Ajax stürmte das Bernabeu. - Bildquelle: imago images / DeFodiAjax stürmte das Bernabeu. © imago images / DeFodi

München/Madrid – Man muss gar nicht lange überlegen. Denn es ist keine Frage: Diese Chance hätte sich Johan Cruyff auch nicht entgehen lassen. 

Man kann sogar mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es der verstorbenen Ajax-Legende ganz besonders gut gefallen hätte, was der offizielle Twitter-Account, der seinem Leben und Erbe Tribut zollt, zur Feier des Tages raushaute.

Es passt auf verschiedene Arten auch einfach zu gut:

"Man kann einen reicheren Verein nicht besiegen? Ich habe noch nie gesehen, dass eine Tasche voller Geld Tore schießt."

Ein berühmtes Cruyff-Zitat. Nach einem 4:1 von Underdog Ajax Amsterdam bei Titelverteidiger Real Madrid. Dazu sein legendäres Trikot mit der "14" als Ergebnis. Leidenschaft bezwingt Kohle, hungrige Thronanwärter zerlegen die satten Königlichen.

Feiner Nadelstich

Es ist ein feiner Nadelstich, der ja bekanntlich nicht nur im Namen einer Ajax-, sondern auch von einer Barca-Legende kommt.

Cruyffs Zitat ist auch heute noch zutreffend, passt perfekt auf dieses Duell im Achtelfinale der Champions League, in dem die ambitionierte Zukunft die erfolgreiche Gegenwart und Vergangenheit ausstach. Und das auf eine beeindruckende Art und Weise.

Zufall ist das aber nicht.

Denn Ajax Amsterdam hat eine der bekanntesten Nachwuchsschmieden der Welt, beliefert den internationalen Fußball seit Jahrzehnten regelmäßig und verlässlich mit Talenten, die zu Weltstars werden. 

Angefangen bei Cruyff oder Johan Neeskens über Frank Rijkaard, Marco van Basten, Edgar Davids, Clarence Seedorf, Frank und Ronald de Boer, Patrick Kluivert hin zu Wesley Sneijder oder Rafael van der Vaart.

Jede Generation hat ihre Diamanten

Um nur ein paar zu nennen. Denn jede Generation brachte ihre Juwelen hervor. Nicht umsonst dient die Ajax-Schule für viele Klubs als Vorbild.

Das Problem: Die Talent-Flut ist Fluch und Segen zugleich. Denn während Ajax diese Diamanten in der Vergangenheit selbst vergolden konnte, zum Beispiel mit dem dreimaligen Triumph im damaligen Landesmeisterwettbewerb (1971 bis 1973), dem Uefa-Pokal-Sieg 1992 oder dem Champions-League-Sieg 1995, werden die Talente immer früher weggelockt, der internationale Erfolg blieb deshalb aus, der regelmäßige Aderlass ist schon lange nicht mehr aufzuhalten. Die Frage ist nicht, ob die Jungstars gehen, sondern wie früh. 

1995 markiert mit dem Titel in der Königsklasse, dem Weltpokal und dem Uefa-Supercup nicht nur das erfolgreichste Jahr, sondern auch zugleich auch das internationale Ende einer Ära, auch wenn der Klub 2017 in der Europa League als Finalist für Furore sorgte und knapp am Triumph vorbeischrammte. Auch national wartet man schon länger auf einen Erfolg. Ajax holte zuletzt 2014 die Meisterschaft und 2010 zuletzt den Pokal. Aktuell hat Amsterdam bei einem Spiel weniger fünf Punkte Rückstand auf den Rivalen PSV Eindhoven. 

Nachwuchsakademie stets auf Top-Niveau

Es ist die alljährliche Kunst, die Herausforderung, den Spagat zwischen den Abgängen und den Nachrückern zu schaffen, und das ohne spürbaren Qualitätsverlust. Verlass ist dabei weiterhin auf die Nachwuchsakademie, die stets auf Top-Niveau blieb. Ajax hat auch jetzt wieder einige Talente in den Startlöchern, die auf dem Sprung zu den großen Vereinen sind.

