Pauli-Trainer Schultz war schon einmal Pokalheld. - Bildquelle: Getty ImagesPauli-Trainer Schultz war schon einmal Pokalheld. © Getty Images

München - Angefressen war St. Paulis Trainer Timo Schultz nach dem 2:2 gegen Erzgebirge Aue am Wochenende. Und das nicht nur aufgrund des ersten Punktverlustes der Saison am heimischen Millerntor.

"Unentschieden kann ich nicht so gerne haben", grummelte er nach Abpfiff. Gut, dass sich das Szenario im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund heute Abend (ab 20.45 Uhr im Liveticker auf ran.de) nicht wiederholen kann. 

Alles oder nichts ist dann die Devise.

Auf dem Papier wäre alles andere als eine Niederlage für die Hamburger eine faustdicke Überraschung. Auch wenn die Schultz-Elf nach einer hervorragenden Hinrunde im Unterhaus stabil Kurs in Richtung Bundesliga-Aufstieg hält. 

"Es ist ein attraktiver Gegner, der fast nur Nationalspieler und sogar Weltmeister in seinem Kader hat", sagte der Coach auf der Abschluss-Pressekonferenz und schickte zumindest eine kleine Kampfansage hinterher.

"Wir haben ein Heimspiel und rechnen uns schon ein bisschen aus, auch wenn wir nicht der Favorit sind." Der Zweitliga-Spitzenreiter wolle den Titelverteidiger "stressen" und "Chancen ergaunern". So der Plan.

Schultz war schon einmal Pokalheld

Die Rolle des Außenseiters kennt Schultz noch aus seiner aktiven Zeit – und sie weckt positive Erinnerungen. Gehörte er doch zu den Pokal-Helden der Saison 2005/06. Damals war St. Pauli Regionalligist und stürmte mit Siegen über die Bundesligisten Hertha BSC und Werder Bremen bis ins Halbfinale des Pokals. Erst der große FC Bayern war damals Endstation.

 

Schultz selbst trug sich im Viertelfinale gegen Bremen sogar in die Torschützenliste ein. Schnee von gestern, winkt der heutige Trainer ab. "Ich werde die Jungs nicht damit nerven, wie es früher war", wird er im "kicker" zitiert.

"Wir waren damals als Drittligist krasser Underdog und hatten eine Mannschaft, die nicht wirklich talentiert war, aber einen enormen Willen hatte."

FC St. Pauli will nicht mauern

Talent kann man der aktuellen Truppe wirklich nicht absprechen. Auch wenn der FC St. Pauli in den vergangenen drei Ligaspielen nur magere zwei Pünktchen sammelte und der Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz auf fünf Zähler zusammenschrumpfte, über weite Strecken der Hinrunde überzeugten die Kiezkicker vor allem mit ihrer Spielfreude.

Die soll auch gegen Haaland und Co. nicht auf der Strecke bleiben. "Wir werden unsere Taktik nicht grundsätzlich ändern, uns hinten reinstellen und hoffen, dass wir vorn irgendwie erfolgreich sind. Wir wollen auch Fußball spielen und unsere Stärken einbringen."

Kaum Heimvorteil: Der 12. Mann fehlt

Durch die Corona-Einschränkungen werden die Hamburger aber – anders als vor 18 Jahren – ihrer vermeintlich größten Stärke beraubt. Denn im Stadion sind nur 2000 Fans erlaubt, der Heimvorteil quasi dahin.

"Es ist unfassbar schade, dass das Millerntor nicht ausverkauft sein kann. Unsere Fans hätten richtig Alarm gemacht", so Schultz. Eben wie damals vor 18 Jahren, als die Fans erheblichen Anteil daran hatten, dass Hertha BSC im Achtelfinale in der Verlängerung niedergerungen werden konnte.

Eine Lehre aus alten Tagen hat der Trainer seiner Mannschaft dann doch mitgebeben. "Es ist von damals gut zu wissen, dass man selbst Gegner, die in einer brutalen Favoritenrolle sind, trotzdem schlagen kann."

Auch wenn es abgedroschen klingt: Der Pokal schreibt ja bekanntlich seine ganz eigenen Gesetze.

Carolin Blüchel

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