Marc-André ter Stegen zeigt in dieser Saison spektakuläre Paraden. Hier gege... - Bildquelle: imago/ZUMA PressMarc-André ter Stegen zeigt in dieser Saison spektakuläre Paraden. Hier gegen den FC Sevilla © imago/ZUMA Press

München/Barcelona - Nach dem 3:0 des FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Liverpool huldigt die Fußballwelt Lionel Messi. Der Angreifer entschied den Abend im Camp Nou mit zwei Toren. In seinem Schatten, am anderen Ende des Feldes, erbrachte aber auch ein anderer Barca-Spieler eine herausragende Leistung: Torhüter Marc-Andre ter Stegen.

Dank des deutschen Schlussmanns stand für das Team von Trainer Ernesto Valverde die Null – wieder einmal. Bereits zum sechsten Mal in dieser Spielzeit gelang ter Stegen dieses Kunststück in der Königsklasse, kein Torhüter schaffte mehr "weiße Westen". In der ewigen Rangliste liegt er bereits auf Platz elf – zu den 34 "weißen Westen" von Oliver Kahn auf Rang acht fehlen ter Stegen nur noch zehn.

Ter Stegen verhindert den Kontrollverlust

In dieser Saison beendete der Barca-Keeper bisher 60 Prozent seiner Partien zu Null, auch das ist Spitze unter den Schlussmännern mit mehr als drei Einsätzen in der "Königsklasse". Zum Vergleich: Bayern-Torhüter und Nationalmannschafts-Konkurrent Manuel Neuer hielt in vier Einsätzen die Null, was 50 Prozent seiner Spiele entspricht.

Gegen Liverpool präsentierte ter Stegen bei zwei Paraden seine Weltklasse-Form: Der Torhüter wehrte einen kniffligen Flachschuss von Mohamed Salah ab, bei dem er blitzschnell abtauchte. Einen Schlenzer von James Milner lenkte er per Flugeinlage um den Pfosten. Es waren Aktionen, die Barcelona in der Drangphase der Engländer vor einem Kontrollverlust bewahrten und deren Wichtigkeit in Zahlen kaum zu messen ist.

Eine solche Leistung von ter Stegen ist in dieser Saison keine Rarität. Von allen Torhütern in der Königsklasse mit mindestens 15 Paraden hat der Deutsche mit 80 Prozent die zweitbeste Abwehr-Quote. Nur Inter Mailands Samir Handanovic übertrumpft das mit 82 Prozent. Manuel Neuer hielt bis zum Ausscheiden von Bayern 74 Prozent der Schüsse auf sein Tor.

Neuer und ter Stegen im Passspiel fast identisch

Nur fünf Gegentreffer kassierte ter Stegen dank dieser Leistungen bisher in der Königsklasse, Neuer musste acht Mal hinter sich greifen. Im Vergleich der beiden DFB-Torhüter zeigt sich, dass der 27-jährige Barca-Schlussmann zumindest im klassischen Torwartspiel zurzeit etwas besser unterwegs ist.

Neuer liefert trotz einer schwierigen Saison mit einigen Verletzungen aber auch sehr gute Zahlen. In 720 Champions-League-Minuten verbuchte er 23 Paraden. Ter Stegen parierte vier Bälle mehr, spielte aber auch 180 Minuten länger. Im Passspiel sind die beiden fast identisch unterwegs: 322 Pässe spielten ter Stegen und Neuer jeweils – beim Barca-Torhüter kamen 86 Prozent an, bei Neuer 85 Prozent.

Das sichere Passspiel ter Stegens ist ein wichtiger Faktor, warum er so gut zur Philosophie von Barca passt. Dort wird Messi nach dem Halbfinal-Hinspiel zwar gottgleich verehrt, doch auch ter Stegen erfährt immer wieder große Wertschätzung. Die Sportzeitung "Marca" bezeichnete ihn kürzlich erst als "Messi mit Handschuhen". Ein größeres Kompliment ist in der katalanischen Hauptstadt nicht möglich.

Tim Brack

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