Denn die heutige Mannschaft ist eine interessante Mischung aus alten Hasen und jungen Wilden. Einer der Anführer ist zum Beispiel der frühere Schalker Klaas-Jan Huntelaar (35), der seine erfolgreiche Karriere bei seinem Ex-Klub ausklingen lässt.  

Daneben gehören auch der Däne Lasse Schöne (32), der Argentinier Nicolas Tagliafico (26), Dailey Blind (28) und Dusan Tadic (30) oder Taktgeber Hakim Ziyech (25) zu den Routiniers.

Dazu wecken Talente wie Matthijs de Ligt (19), Donny van de Beek (21), Frenkie de Jong (21), Justin Kluivert (19) oder Kasper Dolberg (21) Hoffnungen, Erinnerungen und Begehrlichkeiten. 

"Dompteur" der Truppe ist ein alter Bekannter: Erik ten Hag leitet seit 2018 die Geschicke. Er war von 2013 bis 2015 Trainer der Bayern-Amateure. Empfohlen hatte er sich mit den Plätzen fünf und vier in zwei Saisons zwischen 2016 und 2017 mit dem FC Utrecht. Er lässt ganz klassisch im 4-3-3 spielen. 

Ten Hak der Dompteur, Overmars der Baumeister

Baumeister des Kaders ist Ex-Profi Marc Overmars. "Unsere Hauptwaffen sind unsere Philosophie und unsere Geschichte. Die Spieler kommen zu uns, um zu spielen. Wenn sie nach Madrid, Barcelona oder Manchester gehen, tun sie das wahrscheinlich nicht", sagte der sportliche Leiter dem spanischen Blatt AS. So lockt er immer noch vielversprechende Spieler wie den 16-jährigen Dänen Christian Rasmussen nach Amsterdam. Auch an Reals ewigem Talent Martin Ödegaard soll Ajax interessiert sein.

Er müsse heute schneller sein als andere, so Overmars: "Entdecken, überzeugen und sie unter Vertrag nehmen", sagte er. Und stellte klar: "Ein 16-jähriger Spieler darf kein Millionär sein, ohne überhaupt einen Einsatz gehabt zu haben."

Overmars weiß aber, dass er seine Jungstars nicht mehr dauerhaft halten kann. De Jong spült im Sommer durch seinen Wechsel zum FC Barcelona zum Beispiel 75 Millionen Euro in die Kassen. De Ligt könnte der nächste sein, der geht. Neben Juventus Turin und dem FC Barcelona gilt auch der FC Bayern als Interessent.

Junges Ajax-Team hat alle Chancen

Was ist denn drin für die jungen Wilden in dieser Saison, nach der sensationellen und furchtlosen Erstürmung des Bernabeu?

Theoretisch alles, auch wenn eine junge Mannschaft immer auch Schwankungen unterliegt. Doch an guten Tagen sind Zauber-Kunststücke und Gala-Abende wie in Madrid ohne Frage möglich. Und die können ein Team durch einen ganzen Wettbewerb tragen. Können den Reifeprozess ein wenig beschleunigen, als Triebfeder für ein Husarenstück dienen, für ein Happy End in der Saga des ewigen Aufbegehrens des Underdogs im Konzert der Großen.

Klar ist aber auch: Ganz unromantisch werden bei den Topklubs die Begehrlichkeiten mit jedem Sieg wohl noch größer als sie es sowieso schon sind. Der nächste Verkauf kommt bestimmt.

Overmars verdeutlicht mit ein paar Zahlen dann auch den grundsätzlichen Unterschied zu den Großen. "Mein Budget für das erste Team, die zweite Mannschaft und die Jugend liegt bei 28 Millionen Euro", sagte der 45-Jährige.

Real-Superstar Gareth Bale alleine verdient 30 Millionen. 

Ein Vergleich, der auch Cruyff ganz sicher gefallen hätte.

Andreas Reiners

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