Ist mit zwei Toren der überragende Mann gegen Inter Mailand: Achraf Hakimi. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesIst mit zwei Toren der überragende Mann gegen Inter Mailand: Achraf Hakimi. © 2019 Getty Images

München/Dortmund - Es ist über einen Monat her. Aber dennoch zieht es sich bei Borussia Dortmund seither von einem Spiel zum nächsten.

Gewinnt der BVB, ist alles gut. Aber es ist nur selten gut in den vergangenen Wochen.

Wenn nicht, stellt sie sich wieder - die Mentalitätsfrage.

 

Mit dem 3:2 gegen Inter Mailand sollte sie nun aber beantwortet sein, ein für alle Mal. Denn die Mannen von Trainer Lucien Favre zeigen, dass sie kein Problem mit Mentalität, Einstellung, Gier zu siegen hat.

"Wir haben klasse Moral bewiesen", sagt Sebastian Kehl, Leiter Lizenzspielerabteilung beim BVB, bei "DAZN" und 2:2-Torschütze Julian Brandt fügt hinzu: "Unsere Reaktion war absoluter Wahnsinn. Das fühlt sich brutal gut an."

Ein Abend, wie Zuschauer ihn lieben

Von selten gut zu brutal gut - der BVB meistert die Widerstände seit jenen späten Ausgleichen Ende September mit beeindruckender Manier in den vergangenen drei Spielen.

In Mailand waren die Dortmunder noch taktisch vorgeführt, ausgecoacht und gefühlt chancenlos untergegangen. Jetzt im Rückspiel fast alles anders.

Zumindest in der zweiten Hälfte. Der BVB presst, lässt Inter gar nicht aus der eigenen Hälfte, nutzt die Räume über die Außen gegen die tief stehenden Italiener und entscheidet auch die wichtigen Zweikämpfe für sich.

"Nach der Pause war es großartig, wie wir gespielt haben. So einen Abend lieben natürlich die Zuschauer", lobt auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei "Sky" seine Mannschaft.

Inter nutzt Dortmunder Fehler

In Hälfte eins ist dem noch anders.

Die Italiener nutzen die Fehler der Dortmunder eiskalt, gehen durch Lautaro Martinez nach einem Ausrutscher von Manuel Akanji und einem daraus resultierenden Stellungsfehler von Mats Hummels bereits früh in Führung.

Inter kann folgend sein Spiel spielen. Abwartend, den BVB kommen lassen, die wichtigen Zweikämpfe gewinnen und dann wieder eiskalt zuschlagen. Und genau nach dem Prinzip fällt das 0:2.

Alles droht den üblichen Gang zu gehen.

Überragender Achraf Hakimi

Im zweiten Durchgang aber ein völlig verändertes Bild.

"Fußballerisch wollten wir so weitermachen, aber mehr Druck aufs Tor entwickeln. Dass das so beeindruckend klappt, hätte ich jetzt auch nicht unbedingt geahnt", meint Hummels, "Wir haben Inter keine Luft zum Atmen gelassen."

Und genau so fallen die Tore. Nach einem Fehlpass von Antonio Candreva erobert der überragende Achraf Hakimi den Ball im Zentrum, über außen kommt der Ball wieder zum durchgestarteten Hakimi - nur noch 1:2.

Vor dem 2:2 luchst der gerade eingewechselte Paco Alcacer bei Einwurf Inter mit seiner ersten Ballberührung dem Mailänder Verteidiger den Ball ab, bedient Brandt, der aus spitzem Winkel überlegt einschiebt.

Und dann wieder Hakimi. "Achraf war unser Mann. Auch in der ersten Halbzeit schon. Er hat ein sensationelles Spiel gemacht. Großartig", lobt Kehl den Matchwinner.

Wieder fällt das Tor über außen, überspielen die Dortmunder mit einem Doppelpass zwischen Hakimi und Jadon Sancho die tiefstehenden Mailänder.

Großes Lob auch von Trainer Favre: "Er war überall. Er spürt die Situation."

Favre nicht ganz zufrieden

Allerdings zeigt sich Favre auch nach dem Abpfiff nicht ganz zufrieden. Vor allem das 0:2 lässt ihn nicht los. "Wir sagen vor dem Spiel: Aufpassen auf Brozovic, er macht das Spiel." Aber dann geht der kroatische Vizeweltmeister durch drei Dortmunder durch, leitet so den zweiten Gegentreffer ein.

"Wir haben dann besser gepresst, um die Konter zu vermeiden", sagt Favre und sieht so das Gegentor als warnendes Beispiel.

Auch Kehl sieht das so. "Wir haben es in der ersten Halbzeit in Phasen nicht so schlecht gemacht, zwei doofe Konter kassiert, bisschen blöd angestellt", sagt er.

"Aber was die Mannschaft in der zweiten Hälfte angestellt hat ... großes Kompliment, das tut uns in der jetzigen Situation sehr, sehr gut."

 

Duell mit FC Bayern steht an

Zumal nun auch das Duell mit dem angeschlagenen FC Bayern am Samstag auf die Dortmunder wartet.

Gerade für BVB-Rückkehrer Hummels wird es ein besonderes Spiel. Und der letztjährige FCB-Spieler weiß, worauf es in München ankommt.

"Wenn ich das aus meiner letztjährigen Bayern-Sicht sagen darf: Letztes Jahr hat der BVB nicht dagegenhalten beim 5:0. Von Anfang an hatten wir als Bayern das Gefühl, dass wir gewinnen werden."

Alles eine Frage der Entwicklung

Dies gilt es nun umzudrehen. Dabei soll eine Leistung wie die in der zweiten Halbzeit gegen Inter helfen. Nur diesmal über 90 Minuten.

Aber warum klappt das nicht?

Brandt: "Wir stecken stückweise noch in der Entwicklung. Es passt noch nicht alles. Aber die Reaktion hat gezeigt, dass wir es können. Wir müssen das nur über mehr als 45 Minuten durchhalten, aber ich bin mir sicher, dass das noch kommen wird."

Alles also eine Frage der Entwicklung. Und nicht der Mentalität.

Rainer Nachtwey

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