East Rutherford - Lionel Messi ist kein Mann großer Worte und ein Sprücheklopfer schon gar nicht. Er lässt lieber Leistung auf dem Platz sprechen. Doch vor dem Endspiel der Copa America Centenario zwischen seinen Argentiniern und Titelverteidiger Chile ging der Mann mit dem linken Zauberfuß dann doch mal in die Offensive. "Wir müssen uns ein für allemal für die Arbeit belohnen, die wir seit einiger Zeit leisten", forderte er.

Im Klartext: es muss endlich ein Finalsieg her. Die Zeit der Enttäuschungen, der Tränen, des immer-den-anderen-beim-Jubeln-zuschauen-müssen soll heute Nacht im Metlife Stadium von East Rutherford vorbei sei. Argentinien, diese große, diese stolze Fußball-Nation, will vor den Toren von New York nach 23 langen, leidvollen Jahren, endlich die Titeltristesse beenden und die erste Meisterschaft seit 1993 gewinnen.

1993 war Argentinien zuletzt Südamerika-Meister

 

Rückblick: Es ist der 4. Juli 1993. 40.000 Zuschauer sehen im Estadio Monumental von Ecuadors größter Stadt, Guayaquil, wie Argentinien durch zwei Tore von Gabriel Batistuta Mexiko im Copa-Finale 2:1 besiegt und somit den zwei Jahre zuvor gewonnenen Titel verteidigt. Die Albiceleste ist zum 14. Mal Südamerika-Meister – und somit Rekordchampion. In Rosario spielt zu dieser Zeit ein kleiner Junge, der zehn Tage zuvor gerade sechs Jahre alt geworden ist, bei seinem ersten Fußballclub, dem Grandoli FC. Sein Name: Lionel Andres Messi Cuccitini

Am 25. Juli 2004 führt Argentinien im Copa-Endspiel in Lima gegen Brasilien 2:1. Es läuft bereits die Nachspielzeit, an der Seitenlinie stehen Trainer Marcelo Bielsa und die Auswechselspieler und sind bereit, auf's Feld zu stürmen. Doch dann trifft Adriano in der 93. Minute zum 2:2. Im Elfmeterschießen patzen Andres D'Alessandro und Gabriel Heintze – Argentinien verliert 2:4.

2004 und 2007 durfte ausgerechnet Rivale Brasilien jubeln

Drei Jahre später erneut Finale, wieder gegen Brasilien und abermals jubelt die Seleçao – diesmal nach einem 3:0-Erfolg am 15. Juli 2007 in Venezuelas Hafenstadt Maracaibo. Messi ist erstmals bei der Copa dabei, spielt aber 90 Minuten unauffällig.

4. Juli 2015: Im Estadio Nacional von Santiago heißt es bibbern, bangen, beten. Das Finale zwischen Gastgeber Chile und Argentinien endet torlos, die Entscheidung muss im Elfmeterschießen fallen. Die Chilenen verwandeln alle vier Versuche und werden durch einen 4:1-Erfolg erstmals Meister. Bei den Argentiniern trifft nur Messi vom Punkt.

2011 zieht Uruguay an Argentinien vorbei

 

Und so warten sie in Argentinien seit jenem 4. Juli 1993 weiterhin auf einen großen Titel. Erzrivale Brasilien hat seitdem viermal triumphiert und Uruguay die Argentinier durch die Turniersiege 1995 und 2011 mit nunmehr 15 Meisterschaften als Rekordgewinner abgelöst.

Und dann ist da ja noch der 13. Juli 2014 im Maracana von Rio de Janeiro gewesen. Bis zur 113. Minute steht es im Weltmeisterschafts-Finale gegen Deutschland 0:0. Dann nimmt Mario Götze eine Linksflanke von Andre Schürrle mit der Brust an und drischt den Ball volley ins Netz. Die letzte Chance zum Ausgleich vergibt Messi kurz vor Schluss, als er einen Freistoß hoch über das Tor schießt.

Maradona: "Messi ist keine Persönlichkeit"

Das einzig Vorzeigbare der Albiceleste in den vergangenen 23 Jahren sind die Olympia-Siege 2004 und 2008 – Letzterer mit Messi. Aber da bei den Sommerspielen nie die besten Fußballer dabei sind, hat eine Goldmedaille weniger Ansehen als ein WM-Titel oder der Gewinn der Copa America.

"Wir haben zwei Finals nacheinander gespielt, beide verloren und nun eine weitere Chance – jetzt wollen wir das Endspiel unbedingt gewinnen", betont Messi in Anspielung auf die Endspiele gegen Deutschland und Chile. Diego Maradona hatte noch zu Monatsbeginn verkündet, dass Messi kein Team führen könne. "Er ist eine großartige Person, aber keine Persönlichkeit", so Maradona.

"This is Messi's time to shine"

Doch Messi hat in seinen bisherigen vier Turnierspielen gezeigt, dass er Chef, Vorlagengeber und Vollstrecker zugleich sein kann. Der 29-Jährige hat fünfmal getroffen – unter anderem gelang ihm gegen Panama in nur 19 Minuten ein Hattrick. Er ähnelt bei seinen Auftritten im Argentinien-Trikot endlich jenem Messi, der mit dem FC Barcelona achtmal Spanischer Meister wurde, viermal die Copa Del Rey gewann und ebenso oft die Champion League. Und der eben aufgrund seiner Leistungen im Klub fünfmal Weltfußballer des Jahres wurde.

Diese Copa America 2016 ist das beste Turnier, das Messi im Nationaltrikot gespielt hat. Was ihm fehlt ist ein Sieg. Millionen Fans werden im Finale vor allem auf ihn schauen. Der kleine, sechsjährige Junge aus Rosario ist längst ein Weltstar geworden. Er steht im Mittelpunkt, er hat eine weitere Chance, mit Argentinien einen Titel zu gewinnen. Es gibt keine Ausreden, keine Entschuldigungen. Oder wie ESPN es treffend formulierte: "This is Messi's time to shine."

Aus den USA berichtet: Heiko Oldörp

FINALE LIVE: +++ SAT.1 & ran.de +++

Das Finale zwischen Argentinien und Chile wird am Montagmorgen, 27.06 ab 1:55 Uhr LIVE in Sat.1 und auf ran.de übertragen.

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