahre mussten Fans und Verantwortliche von Werder Bremen darauf warten. 2018/2019 war es endlich wieder so weit. Dank einer diesmal ordentlichen Hinrunde - wenn auch mit einer Durststrecke in der zweiten Hälfte angesichts von nur fünf Punkten aus neun Spielen - sowie einer schon gewohnt bärenstarken Rückserie stand letztlich Rang acht.

Um gerade einmal zwei Punkte wurde der Europacup verpasst. Ähnlich knapp schlitterten die Grün-Weißen zwar auch 2014/2015 und 2016/2017 an einem Comeback auf internationalem Parkett vorbei. Doch die Ausbeute von 53 Zählern war mit Abstand die beste seit neun Jahren.

Dieser Schwung soll nun mitgenommen werden in das zweite komplette Jahr unter Florian Kohfeldt, dem aktuellen Trainer des Jahres in Deutschland. In der Vorbereitung gelang zuletzt ein imponierendes 4:0 über SD Eibar, am "Tach der Fans" wurde dem FC Everton ein 0:0 abgetrotzt.

Das ist neu

Einziger externer Zugang ist Rückkehrer Niclas Füllkrug, der für mehr Präsenz im Strafraum sorgen soll. Angesichts seines dritten Knorpelschadens, der ihn bei Hannover 96 mehr als ein halbes Jahr außer Gefecht setzte, wird der gebürtige Hannoveraner behutsam herangeführt. An einen Einsatz über 90 Minuten ist vorerst wohl nicht zu denken.

Außerdem wurde der österreichische U21-Nationalspieler Marco Friedl nach anderthalb Jahren Leihe fix vom FC Bayern München verpflichtet. Verloren haben die Bremer mit Max Kruse ihren Kapitän und klaren Anführer auf dem Feld. Die Binde übernimmt erwartungsgemäß Niklas Moisander - als dritter Spieler in den vergangenen drei Jahren. Wie Zlatko Junuzovic und Kruse kommt auch der Finne erst in seinem letzten Vertragsjahr zu dieser besonderen Ehre.

Das Bremer Spiel war in den vergangenen drei Jahren geprägt von Kruses Präsenz, der stets der Fixpunkt im Angriff war. Diese Verantwortung will Kohfeldt nun auch gezwungenermaßen auf mehrere Schultern verteilen. Schließlich verfügt der Kader nicht mehr über einen solch dominanten Akteur.

Das macht Mut

Den wichtigsten Vertragsabschluss verkündeten die Hanseaten während ihres zweiten Trainingslagers in Grassau: Kohfeldt - das Gesicht des Aufschwungs - verlängerte vorzeitig um zwei Jahre bis 2023. Damit wurde lange vermisste Kontinuität demonstriert. Was wiederum die Chancen auf einen längerfristigen Verbleib von umworbenen Profis erhöht.

Zuletzt beendete Davy Klaassen selbst die Spekulationen über einen möglichen Wechsel zu Lazio Rom und betonte: "Das ist keine Option für mich, ich bleibe." Auch für Jiri Pavlenka, Ludwig Augustinsson oder Milot Rashica gibt es längst einen Markt, doch alle drei haben sich dem Bremer Projekt verschrieben.

Die begehrten Eggestein-Brüder Maximilian und Johannes verlängerten im Frühjahr ihre Verträge. Damit steht das Gerüst des Teams, aus dem eben lediglich Kruse weggebrochen ist.

Die Vorbereitung verlief unter sportlichen Gesichtspunkten nahezu perfekt. Kohfeldt betonte mehrmals, wie überrascht er sei, dass er nicht einmal richtig "dazwischenhauen" musste.

Im Fokus stand die Absicherung gegen Konter - also nach Ballverlust die Räume rasch zu verengen und die Passwege zuzustellen. In diesen Spielsituationen waren die Bremer beinahe schon traditionell anfällig. Das soll der Vergangenheit angehören.

Das macht Sorgen

In der Abwehr herrscht akuter Handlungsbedarf. Mit Milos Veljkovic (Zehenbruch) und Sebastian Langkamp (Muskelfaserriss) fallen zwei der vier Innenverteidiger seit dem Trainingsstart aus. Der Serbe wird auch die ersten Pflichtspiele sicher verpassen, beim Ex-Berliner besteht zumindest die Hoffnung auf einen Einsatz zum Ligaauftakt gegen Düsseldorf.

