Benjamin Auer (re.) bestritt in Mainz einst 128 Pflichtspiele unter Jürgen K... - Bildquelle: imago/ContrastBenjamin Auer (re.) bestritt in Mainz einst 128 Pflichtspiele unter Jürgen Klopp (li.). © imago/Contrast

München - Benjamin Auer spielte zwischen 2002 und 2006 für den 1. FSV Mainz 05. 128 Pflichtspiele absolvierte Auer in dieser Zeit unter Jürgen Klopp als Trainer.

Am Samstag drückt Auer seinem ehemaligen Coach beim Champions-League-Finale des FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur (ab 20:30 Uhr im Liveticker auf ran.de) fest die Daumen, dass es endlich klappt mit seinem ersten Titel bei den "Reds". Im Interview mit ran.de spricht der 38 Jahre alte Ex-Profi über Klopp, dessen Talent als Motivator und Ex-Mitspieler Marco Rose.

ran.de: Herr Auer, Sie spielten vier Jahre unter Jürgen Klopp bei Mainz 05. Wie haben Sie ihn persönlich als Trainer erlebt?

Benjamin Auer: Ich kam damals als junger Spieler aus Mönchengladbach nach Mainz und bei Kloppo war direkt alles anders, wie ich es bis dahin unter Hans Meyer kannte. Jürgen war mit allen Spielern per Du und hat mit lockeren Sprüchen und kleinen Späßen immer für eine sehr lockere Atmosphäre gesorgt. Er hatte zu jeder Zeit ein offenes Ohr für Dich.

ran.de: Er gilt als großer Motivator. Können Sie das bestätigen?

Auer: Er kommt definitiv sehr über die Motivationsschiene. Er hat dieses unglaubliche Talent Spieler auf den Punkt zu motivieren und heiß zu machen. Er schafft es im richtigen Moment die richtigen Worte zu finden, das war damals in Mainz so und wenn man Spiele wie vor Kurzem gegen Barcelona sieht, gelingt ihm das noch immer. Er ist ein großer Trainer und zu einem großen Trainer gehört der größte Titel. Ich gönne es ihm von Herzen und kenne keinen, der den Titel mehr verdient als er.

ran.de: Im vergangenen Jahr hat er das Finale verloren, dennoch herrscht in Liverpool eine unglaubliche Euphorie.

Auer: Man kann schon sagen, dass er aus Niederlagen oder Rückschlägen eine enorme Kraft zieht, um einen noch größeren Hype zu entfachen. Ich erinnere mich daran, als wir damals mit Mainz am letzten Spieltag den Aufstieg in die Bundesliga knapp verpasst hatten. Es war bereits das zweite Mal, dass der Verein den Aufstieg knapp verpasst hatte. Kloppo wandelte mit seiner Ausstrahlung und Ansprache an die Fans auf dem Balkon des Mainzer Marktplatzes die Enttäuschung in Motivation und pushte nicht nur uns Spieler. In der Stadt herrschte von da an eine riesige, vorher nicht gekannte Euphorie. Kloppo hat es geschafft, mit seiner Art Mainz 05 das Image der grauen Maus nehmen.

ran.de: Wie bereitet sich Klopp auf solche besonderen Spiele vor?

Auer: Ich habe ihn so kennengelernt, dass er auch vor großen Spielen in sich ruht. Er wird sich mit Sicherheit nochmal die letzten Spiele von Tottenham anschauen und die auch die beiden Saisonspiele genau analysieren, um daraus seine Schlüsse zu ziehen. Dann wird er sich auf seinem Anwesen seine Gedanken machen, wie er die Jungs gepusht bekommt. So wie es ihm in den letzten Wochen auch gelungen ist.

ran.de: Können Sie sich an einen besonders lustiges Erlebnis mit Klopp erinnern?

Auer: Ich kann mich gut an mein erstes Auswärtsspiel in Burghausen erinnern, wo es zu einem lustigen Erlebnis kam, das ich so vorher nicht kannte. Wir waren mit dem Bus unterwegs, nach über vier Stunden haben wir eine Pause eingelegt und ein paar Spieler haben die Pause genutzt, um eine Zigarette zu rauchen. Jeder andere Trainer, den ich bis dato kannte, hätte die Jungs wohl sofort aus dem Kader gestrichen. Kloppo hat sich dazu gestellt und dann mitgeraucht. Das Ganze ist natürlich schon einige Jahre her, inzwischen hat er dazu möglicherweise auch eine andere Einstellung. Aber damals war sein Umgang damit als junger Trainer sehr entspannt.

ran.de: Kommen wir zu einem anderen ehemaligen Mitspieler, Marco Rose. Der arbeitet ab Sommer als Bundesliga-Trainer. Eine gute Wahl ihres Ex-Klubs Mönchengladbach auf ihn zu setzen?

Auer: Rosi hat ja in den vergangenen Jahren in Salzburg gezeigt, dass er ein Guter ist. Ich habe ihm schon zu Spielerzeiten den Part als Trainer immer zugetraut. Er ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse und konnte sicher auch durch die Zusammenarbeit mit großen Trainern wie Jürgen Klopp oder Ralf Rangnick einiges für seine Trainer-Karriere mitnehmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass er auch als Trainer in der Bundesliga erfolgreich sein wird.

ran.de: Haben sie selbst einmal über eine Karriere als Trainer nachgedacht?

Auer: Die Frage kann ich klar mit Nein beantworten! Ich genieße es derzeit, in meiner Heimat sesshaft zu sein. Seit meinem 15. Lebensjahr bin ich durch den Fußball viel gereist. Ich betreibe zwei Fitnessstudios in meiner Heimat, der Südpfalz. Daran habe ich eine Menge Spaß.

Das Interview führte Lukas Hiegle

Du willst die wichtigsten Fußball-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein unter http://tiny.cc/ran-whatsapp

Champions League Live

Halbfinale