Timm Klose ist bei Norwich City unter Vertrag. - Bildquelle: imago images / Focus ImagesTimm Klose ist bei Norwich City unter Vertrag. © imago images / Focus Images

München/Norwich – Der Aha-Moment, der Hallo-Wach-Effekt kam auf einer Parkbank an einem See. Timm Klose war fertig. Der Alkohol. Mal wieder. 

Denn der frühere Bundesliga-Star blickt zwar auf eine erfolgreiche Karriere. Doch die verlief alles andere als gradlinig. Das verriet der 31-Jährige am Rande des "World Mental Health Day" in einer Diskussionsrunde mit U23- und Ex-Spielern seines aktuellen Premier-League-Klubs Norwich City, für den er seit 2016 spielt. 

Bei Klose, der in der Bundesliga 75 Spiele für den 1. FC Nürnberg und den VfL Wolfsburg bestritt, begannen die Probleme früh. "Ich hatte keinen Plan, was ich in meinem Leben machen wollte. Am Ende verfiel ich dem Alkohol. Ich glaube, mit 13 habe ich angefangen zu trinken", sagte Klose. Gruppenzwang, wenn man so will: "Alle meine Freunde waren etwas älter als ich. Sie haben alle getrunken und geraucht, all das ganze Zeug. Es war im Nachhinein eine schlechte Idee, aber ich habe es gemacht."

Von drei Schulen geflogen

Auch der Wechsel in die Jugend des FC Basel 2003 im Alter von 15 Jahren half dem Schweizer nicht. Er bekam Probleme in der Schule. "Ich wurde von drei Schulen geschmissen, war die meiste Zeit betrunken. Während der Schulpausen habe ich geraucht", sagte er. Klose spricht von einer "Traumwelt", in der er gelebt habe. 

Er wollte Abstand vom Fußball, fiel aber "wieder in ein schwarzes Loch". Er fing wieder an zu trinken und zu rauchen, nicht nur Zigaretten. Bis er auf eingangs erwähnter Parkbank wach wurde. "Ich hatte beinahe eine Herzattacke. Ich war alleine, als ich aufwachte. Immer noch ziemlich fertig, und dachte mir dann 'Ok, du musst was ändern.'"

Eine große Hilfe war seine heutige Frau, die er mit 16 Jahren traf. Doch die Probleme kehrten später zurück, als er sich zum Beispiel in Nürnberg mit negativen Kommentaren in den sozialen Netzwerken konfrontiert sah. Und sich "komplett abschaltete", um nicht "schwach zu wirken". Stattdessen verbrachte er halbe Nächte vor der Konsole.

Mentaltrainer hat geholfen

Schließlich hatte er genug, holte sich professionelle Hilfe. Mit seinem Mentaltrainer spricht er heute noch regelmäßig. "Es ist gut, mit einer neutralen Person zu sprechen. Jemand, der dich nicht verurteilt, dir aber auch nicht das Gefühl vermittelt 'Alles wird schon irgendwie gut werden'", so Klose.

Denn eine Karriere ist natürlich nicht immer nur weiß, aber auch nicht immer nur schwarz. Im Moment durchlebt Klose beim Aufsteiger eine schwierige Phase, er wird wegen eines Kreuzbandrisses wohl die Hinrunde ausfallen. 

Schlechte Erinnerungen kamen zurück. "Ich dachte, 'Ich bin jetzt 31', und dann siehst du so viele junge Spieler und fragst dich, ob deine Zeit schon vorbei ist. Man fängt an, an sich zu zweifeln."

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