Guardiola und ManCity kommen in der Liga einfach nicht in Tritt - Bildquelle: 2020 Getty ImagesGuardiola und ManCity kommen in der Liga einfach nicht in Tritt © 2020 Getty Images

München - Hopp in der Premier League, topp in der Königsklasse - so könnte man die Saison von Manchester City bislang zusammenfassen.

Doch welches ist das wahre Gesicht des Pep-Klubs? Und wo liegen die Gründe für die Leistungsschwankungen?

Stand jetzt war die Champions League bis dato ein Spaziergang für Pep Guardiola und seine milliardenschwere Truppe. 3:1 gegen den FC Porto, 3:0 bei Olympique Marseille, 3:0 gegen Olympiakos Piräus - Auftritte auf der großen internationalen Bühne ganz nach dem Geschmack des erfolgsverwöhnten Trainers.

Im Rückspiel bei Piräus am Mittwoch (ab 18.55 Uhr im Liveticker auf ran.de) soll es genau so weitergehen. 

Beim Blick auf die Premier-League-Tabelle dürfte sich Guardiolas Miene jedoch schlagartig verdüstern: Zwölf Punkte nach acht Spieltagen, eine negative Torbilanz und Platz 13 markieren den schlechtesten Saisonstart der "Skyblues" seit Scheich Mansour im September 2008 die Geldschleusen über dem Etihad Stadion geöffnet hatte.

Auch für Guardiola ist es der schlechteste Saisonstart in seiner Trainerlaufbahn. Selbsterklärend. Darunter ein peinliches 2:5 gegen Leicester City, ein 1:1 gegen Aufsteiger Leeds und zuletzt das besonders schmerzhafte 0:2 bei Tottenham Hotspur und Erzrivale Jose Mourinho.

Zahnlose City-Offensive

Dabei verzeichneten die Spurs gerade einmal 34 Prozent Ballbesitz. "Es war das ideale Szenario für sie. Wir kriegen das frühe Gegentor nach fünf Minuten. Und danach verteidigen sie so tief, dass die Räume minimal waren", analysierte ein frustrierter Guardiola die Niederlage.

Die englischen Medien priesen Mourinho für seine taktische Meisterleistung, die eklatante Schwächen im City-Spiel zu Tage brachte.

Beispielsweise die vergeblichen Offensivbemühungen. 22 Mal nahmen die "Skyblues" Anlauf, um zum Torerfolg zu kommen. 22 Mal scheiterten sie. Zehn Treffer stehen in der Liga bislang zu Buche, so wenig wie zuletzt vor 14 Jahren. Im Vergleich: Tabellenführer Tottenham kommt auf 21.

Guardiola will offenbar Kane

Kein Wunder, dass in Manchester prompt der Ruf nach offensiver Verstärkung laut wird. Lionel Messi am liebsten.

Oder realistischer: Spurs-Knipser Harry Kane oder Benfica-Stürmer Darwin Nunez. Laut einem Bericht des "Independent" hat es Guardiola auch Offensiv-Allrounder Jack Grealish von Aston Villa angetan. Der 25-Jährige, der im Verein auf dem linken Flügel und in der Nationalmannschaft im offensiven Mittelfeld agiert, hatte in dieser Saison vor allem beim 7:2 gegen Meister Liverpool überzeugt.

Im Sommer hatte City seinen Kader im Sturm zwar mit Ferran Torres verstärkt. Doch auch wenn der junge Spanier zuletzt Deutschland in der Nations League in seine Einzelteile zerlegte und auch in der Champions League schon dreimal traf, in der Premier League wartet Torres noch auf seinen ersten Torerfolg.

Saft- und kraftlos wegen Corona

Guardiola kritisierte aber vor allem die Konteranfälligkeit seiner Mannschaft, die sich in dieser Saison immer wieder eiskalt erwischen lässt. "Wir dürfen solche Treffer nicht zulassen", warnte er vor zu behäbigem Umschaltspiel.

Als Begründung bemühte der Trainer die Coronakrise. "Ich versuche, alles von meinen Spielern zu verlangen, aber für Menschen gibt es ein Limit. So ist es. In einem Wettbewerb zu spielen, ist völlig in Ordnung. Das überleben wir. Aber dafür, dass wir alle drei Tage spielen, hatten wir einfach nicht genügend Vorbereitungszeit", beklagte der Trainer bereits im Oktober.

