Für Thomas Müller war es der sechste Gewinn des DFB-Pokals seit 2010. - Bildquelle: 2020 Getty ImagesFür Thomas Müller war es der sechste Gewinn des DFB-Pokals seit 2010. © 2020 Getty Images

David Alaba schaut, läuft an und zirkelt den Freistoß ins Tor. Gerade einmal 16 Minuten sind am Samstagabend im DFB-Pokalfinale gespielt und ich greife zur Fernbedienung und fange an zu zappen. Denn alles läuft so, wie ich es mir vorgestellt habe. Der FC Bayern lässt Bayer Leverkusen über 90 Minuten keine Chance und holt sich nach der Meisterschaft auch völlig verdient den DFB-Pokal.

Für Bayern-Fans mag es schön anzuschauen sein, wie ihre Mannschaft sich souverän das Double sichert. Aber allen anderen Fußballfans dürfte angesichts der Überlegenheit des Rekordmeisters und Rekordpokalsiegers angst und bange werden. Denn mit spannender Abendunterhaltung hatte das Pokalfinale tatsächlich nicht viel zu tun.

Auch in der kommenden Saison wird sich an der Dominanz des FC Bayern ziemlich sicher nichts ändern. Ganz im Gegenteil, der Rekordmeister und Rekordpokalsieger ist sogar noch stärker einzuschätzen. Denn es ist ja nicht nur so, dass die Bayern quasi zum Double spazierten. Nein, ganz nebenbei sicherte sich auch noch die zweite Mannschaft die Meisterschaft in der 3. Liga. Weit vor Traditionsklubs wie Stadtrivale 1860 München oder dem 1. FC Kaiserslautern.

 

Dürfte die Reserve in die 2. Bundesliga aufsteigen, würde sie dort in der Verfassung der Rückrunde vermutlich eine gute Rolle spielen. An jungen Talenten mangelt es also nicht. Und als wäre das alles nicht genug, verpflichteten die Bayern mit Leroy Sané auch noch einen absoluten Unterschiedsspieler für ihr Mittelfeld, das ohnehin schon zu stark für die Bundesliga wirkt. Das sind nicht gerade die Nachrichten, die man mit Blick auf ein hoffentlich spannendes Titelrennen in der Saison 2020/21 gerne hört. Zumindest an der Spitze der Bundesliga droht es also langweilig zu bleiben.

Und bitte nicht ärgern liebe Bayern-Fans, dies soll keine Kritik sein. "Wer ko, der ko", heißt es in München, der Erfolg ist verdient und über die Jahre hart erarbeitet. Aber mit Blick auf die Spannung in der Liga ist die Lücke einfach zu groß, sportlich wie finanziell. Nur in der Hinrunde schien kurzzeitig so etwas wie ein echtes Titelrennen möglich, aber ein Verfolger nach dem anderen verabschiedete sich. Borussia Dortmund sprach vor der Saison von der Meisterschaft und hat am Ende satte 13 Punkte Rückstand.

RB Leipzig war - auch wenn das fast schon vergessen scheint - Herbstmeister. In der Rückrunde ging den Sachsen dann die Puste aus. Borussia Mönchengladbach war zu unkonstant und sicherte sich erst am letzten Spieltag die Champions-League-Qualifikation. Bayer Leverkusen war bei aller Klasse und Talent am Samstag mal wieder chancenlos gegen die Bayern und wird den ungeliebten Spitznamen "Vizekusen" nicht los.

Es wird sich im deutschen Fußball wohl auf Jahre hinaus nichts ändern: Erst die Bayern, dann lange nichts. Während für die Münchner eigentlich nur der nächste Champions-League-Titel eine Herausforderung sein kann, müssen sich neutrale Fußball-Fans ihren Kick anderswo holen. Am Samstag ging das zum Beispiel ganz gut beim Pokalfinale der Frauen zwischen der SGS Essen und dem VfL Wolfsburg, das tatsächlich hochspannend bis zum Elfmeterschießen war. Während der etwas mehr als 120 Minuten lag die Fernbedienung jedenfalls ganz weit weg.

Christian Stüwe

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