Zu allem Überfluss fällt auch Augustinsson mit Problemen am linken Bein vorerst aus. Deshalb wird wohl Friedl auf die Linksverteidigerposition rücken, was U23-Kapitän Christian Groß beim Pokalspiel gegen Atlas Delmenhorst sein Pflichtspieldebüt für die Profis bescheren dürfte.

Das zeigt: In diesem Mannschaftsteil fehlt es an Alternativen. Ein Rechtsverteidiger und ein defensiver Mittelfeldspieler - hier fällt Philipp Bargfrede noch bis tief in die Hinrunde aus - sollen unbedingt noch verpflichtet werden.

Allerdings betont Sportchef Frank Baumann stets, dass er "hohe Ansprüche an neue Spieler" habe. Profis, die sofort helfen würden, sind jedoch heiß umworben. Entsprechend ist Geduld gefragt. Folglich wird sich die neue Abwehrformation wohl erst während der Saison einspielen können.

Als möglicher Kandidat gilt seit längerem Benjamin Henrichs, den die Bremer aufgrund finanzieller Engpässe jedoch höchstens von der AS Monaco ausleihen können. Das wiederum sollen die Monegassen ablehnen. Auch um Dortmunds Ömer Toprak buhlt Werder laut "kicker". Eine Verpflichtung des zwischenzeitlich gehandelten Michael Gregoritsch dürfte dagegen außerhalb der Möglichkeiten bleiben.

Das sagen die Verantwortlichen

Der Traum von der Rückkehr nach Europa überstrahlt in Bremen weiter alles. Die vergangene Spielzeit hat eine entsprechende Euphoriewelle entfacht. So betonte auch Claudio Pizarro vor seiner letzten Saison in Grün-Weiß: "Wir haben immer gesagt, dass wir international spielen wollen." Ähnlich äußerte sich Klaassen im Interview mit dem "Weserkurier": "Ich wüsste nicht, was es sonst für ein Ziel geben sollte."

Trainer Kohfeldt lobte zumindest die Frühform seines Teams: "Wir sind als Konstrukt viel stabiler." Besonders angetan zeigte er sich von Osako, der die durch Kruses Abgang entstandene Vakanz in der Offensive bereits bestens ausfüllt: "Ein Spieler mit dieser Vororientierung, das ist ja der Wahnsinn. Ich weiß, dass er nicht immer so gesehen wird, aber ich finde ihn überragend."

Der Japaner absolvierte erstmals eine richtige Vorbereitung im Bremer Dress. Der Klub hatte die Freigabe für die Copa America, bei der die Asiaten als Gast-Team dabei waren, verweigert. Es scheint dem quirligen Allrounder gut getan zu haben.

So läuft die Saison

Auch wenn die ersten Aufgaben wie schon im Vorjahr förmlich nach einem erfolgreichen Start schreien, wird allein schon die Wiederholung von Rang acht eine Herkulesaufgabe. Die Konkurrenz im Kampf um die internationalen Plätze hat immens aufgerüstet. Neben den sieben vor Werder eingelaufenen Klubs sind hier auch 1899 Hoffenheim und Hertha BSC zu nennen.

Realistisch dürfte sich das Kohfeldt-Team auf einem Mittelfeldplatz zwischen neun und zwölf einpendeln - wenn auch eher mit Ausreißern nach oben als nach unten. Viel wird von der Zusammensetzung in der Defensive abhängen, wo das Verletzungspech nicht noch einmal derart geballt zuschlagen darf.

Die Besetzung der Offensive verspricht dagegen besondere Spannung. Hier meldet sich neben Füllkrug auch der beinahe seit anderthalb Jahren fehlende Fin Bartels zurück. Den Weg in die Startelf könnte ihnen US-Talent Josh Sargent verwehren, der 19-Jährige zeigte bereits vielversprechende Ansätze und unterstrich seine Vollstreckerqualitäten.

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Die voraussichtliche Aufstellung: Pavlenka – Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson – Bargfrede, M. Eggestein, Klaassen – Rashica, Osako, Sargent

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