Julian Weigl zählt bei Benfica Lissabon zu den Stammspielern. - Bildquelle: Imago ImagesJulian Weigl zählt bei Benfica Lissabon zu den Stammspielern. © Imago Images

Lissabon/München - Die Karriere eines Profifußballers kann manchmal auch einer Achterbahnfahrt gleichen. 

Mal geht es bergauf, mal bergab. Mal spielt man, mal spielt man nicht. Und mal sitzt man auch einfach auf der Bank und fragt sich, was eigentlich gerade los ist. 

Julian Weigl kann ein Lied davon singen. 

Seit Januar 2020 steht der Ex-Dortmunder beim portugiesischen Spitzenklub Benfica Lissabon unter Vertrag. Turbulente eineinhalb Jahre, in denen Weigl zwischenzeitlich schon wieder so gut wie weg war und jetzt doch zum unangefochtenen Stammpersonal zählt. 

Kampfansage nach München: Weigl warnt die Bayern

Vor dem Champions-League-Hammer gegen den FC Bayern München (Mittwoch, ab 21 Uhr im Liveticker auf ran.de) sieht sich der 26-Jährige daher längst als Leader und Sprachrohr der Mannschaft.

Gegenüber dem "kicker" formuliert er unverblümt eine waschechte Kampfansage in Richtung Säbener Straße: "Man sollte gegen uns immer die Antennen ausgefahren haben. Es ist gegen uns schwer Tore zu schießen, wir sind nicht einfach auszurechnen und können schnell umschalten. Dazu wird die Atmosphäre für sie unangenehm sein, uns wiederum gibt sie einen Push." 

Wie das enden kann, erlebte der taumelnde FC Barcelona vor einigen Wochen hautnah. In Lissabon kam die Blaugrana mit 0:3 unter die Räder - auch deshalb ist die Ausgangslage vor dem dritten Spieltag der Gruppe E durchaus interessant. 

Benfica peilt erstmals seit 2016 wieder die K.O.-Runde der Champions League an. Damals war im Achtelfinale gegen Borussia Dortmund Endstation - Julian Weigl stand in beiden Spielen 90 Minuten auf dem Platz. Damals allerdings noch für den BVB. 

Nach fünf Jahren in Dortmund war der Ofen aus

Seitdem ist viel passiert in der Karriere des gebürtigen Bad Aiblingers. Weigl reifte in fünf Jahren Borussia Dortmund zu einem gefragten Mann auf der Position des "Sechsers", ausgebildet wurde der Rechtsfuß beim TSV 1860 München. 

Doch irgendwann passte es nicht mehr. Weigl bekam unter Lucian Favre kaum Einsatzzeit, wenn doch, dann hauptsächlich weil Axel Witsel oder Thomas Delaney verletzt ausfielen. 

Ein Wechsel zu Paris St. Germain und dem damaligen Trainer Thomas Tuchel stand im Raum, es wurde dann aber doch Benfica. Es war, so sagt Weigl heute, die richtige Entscheidung: "Ich bin überzeugt, den richtigen Schritt gemacht zu haben. Jetzt, wo wir in der Champions League spielen, sehen diese Leute vielleicht auch, wie groß dieser Klub ist und wie schwer wir es den Gegnern machen. Ich habe es nicht einen Tag bereut, hierhergekommen zu sein."

Turbulente Anfangszeit in Lissabon

Unter Trainer Bruno Lage war Weigl anfangs Stammspieler. Zufrieden konnte er oder viel besser gesagt der Klub selbst, aber nicht sein. Denn zur Winterpause, als der Deutsche in Lissabon ankam, war Benfica noch Tabellenerster. Aus sieben Punkten Vorsprung wurden in der Rückrunde aber fünf Punkte Rückstand auf Meister Porto. Keine Titel - trotz bester Ausgangslage. 

"Natürlich gab es damals Kritik an mir, die ich auch verstehen konnte. Ich habe das Team, aus Fansicht betrachtet, ja nicht besser gemacht. Aber ich habe versucht, mich durchzubeißen, anstatt schnell wieder wegzugehen", schätzt Weigl rückblickend ein. 

Einfacher wurde es dennoch nicht. Im Gegenteil: Neu-Trainer Jorge Jesus wusste anfangs nichts mit Weigl anzufangen, seine Einsatzminuten sanken und ein erneuter Wechsel im Winter 2021 war plötzlich wieder Thema. 

Fans zeichnen Weigl als Spieler der Saison aus

Doch Weigl biss sich durch und spielte sich zurück in die Startelf. Trainer Jesus lobte vor einigen Monaten: "Julian Weigl ist einer der Spieler, die sich seit meiner Ankunft am meisten weiterentwickelt haben."  

Weigl selbst sagt: "Ich habe die Fehler damals zunächst bei anderen gesucht. Aber dann habe ich den Schalter umgelegt und mich entwickelt. Als ich dann hereinkam, habe ich es gut gemacht und mir meinen Platz zurückerkämpft. In dieser Zeit ist die gegenseitige Wertschätzung sehr gewachsen."

Letztendlich wurde Benfica hinter Porto und Meister Sporting Lissabon nur Tabellendritter, von den Fans bekam Weigl jedoch die Auszeichnung "Spieler der Saison". 

Nächster Schritt: Rückkehr in die Nationalelf?

Während Benfica in diesem Jahr also einen neuen Anlauf hin zum 38 (!) Meistertitel startet, schielt Weigl nach zuletzt konstant guten Leistungen auch auf die Nationalelf. 

Die Voraussetzungen seien gegeben, auch wenn der Mittelfeldspieler weiß: "Die Konkurrenz ist groß. Aber ich traue es mir zu." Zwischen Mai 2016 und März 2017 lief er insgesamt fünfmal für die DFB-Elf auf. 

Zunächst warten aber erst einmal die Bayern. In der Champions League. Die ganz große Bühne.

Die Münchener indes sollten auf Weigl hören. Es gilt, besser mal die Antennen auszufahren. 

Timo Nicklaus 

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