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München - Der englische Traditionsklub Newcastle United wird von einem saudi-arabischen Staatsfonds übernommen.

Was sich in den letzten Tagen andeutete, wurde nun von der Premier League bestätigt.

Aller guten Dinge sind - zwei?

Noch im vergangenen Jahr lehnte die Premier League eine Übernahme ab, weil der katarische Sender "beIN Sports" in Saudi-Arabien verboten war. Dieser besitzt die Rechte der Premier League im "Golf-Raum". Saudi-Arabien löste dieses "Problem" auf eigene Weise und ließ einen Sender das katarische Signal kurzerhand kopieren und weiterverbreiten. Ein Umstand, der in der Premier League natürlich nicht gerne gesehen war.

Das Verbot wurde in der Folge gekippt, "beIN Sports" zeigt nun auch offiziell in Saudi-Arabien die Premier League. Somit sind alle Animositäten aus dem Weg geräumt, der Weg in Richtung einer Übernahme von Newcastle United scheint frei. 

Umgerechnet 350 Millionen Euro müsste der saudische Staatsfonds, "Public Investment Fund", in die Hand nehmen. Die Premier League setzt eine Bedingung voraus. Der Klub darf nicht in die Hand des Staates fallen, deswegen der Weg über den Staatsfond, der unter Kontrolle von Kronprinz Mohammed bin Salman steht. 

"Sportswashing" im großen Stil

Bin Salman betreibt seit Jahren "Sportwashing" im großen Stil. Über große Sportevents soll der Ruf des Landes verbessert werden. Ein Land, das erst im Oktober 2018 mutmaßlich den Tod des kritischen Journalisten Jamal Kashoggi in Auftrag gab, der daraufhin im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet wurde.

Anfang 2018 schloss die nordamerikanische Wrestling-Liga WWE einen Zehn-Jahres-Deal mit Saudi-Arabien ab, der mehrere Shows pro Jahr garantiert. Am 21. Oktober dieses Jahres findet das mittlerweile sechste Event statt. Die Formel 1 wird im Dezember 2021 zum ersten Mal auf einer Rennstrecke in Saudi-Arabien zu Gast sein.

Das Prinzip des "Sportswashing" wurde in den letzten Jahren vor allem von Katar betrieben. Auch hier ist die Formel 1 in diesem Jahr zum ersten Mal zu Gast, 2015 fand die Handball-WM in Katar statt, im Winter 2022 die Fußball-WM, Paris St. Germain ist im Grunde ein riesiges "Sportswashing-Projekt".

Rund 350 Millionen Gründe, wegzuschauen

Der Premier League scheint indes egal zu sein, an wen einer der traditionsreichsten Klubs verkauft wird.

Und auch den Fans ist eine glorreiche Zukunft anscheinend wichtiger. Im Gespräch mit der "Sportschau" antwortete Thomas Concannon, stellvertretender Vorsitzender der Fan-Organisation "Newcastle United Supporters Trust", auf die Frage nach Bedenken aufgrund offensichtlicher Menschenrechtsverletzungen durch die neuen Besitzer: "Wenn, dann sind sie minimal. Die breite Mehrheit der Fans ist gespannt, was die Zukunft nun sportlich bereit hält."

Die Premier League und die Fans scheinen wegzuschauen. Die Frage nach dem Warum darf jeder selbst für sich beantworten.

Die letzte Meisterschaft feierte Newcastle United 1927, der letzte Pokalsieg konnte 1955 errungen werden.

Nach sieben Spieltagen in der Premier League steht Newcastle mit drei Punkten auf dem 19. Platz. Und ist auf einmal einer der reichsten Vereine der Welt. Mit der Übernahme scheint auch das Aus von Trainer Steve Bruce beschlossen Sache, nur der Zeitpunkt ist noch unklar.

Das Ziel ist klar: in naher Zukunft mit Paris. St. Germain, Manchester City und Co. zu konkurrieren.

Philipp Schmalz

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