Enttäuschte Gesichter bei James Rodriguez (l.) und Casemiro von Real Madrid - Bildquelle: imago images/eu-imagesEnttäuschte Gesichter bei James Rodriguez (l.) und Casemiro von Real Madrid © imago images/eu-images

München/Paris - In Zeiten der Krise ist ein Rückzugsort wichtig, der Sicherheit verspricht. Ein Ort, der einem die eigene Stärke versichert. Bei Real Madrid war das zuletzt immer die Champions League. Seit 2014 haben die Madrilenen den Pokal viermal gewonnen. Es ist nicht übertrieben zu sagen, die Königsklasse sei der Lieblingswettbewerb der Königlichen.

Umso schmerzhafter trifft das Team von Trainer Zinedine Zidane die deutliche Niederlage zum Auftakt der neuen Saison. In Paris unterlag Real Madrid 0:3 (0:2). Die bloßen Zahlen könnten noch ein wenig Hoffnung lassen, dass es sich hierbei um einen Ausrutscher gehandelt hat – Paris Saint-Germain ist schließlich auch keine schlechte Mannschaft.

Doch Real verlor deutlich gegen ein B-Team von PSG, das ohne seine besten Angreifer Neymar, Kylian Mbappé und Edinson Cavani angetreten war. Der Ex-Madrilene Angel Di Maria übernahm deswegen am Mittwochabend im Parc des Princes den Großteil des Toreschießens (14./33.), Außenverteidiger Thomas Meunier den Rest (90.+1).

Die spanische Presse ging hart ins Gericht mit Real Madrid. "So kannst du nicht in Europa auftreten", titelte "Marca". Die Champions League, Madrids liebste Bühne, habe die Mängel dieser Mannschaft aufgezeigt. Die Real-nahe Zeitung "AS" sah einen Auftritt "ohne Seele", der "Real und seine Fans auseinandertreibt".

300 Millionen Euro für neue Spieler

Für Madrid begann die neue Champions-League-Saison so schmachvoll wie die vergangene Spielzeit geendet hatte. Gegen Ajax Amsterdam waren die Madrilenen im Achtelfinale krachend gescheitert (2:1/1:4). Es hatte sich gezeigt, dass der Umbruch, den Trainer Zidane vor seinem Rücktritt zum Ende der Saison 2018/19 gefordert hatte, unumstößlich war.

Zidane war nach einem missglückten Intermezzo von Julen Lopetegui und Santiago Solari, im März wieder zurückgekehrt. Präsident Florentino Perez hatte ihn für den Transfersommer mit über 300 Millionen Euro ausgestattet. Zidane baute kräftig um. Es kamen unter anderem Eden Hazard für 100 Millionen Euro, Luka Jovic für 60 Millionen und Eder Militao für 50 Millionen. Alle drei konnten noch nicht überzeugen. Jovic wartet noch auf sein erstes Tor, Hazard hat erst eine Oberschenkelverletzung hinter sich und wirkte gegen Paris sehr fad und Militao brachte es erst auf 120 Spielminuten. 

Die Mannschaft der Königlichen mutet zudem recht unausgewogen an. Drei offensive Mittelfeldspieler, sechs Flügelstürmer und drei zentrale Angreifer stehen gerade einmal drei zentralen und einem defensiven Mittelfeldspieler gegenüber. Gerade für den Abräumer Casemiro gibt es keinen adäquaten Ersatz. Trotzdem hatte Zidane vor dem Paris-Spiel gesagt, er sei "sehr zufrieden mit meinem Kader".

Real startet auch in der Liga durchwachsen

In Paris wurde zudem augenscheinlich, dass Real nach der Führungsstärke des gesperrten Sergio Ramos lechzte. Ein Toni Kross besticht zwar mit kühler Effizienz und wohltemperierten Pässen. Dass der deutsche Nationalspieler seine Nebenleute mit feurigem Gebrüll aufrüttelt, wie Ramos es tun würde, kann man von ihm aber nicht erwarten.

Kroos hatte seine Mannschaft nach einem durchwachsenen Ligastart mit zwei Siegen und zwei Unentschieden zuletzt auf einem guten Weg gewähnt. "Ich hatte die letzten zwei, drei Wochen eigentlich ein ziemlich gutes Gefühl, weil wir uns fußballerisch deutlich gesteigert hatten", sagte Kroos. "Das ist jetzt ein kleiner Rückschlag, weil wir es verpasst haben, auf diesem Niveau zu zeigen, dass wir wieder richtig gut sind."

Druck auf Zidane wächst

Zum Besten, was Real an diesem Abend zu bieten hatte, gehörte ausgerechnet der ungeliebte Gareth Bale, der im Sommer hätte verhökert werden sollen. Bei seinem Anschlusstreffer zum 1:2 in der 35. Minute, der später wegen Handspiels zurückgenommen wurde, zeigte sich aber ein weiteres Problem: niemand jubelte wirklich, kein Zeichen des Aufbruchs. Von einem eingeschworenen "Team" war wenig zu sehen. Die "AS" beschrieb Real als "eine Geistermannschaft, lustlos, mit Auflösungserscheinungen".

Trainer Zidane urteilte nach dem Spiel: "Zu diesem Zeitpunkt der Saison darf uns das nicht mehr passieren." Das Problem für ihn dürfte sein, dass Real Madrid eine solche Niederlage zu keinem Zeitpunkt der Saison passieren darf – selbst mit ihm als Trainer. Der Franzose besitzt zwar einen gewaltigen Kredit durch drei Champions-League-Siege in Folge, doch auch er ist nicht gefeit von Zweifeln. Hoffnung äußerte noch James Rodrigues. "Ich glaube nicht, dass das noch mal passiert", sagte der Ex-Bayernprofi, "wenn doch, dann sind wir dumm."

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