Original und menschliches Ebenbild: Der Comicfigur "Cebolinha" wird bereits ... - Bildquelle: imago, Twitter/@Cebolinhaaa, Twitter/@ReidoSul1Original und menschliches Ebenbild: Der Comicfigur "Cebolinha" wird bereits das Gremio-Trikot von Everton übergestreift © imago, Twitter/@Cebolinhaaa, Twitter/@ReidoSul1

München - In Brasilien weiß so ziemlich jedes Kind: "Cebolinha" - das ist das Schlitzohr in grünem Hemd und schwarzen Shorts. Das Gesicht ziert stets ein freches Grinsen, den übergroßen Kopf bedecken lediglich fünf Haarsträhnen. Die omnipräsente Comicfigur ist der Liebling vieler Kids am Zuckerhut.

Mittlerweile staunen aber alle über ihren "Cebolinha" - übersetzt etwa "kleine Zwiebel". Denn bei der Copa America im fußballverrücktesten Land der Welt hat sich ein Spieler in den Vordergrund gedribbelt und geballert, der bereits liebevoll nach dem Zeichentrickhelden benannt wurde. Sein Name: Everton.

Evertons Frisur erinnert an Comicfigur "Cebolinha"

Vor dem Halbfinale gegen Erzrivale Argentinien - dem Spiel der Spiele in Südamerika - im Estadio Mineirao von Belo Horizonte (ANZEIGE: Die Copa America live und on-demand auf DAZN) ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem nur 1,74 Meter kleinen Fanliebling. Der eben an den Original-"Cebolinha" erinnert, weil er die Kopfseiten kahl rasiert hat und eine etwas wilde Haarpracht auf dem Haupt trägt.

Dabei war eben jener Everton angesichts des Starsammelsuriums in der Offensive der Selecao zu Beginn des Turniers wohl nur von den Experten so richtig beachtet worden. Immerhin stehen Nationaltrainer Tite trotz des Ausfalls von Neymar so prägende Stürmer wie Roberto Firmino vom FC Liverpool, Barcas Philippe Coutinho oder Gabriel Jesus von Manchester City zur Verfügung.

Nur 27 Minuten in ersten beiden Spielen dabei

Nicht zu vergessen natürlich David Neres, der mit Ajax Amsterdam jüngst die Champions League aufmischte und unter anderem beim FC Bayern München als Zugang gehandelt wird. Eben jener Flügelstürmer bekam denn auch zunächst den Vorzug vor Everton, der in den ersten beiden Gruppenspielen beim 3:0 über Bolivien und der Nullnummer gegen Venezuela nur insgesamt 27 Minuten mitmischen durfte.

Diese Zeit genügte Everton aber, um reichlich Werbung in eigener Sache zu betreiben. Mit dem unnachahmlichen Antritt in Richtung Zentrum sowie dem fulminanten Abschluss markierte der 23-Jährige zum Auftakt den Endstand. Im Duell mit Venezuela hatte der VAR etwas gegen einen weiteren Treffer einzuwenden.

Nationaltrainer lobt Evertons "Persönlichkeit und Effizienz"

Doch Tite war endgültig überzeugt und beorderte den einzigen Profi ohne Europa-Erfahrung in seinem Aufgebot für die abschließende Gruppenpartie gegen Bolivien in die Startelf - zum ersten Mal in Evertons neuntem Länderspiel. Er verkörpere "Persönlichkeit und Effizienz", lobte der Coach.

Dass Everton die Nationalhymne erstmals auf dem Rasen mitsingen durfte, sollte den kleinen Dribbelkünstler aus der 200.000-Einwohner-Stadt Maracanau enorm beflügeln. Beim 5:0 über teilweise hilflose Peruaner avancierte er zu einem der Hauptprotagonisten, markierte das zwischenzeitliche 3:0.

Everton geht gegen Paraguay leer aus

Spätestens da lag ihm ein ganzes Land zu Füßen. Bei der Verkündung der Startelf für das Viertelfinale gegen Paraguay schwoll der Jubel in der Arena seines Heimatvereins Gremio Porto Alegre bei keinem Namen so laut an wie bei Everton. Auch wenn er diesmal ohne Tor und beim 4:3 im Elfmeterschießen untätig blieb, stand der Aufsteiger des Turniers anschließend wieder im Fokus.

Natürlich muss er längst Fragen zu seiner nahen Zukunft beantworten. Die großen Klubs verfolgen jeden seiner Schritte auf dem Platz sehr aufmerksam. "Das ist gerade der beste Moment meines Lebens", sagte Everton nach dem Halbfinaleinzug und schob artig hinterher: "Ich muss mich weiter auf meine Aufgaben konzentrieren, darf mich nicht vom neuen Ruhm ablenken lassen."

 

Interesse offenbar aus Paris, Mailand und Manchester

Teamkollege Felipe Luis, in acht Spielzeiten bei Atletico Madrid gestählt, fiel ihm sicher unfreiwillig in den Rücken, als er feststellte: "Ich könnte ihn mir gut in Europa vorstellen. Er ist bereit dafür." Paris St. Germain, dem AC Mailand und Manchester City wurde bereits Interesse nachgesagt, laut "Independent" soll auch Manchester United um Evertons Dienste geworben haben.

Sein bis Ende des Jahres 2022 laufender Vertrag bei Gremio soll laut "El Pais" eine Ausstiegsklausel über 60 Millionen Euro beinhalten. Der Verein sei aber schon bei einem Angebot von 40 Millionen Euro gesprächsbereit.

Auch den Verantwortlichen von Gremio dürfte klar sein: Everton hat sein letztes Spiel im Trikot des Teams bereits gespielt. Zu seinem 145 Einsätzen und 37 Treffern wird mit ziemlicher Sicherheit keiner dazukommen.

Brasilien wartet seit 2013 auf einen Titel

Bevor sich Everton dann aber über den Großen Teich nach Europa wagen wird, soll er den Rekordweltmeister zum ersten Titel seit dem Triumph beim mittlerweile eingestampften Confed Cup vor sechs Jahren schießen. Gerade im eigenen Land. Denn mit seiner Unbekümmertheit und den im aktuellen Kader einzigartigen Dribbelfähigkeiten erinnert er an die guten alten Zeiten - etwa die vergangenen beiden Jahrzehnte mit insgesamt neun bedeutenden Titeln.

Doch nicht nur seine Wendigkeit und sein Speed lassen Everton im Starensemble noch ein Stück herausragen. Für den "Independent" stellt er schlicht ein "Pulverfass von Fußballer" dar - wenn er ins Rollen kommt, kann ihn eben niemand stoppen.

Lionel Messi und Co. werden es zumindest versuchen. Gut möglich, dass am Ende aber wieder das freche "Cebolinha"-Grinsen zum Vorschein kommen wird.

 

Marcus Giebel

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