Das Warten auf Lionel Messi: Pep Guardiolas rechter, rechter Platz ist frei ... - Bildquelle: Getty ImagesDas Warten auf Lionel Messi: Pep Guardiolas rechter, rechter Platz ist frei bei Manchester City © Getty Images

Manchester/München - Der Zeitpunkt war vermutlich nicht ganz zufällig gewählt. Am Donnerstag (19. November 2020) verkündete Manchester City, dass Teammanager Pep Guardiola seinen auslaufenden Vertrag um zwei Jahre verlängert habe.

Damit ist die vorerst wichtigste Personalie bei den "Skyblues" vor den pickepackevollen letzten Wochen des Jahres vom Tisch. Mindestens zwölfmal wird der Katalane sein Team bis Ende Dezember noch auf das Feld schicken - angefangen mit dem Gastspiel bei Jose Mourinhos Tottenham Hotspur (Sa., ab 18:30 Uhr im Liveticker auf ran.de). Und sie darauf nun vorbereiten können, ohne Fragen über seine Zukunft beantworten zu müssen.

 

Guardiola-Meldung am Tag nach Messis Hilferuf

Worauf aber wohl nicht einmal der Fokus lag, als die Klubführung mit der Meldung an die Öffentlichkeit ging. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass Guardiolas Treuebekenntnis nicht ohne Hintergedanken publik wurde, nachdem Lionel Messi am Tag zuvor in Barcelona einen weiteren Hilferuf in die Welt gesetzt hatte.

Er habe es satt, dass jedes Problem bei Barca auf seinem Rücken ausgetragen werde. Damit konterte der sechsmalige Weltfußballer die Nachfrage eines Journalisten zum Vorwurf von Antoine Griezmanns früherem Berater, Messi habe im Klub ein "Terror-Regime" aufgebaut.

Guardiola und Messi - das passte in Barcelona perfekt

Um Messis Laune ist es längst nicht mehr zum Besten bestellt, wenn er beim FC Barcelona seinen Dienst verrichtet. Das hat sich längst auch bis Manchester und natürlich darüberhinaus herumgesprochen.

So könnte der neue Vertrag für Guardiola auch als Fingerzeig in Richtung Messi gedeutet werden. Mit dem damaligen Trainernovizen hatte der Dribbelkünstler seine an Mannschaftstrophäen gemessen erfolgreichste Karriere-Phase erlebt. Was spräche da gegen ein Revival? Nun eben in Manchester.

Guardiolas frommer Wunsch als Barca-Fan

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die "Citizens" bereits im Sommer um den argentinischen Superstar buhlten. Damals war der Wunsch Messis auf eine Luftveränderung offenkundig. Letztlich stellten sich aber die Bosse um den mittlerweile zurückgetretenen Josep Maria Bartomeu quer und "la Pulga" fügte sich.

Dennoch ist längst klar, dass die einstige sportliche Traumehe nur noch eine auf Zeit sein wird. Daran sollte auch Guardiolas selbstloser Wunsch nichts ändern, den er nun kundtat: "Als Barcelona-Fan möchte ich, dass er seine Karriere dort beendet."

Guardiola will von Messis Plänen nichts wissen

Weil aber auch der Katalane weiß, dass das Fußball-Business alles andere als ein Wunschkonzert ist, schob er beinahe bedauernd hinterher: "Aber nach dieser Saison endet sein Vertrag und ich weiß nicht, was er plant." Wirklich nicht? Oder flunkert hier etwa ein Trainer, der zuletzt spürbar etwas von seinem Zauber vergangener Jahre verloren hat?

Sein Team ist recht schwerfällig in die Saison gestartet. Gut, in Champions League und Ligapokal ist alles im Lot. Aber in der Premier League läuft der mit Geld aus Abu Dhabi beinahe zum Bersten vollgepumpte Topklub der Musik hinterher.

 

Erschreckende Statistiken in der Premier League 20/21

Auf Rang zehn ging City in die Länderspielpause. Wenn auch mit einem Spiel weniger als fast alle besser positionierten Konkurrenten. Nur drei von sieben Partien wurden gewonnen. Fast noch erschreckender: Nur zweimal erzielte das Guardiola-Team mehr als ein Tor. Übrigens in den ersten beiden Begegnungen.

