Borussia Dortmund gewann zuletzt 5:2 in Berlin. - Bildquelle: gettyBorussia Dortmund gewann zuletzt 5:2 in Berlin. © getty

Dortmund/München - Es war ein rundum gelungenes Wochenende für Borussia Dortmund. Erst patzte am Samstag nach und nach die Konkurrenz (Bayern und Leipzig), während der BVB in Halbzeit zwei über die Berliner Hertha hinwegfegte.

Das große Versprechen Youssoufa Moukoko schnupperte erstmals Profiluft und zusätzlich prasselte ein kleiner Geldregen auf die Borussia nieder. Der FC Barcelona überwies die nächste Rate für Ousmane Dembele, jenes große BVB-Talent, das sich vor mehr als drei Jahren auf perfide Weise wegstreikte. 

Fünf Millionen Euro gingen auf das Konto von Schwarz-Gelb ein - in Corona-Zeiten angesichts der hohen Verluste durch fehlende Zuschauereinnahmen eine willkommene Überweisung.

Vor dem Champions-League-Spiel gegen den FC Brügge (am Dienstag ab 21 Uhr im ran.de-Liveticker) ist vieles im Lot beim BVB.

Daran ändert auch die 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern München kurz vor der Länderspielpause nichts, weil Dortmund auf Augenhöhe war mit der derzeit wohl besten Vereinsmannschaft der Welt, in einem herausragenden Fußballspiel. 

Enorme Auswahl in der Offensive

Gegen Berlin legte Dortmund eine hinreißende zweite Halbzeit hin, garniert mit vier Treffern von Erling Haaland, dem jetzt jüngsten Viererpacker der Bundesliga-Geschichte. Läuft der BVB heiß, spielt er den aufregendsten Fußball in Deutschland.

Offensiv hat Trainer Lucien Favre eine enorme Auswahl zur Verfügung. Haaland, Marco Reus, Jadon Sancho, Giovanni Reina, Julian Brandt, Thorgan Hazard und neuerdings eben auch Moukoko. Die Dortmunder bestätigten am Montag, dass Moukoko über die Nachrücker-Liste für die Champions League gemeldet wurde. 

Ob der 16-Jährige auch gegen Brügge im Kader stehen wird, ließ Favre am Montag offen: "Wir sind vorne so viele und haben viele Möglichkeiten." Eine davon ist Sancho, der in Berlin 90 Minuten auf der Bank saß. "Wir haben uns am Samstag für die Frische entschieden", begründete Favre seinen Verzicht auf Sancho, der mit der englischen Nationalmannschaft unterwegs war. 

Mit seinem Rotationsprinzip gelingt es Favre derzeit, seine Stars bei Laune zu halten. Jeder bekommt seine Chance, angesichts der Flut an Spielen sind Wechsel in der Startelf auch alternativlos. "Wir werden weiter rotieren. Denn es ist fast unmöglich, dass jemand alle zehn Spiele machen kann, die in dieser Phase anstehen. Das gelingt vielleicht drei oder vier Spielern", sagt Favre.

Favre verändert sein System

In den letzten sieben Pflichtspielen bot Favre nur zweimal die gleiche Offensivformation auf, ohne an Qualität einzubüßen. Sexy Fußball hat der BVB auch in der vergangenen Saison gespielt, bekam die PS aber nie konstant auf die Straße. Immer wieder fiel Dortmund in ein unerklärliches Leistungstief, konstante Leistungen über mehrere Spiele am Stück waren extrem selten. 

Das ist in dieser Spielzeit anders. Das einzige richtig schlechte Spiel war das zum Champions-League-Auftakt bei Lazio Rom. Favre nahm diese Pleite Mitte Oktober zum Anlass, über sein System nachzudenken. Er wandte sich von der Dreierkette ab und ließ in den darauffolgenden fünf Partien im 4-2-3-1 spielen. Vier Spiele gewann Dortmund ohne Gegentor, nur gegen die Bayern gab's drei Stück. 

In den bisherigen zwölf Pflichtspielen in der laufenden Saison spielte Dortmund bereits siebenmal zu Null, zum gleichen Zeitpunkt der Saison 2019/20 war dies nur dreimal gelungen. "Wir können Dreier- und Viererkette spielen und im Spiel auch variieren. Momentan fühlen wir uns mit der Viererkette aber wohler", sagte Torhüter Roman Bürki.

Favre verdient mehr Wertschätzung 

Die Abwehr war lange die Achillesferse des BVB, doch auch in diesem Mannschaftsteil hat sich etwas zum Positiven entwickelt. Mats Hummels spielt eine bislang starke Saison und glänzt sogar als Torjäger (drei Treffer in der Bundesliga).

Emre Can gab gegen Berlin ein überzeugendes Comeback nach überstandener Corona-Erkrankung und mit Dan-Axel Zagadou ist ein weiterer Innenverteidiger nach auskurierter Knieverletzung vor gut einer Woche wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Favre rechnet damit, dass Zagadou noch vor Weihnachten wieder spielen wird. 

Dortmund befindet sich in einer sehr guten Ausgangsposition für die anstrengenden Wochen bis Jahresende. Die Mannschaft wirkt gefestigter als in der letzten Saison, eine schwache erste Halbzeit wie in Berlin wirft nicht gleich alles über den Haufen.

Es liegt nun am BVB selbst, dauerhaft sexy zu sein. Das Potential ist im Übermaß vorhanden, der Traum von einem Titel in dieser Saison nicht unrealistisch.

Und es ist Lucien Favre zu wünschen, dass seine Arbeit in Dortmund endlich auch die Wertschätzung bekommt, die er verdient. Der Trainer hat beim BVB nachhaltig bewiesen, dass er vor allem Talente entwickeln und besser machen kann. Die Dortmunder haben sich für den Weg mit vielen jungen hoch veranlagten Spielern entschieden und dafür ist Favre genau der richtige Mann. Abgesehen davon hat der Schweizer den besten Punkteschnitt aller Dortmunder Trainer in der Bundesliga (2,13). 

Borussia Dortmund in der Saison 2020/21 - es kann Großes entstehen.

Thomas Gaber

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