"Wir haben Probleme wegen der vielen Verletzungen, der mangelnden Vorbereitung und der fehlenden Erholungszeit zwischen den unglaublich harten Spielen."

Tatsächlich ist der Rhythmus für die Top-Mannschaften mit Dreifachbelastung aus Meisterschaft, Pokal und Champions League mörderisch. Auch Liverpools Trainer Jürgen Klopp monierte am Wochenende den straffen Zeitplan, in dem Spiele nahezu alle drei Tage angesetzt sind.

De Bruyne fordert mehr Rotation

Zweifelsohne ist die Verletzungsmisere, die aktuell viele Klubs belastet, eine Folge dessen. Auch Citys Lazarett war in dieser Saison zwischenzeitlich so gefüllt, dass Guardiola Jugendspieler auf die Bank setzte, um überhaupt den Kader füllen zu können.

De Bruyne, Laporte, Ake, Mendy, Jesus, Aguero, Stones, Zinchenko, Gündogan - jeder dieser Spieler fehlte verletzungs- oder krankheitsbedingt bereits im Verlauf der Saison mindestens ein Spiel, in der Regel länger. Oft wegen muskulärer Probleme - ein deutliches Indiz für Überbelastung.

Kevin De Bruyne, der bis auf zwei Ausnahmen jedes Spiel bestritt, forderte zuletzt mehr Rotation. "Ich hoffe, einige unserer Spieler sind bald wieder fit und wir haben die Chance zu rotieren. Das ist dringend notwendig, wenn man so viele Spiele hat", sagte der Belgier der "Manchester Evening News". 

Trend der Vorsaison setzt sich fort

Den kompletten Saisonfehlstart in der Premier League mit der außergewöhnlichen Belastung zu erklären, wäre dennoch zu kurz gegriffen. Liverpool, Chelsea oder auch der FC Bayern meistern ähnliche Umstände derzeit deutlich besser.

Um Citys Schwächeperiode in der Liga bei trotzdem erfolgreicher Champions-League-Gruppenphase zu erklären, lohnt ein Blick in die vergangene Saison. Mit am Ende 18 Punkten Rückstand auf Liverpool waren die "Skyblues" im Rennen um die Meisterschaft frühzeitig chancenlos.

Schon im Dezember 2019 hatte es Kritik aus den eigenen Reihen gegeben. So mutmaßte Kyle Walker damals, die Konkurrenz hätte Manchesters Spiel-Philosophie entschlüsselt. Anfang des Jahres soll es in der City-Kabine sogar eine Revolte gegen Trainer Guardiola gegeben haben, weil dieser mit zu vielen Experimenten ein Einspielen seines Teams verhinderte.

Ein wenig erinnerte die Situation an sein letztes Jahr beim FC Barcelona. Auch da war das einst erfolgreiche Tiki-Taka an seine Grenzen gestoßen, weil sich die Gegner irgendwann darauf eingestellt hatten. Barca wurde in jenem Jahr weder Meister noch Champions-League-Sieger. Die Trennung damals - für beide Seiten eine Erleichterung.

CL-Gruppenphase nicht überbewerten

Bei City sollte sich dieses Szenario nicht wiederholen. Doch der Trend der Vorsaison setzt sich fort und Guardiola wirkt zunehmend ratlos. Dass er in der Champions-League-Gruppenphase Erfolge feiert, ist derweil kein Widerspruch.

Weder Porto, noch Marseille oder Olympiakos gehören international zur Creme de la Creme, sondern haben wohl eher das Niveau eines durchschnittlichen Bundesliga-Klubs. Hier reicht die individuelle Klasse der City-Stars noch aus, um durchzumarschieren.

Spannend wird es erst dann, wenn in der K. o.-Phase die großen Kaliber drohen. Dann lässt sich auch erst beurteilen, welchen Wert die Vertragsverlängerung hat, auf die sich Guardiola und City soeben geeinigt haben.

Es wird wohl vom wahren Gesicht der "Skyblues" in dieser Saison abhängen. 

Carolin Blüchel

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