Zerlegte die Mannschaft des Tikitaka-Erfinders die Gegner in den vergangenen Jahren noch nach Belieben, wird jetzt eher Hausmannskost angeboten. In den ersten drei Pep-Jahren schloss ManCity einen Spieltag nie schlechter als auf Platz fünf ab, diesmal war Rang sieben bislang das höchste der Gefühle.

Fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Leicester

Trösten kann da immerhin, dass alle Großen schon gepatzt haben. Plötzlich mischen oben Fast-Absteiger Aston Villa und der von Ralph Hasenhüttl trainierte Mittelklasseklub FC Southampton mit. Dazu verströmt Leicester City wieder einen Hauch des Spirits von 2016, der damalige Sensationsmeister grüßt von der Spitze.

Noch ist also nichts verloren. Der Rückstand auf die "Foxes" beträgt fünf Zähler. Deshalb kann die Vertragsverlängerung natürlich auch verstanden werden als Zeichen: Wir stehen zu dem Trainer, er wird diese Delle ohne Zweifel meistern.

Warme Worte vom City-Boss - auch ohne CL-Titel

Klub-Boss Khaldoon Khalifa Al Mubarak lobte in der offiziellen Mitteilung Guardiolas "Leidenschaft und den intelligenten Ansatz", der Trainer habe "entscheidenden Einfluss auf unseren Erfolg". Warme Worte. Die gerade angesichts des sich immer rasanter drehenden Trainerkarussells nicht hoch genug zu bewerten sind.

Immerhin hat Guardiola mit dem Klub schon acht Titel angesammelt. Das ganz große Ziel aber - wie schon in seiner Zeit in München - bislang deutlich verfehlt: Dem Henkelpott kam er noch nicht einmal nahe. Stand der frühere Mittelfeldstratege mit den Bayern noch dreimal im Halbfinale der Champions League, war mit den Engländern spätestens im Viertelfinale Schluss.

Guardiola seit neun Jahren auf der Jagd nach Henkelpott Nummer drei

Und die Königsklasse ist eigentlich die einzige Währung, mit der Trainer eines Kalibers Guardiola wirklich rechnen. Doch seit mittlerweile neun Jahren wartet der 49-Jährige, der schon in seinen ersten Spielzeiten zur Trainerlegende aufstieg, auf Triumph Nummer drei. Womöglich ist der erst mit Messi greifbar.

Die nötige Zeit, um das zu beweisen, hätten Guardiola und die Klub-Oberen sich nun verschafft. Erstmals wird der zweimalige Welttrainer damit länger als vier Jahre bei einem Klub unter Vertrag stehen.

Seit 80ern blieb kein City-Trainer länger als Guardiola

Für den Coach ist das eine Zäsur. Gewissermaßen schmeißt Guardiola damit seine eigenen Prinzipen über Bord. Denn einen längerfristigen Verbleib in Barcelona und in München lehnte er noch unter dem Hinweis ab, ein Trainer würde sich allzu schnell abnutzen.

Anzeichen dafür wollen er und die Führungsfiguren bei City trotz des Stotterstarts in der Liga noch nicht sehen. Wobei sich die Erweiterung des Kontraktes auch so lesen könnte: Guardiola, der jetzt schon länger im Amt ist als alle Vorgänger seit den 1980ern, hat in Manchester einen ähnlichen Status wie Messi in Barcelona erreicht. Es wirkt, als wäre er unantastbar.

Manchester ist längst zur Komfortzone geworden

Obwohl es in der vergangenen Saison nicht mehr zu feiern gab als den Ligapokal und den Superpokal. Bei früheren Stationen hätte das den Zweifler Guardiola wohl ins Grübeln gebracht. Nicht aber in seiner Komfortzone, die er sich auch mit Hilfe seiner Vertrauten und Weggefährten Ferran Soriano und Txiki Begiristain geschaffen hat.

In England fand das einstige Barca-Trio wieder zusammen. Auf dem Foto zur Vertragsverlängerung umrahmen der Geschäftsführer und der Sportdirektor den Trainer, während der den Stift ansetzt.

Und irgendwie erweckt das alles doch den Anschein, als handele es sich nur um einen Wegbereiter. Für den nächsten Neuankömmling mit Barca-Vergangenheit.

Marcus Giebel

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