Jindrich Trpisovsky hat sich seinen Erfolg als Trainer hart erarbeitet - Bildquelle: imago images/CTK PhotoJindrich Trpisovsky hat sich seinen Erfolg als Trainer hart erarbeitet © imago images/CTK Photo

Prag / München - Wenn Jindrich Trpisovsky heute im Spiel gegen Borussia Dortmund (18:55 Uhr im Liveticker auf ran.de) auf der Trainerbank seinen Platz einnimmt, dürfte es sich für den 43-Jährigen so anfühlen, als würde ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Von frühester Kindheit an hat er nämlich ein Herz für den BVB.

Zuerst einfach nur deshalb, weil er die gelbschwarzen Trikots so schön fand. Im Jahre 1997, als Borussia Dortmund die Champions League gewann, war es dann aber endgültig um ihn geschehen. "Ich habe immer noch das Tor von Lars Ricken im Kopf und die Namen Zorc, Riedle, Reuter oder Sammer", verrät er im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Dass er nun seinem Herzensverein in der Champions League gegenübersteht, gleicht einem Wunder. Der Cheftrainer von Slavia Prag hat nämlich einen ungewöhnlichen Lebenslauf. Dass er selber nie Fußballprofi war, ist in den Zeiten der modernen "Konzept-Trainer" zwar gar nicht mehr so untypisch. Wohl aber die Tatsache, dass er vor sechs Jahren noch als Kellner gearbeitet hat.

Das erste Gehalt: 700 Euro

"Meine Eltern waren beide in der Gastronomie", erzählt er im Gespräch mit dem kicker. "Ich wollte eigentlich auf ein Sportgymnasium, aber ihretwegen bin ich auf eine Hotel-Schule gegangen. Dort aber habe ich unter der Bank lieber Fußball-Zeitschriften gelesen. Dann suchte ich die Arbeitsstelle danach aus, dass es sich mit dem Fußball vereinbaren lässt."

Als Jugendtrainer sammelte er seine ersten Erfahrungen. Ein Freund, der einen Fußballverein in Prag-Xaverov besaß, heuerte ihn als Trainer an – erst für den Nachwuchs, später für die 1. Mannschaft. "Neben dem Fußball hatte er (der Freund, Anm.d.Red.) eine Spielothek, in der ich arbeitete", erzählt Trpisovsky. "Später, als ich bereits die sehr zeitaufwändige Trainer-A-Lizenz hatte, hat er mich auch für den Fußball bezahlt." Sein damaliges Gehalt: etwa 700 Euro.

Kaum Geld für Essen und Miete

Überhaupt war der Weg zum Champions-League-Trainer steinig. Von 2013 bis 2015 trainierte er den tschechischen Zweitligisten FK Viktoria Zizkov, hätte mit dem Fußball aber fast abgeschlossen. Der Grund: das Geld. Der Verein blieb ihm 14 Monatsgehälter schuldig. "Meine Freundin und ich wussten damals nicht, ob wir Geld zum Essen und für die Miete haben würden", erinnert er sich.  

Doch es ging bergauf. Im Jahre 2015 übernahm er den erstklassigen FC Slovan Liberec und führte den Verein direkt auf Platz 3. Seit Sommer 2017 trainiert er nun den tschechischen Top-Verein Slavia Prag und feierte vergangene Saison die Meisterschaft und den Pokalsieg.

Slavia Prag ist erst zum zweiten Mal in der Champions League vertreten. Der Verein mag in der topbesetzten Gruppe mit Borussia Dortmund, dem FC Barcelona und Inter Mailand der große Underdog sein, ist allerdings ein sehr unangenehmer Gegner. Inter Mailand schrammte am ersten Spieltag nur knapp an einer Niederlage vorbei und erzielte erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer.

Stolperstein für Top-Mannschaften

Bereits vergangene Saison bewies Slavia Prag in der Europa League, dass sie mit Vereinen aus den Top-Ligen mithalten können. Im Achtelfinale schalteten die Tschehen den FC Sevilla aus. Im Viertelfinale wäre sogar der spätere Titelgewinner FC Chelsea fast an Slavia gescheitert. Dortmund ist also gewarnt. "Wir wollen das Spiel natürlich gewinnen", sagt Trpisovsky.

Auch wenn der Fokus auf dem heutigen Spiel liegt, freut er sich besonders auf das Rückspiel. Den Traum, ein Fußballspiel in Dortmund zu erleben, konnte er sich bislang nämlich nie erfüllen. "Früher hatte ich kein Geld, später keine Zeit", sagt er. Diese Probleme haben sich mittlerweile erübrigt. Im Dezember findet die Reise nach Dortmund "dienstlich" statt.

Und wieder einmal wird es sich dann so anfühlen, als würde ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen.

Oliver Jensen

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