Granit Xhaka - Bildquelle: gettyGranit Xhaka © getty

ran.de: Herr Xhaka, der 4:1-Erfolg gegen Schalke, gleichzeitig die Generalprobe für die Europa-League-Partie gegen den FC Villareal, ist sehr eindrucksvoll ausgefallen. Ist das die beste Borussia, seit Sie in Mönchengladbach sind?

Granit Xhaka: Das ist schwer zu vergleichen. Aber wenn man Schalke 4:1 schlägt, eine Mannschaft mit sehr großem Potenzial, dann steht außer Frage, dass wir ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht haben.

ran.de: Borussia hätte noch drei, vier Tore mehr erzielen können ...

Xhaka: Das stimmt. Aber wir hätten vielleicht auch zwei Treffer mehr bekommen können, wenn Yann (Sommer; d. Red.) nicht ein paar Mal so hervorragend reagiert hätte. Und wir sollten nicht vergessen, dass wir in den beiden ersten Spielen jeweils nur einen Punkt geholt haben. Andererseits haben wir unsere anderen beiden Ziele erreicht und sind in der Europa League dabei und im DFB-Pokal eine Runde weiter.

ran.de: Sie sind im dritten Jahr bei Borussia und haben beobachtet, wie Trainer Lucien Favre die Mannschaft peu à peu nach seinen Vorstellungen geformt hat.

Xhaka: Der Trainer hat die Mannschaft Saison für Saison weiter entwickelt. So sind zu dieser Saison mit André Hahn, Ibrahima Traoré, Fabian Johnson und Thorgan Hazard sehr schnelle und torgefährliche Spieler gekommen und mit Yann Sommer ein Top-Keeper, der zudem ein sehr guter Fußballer ist, den wir immer wieder ins Spiel einbeziehen können. Wir haben jetzt einen großen Kader mit enorm viel Potenzial. Den werden wir aber brauchen angesichts der vielen Spiele, die auf uns zukommen.

ran.de: Jede Position ist in der Tat doppelt besetzt; wie hält der Trainer diejenigen bei Laune, die nicht in der Startelf stehen, wie etwa Patrick Herrmann?

Xhaka: Die Stimmung in der Truppe ist hervorragend, auch bei den Spielern, die vielleicht nicht von Anfang an spielen. Nehmen wir doch zum Beispiel Patrick. Der hat in der vergangenen Saison immer in der Startelf gestanden, muss im Augenblick aber anderen schon mal den Vortritt lassen. Dann aber kommt er gegen Schalke in der zweiten Halbzeit ins Spiel und bereitet sofort einen Treffer vor. Das zeigt doch, dass alle an einem Strang ziehen. Bei uns kann jeder ein Spiel entscheiden, auch die Spieler, die von der Bank kommen. Wir haben in den kommenden zweieinhalb Wochen sechs Spiele und jeder wird seine Chance bekommen.

ran.de: Sie sind aktuell gesetzt; danach sah es in der Rückrunde der vergangenen Saison nicht zwingend aus...

Xhaka: Stimmt schon. Mein erstes Jahr war sicher ein wenig unglücklich, das zweite ist dann eigentlich ganz gut gelaufen - bis zu meiner gelb-roten Karte in der Rückrunde im Spiel in Freiburg (2:4; d. Red.).

ran.de: Sie waren unzufrieden und es soll im Sommer Angebote von italienischen Top-Klubs gegeben haben ...

Xhaka: Das stimmt, diese Angebote gab es. Aber es war nie meine Absicht, die Borussia zu verlassen. Ich habe in Mönchengladbach Freunde gefunden, auch außerhalb der Mannschaft, und fühle mich richtig wohl hier. Klar hat es etwas geschmerzt, dass Peniel (Mlapa; d. Red.) uns verlassen hat, der mein engster Freund in der Mannschaft war. Dafür ist mit Yann aber einer gekommen, den ich aus unserer gemeinsamen Zeit in Basel und bei der Schweizer Nationalmannschaft sehr gut kenne. Ich kann also guten Gewissens sagen, dass ich jetzt bei Borussia angekommen bin. Im Moment passt alles!

ran.de: ... und Sie sind jetzt sogar für die Freistöße zuständig ...

Xhaka: Zumindest ist es abgemacht, dass ich die Freistöße aus größerer Distanz übernehme, weil ich auch aus 30 Metern noch einen ziemlich harten Schuss habe (lacht).

ran.de: Gegen Sarajevo im Europa-League-Playoff-Rückspiel ist Ihnen beim 7:0 auch aus dem Spiel heraus ein sehr schöner Kracher gelungen...

Xhaka: Stimmt. Man spürt jetzt, dass das Selbstvertrauen da ist und dass es sich auszahlt, dass ich nach dem Training immer noch ein paar Distanzschüsse übe.

ran.de: Hat die WM-Teilnahme Ihr Selbstvertrauen noch einmal gestärkt?

Xhaka: Ich glaube, eine WM lässt sich nicht vergleichen mit den Spielen in der Liga. Gegen Top-Teams wie Argentinien oder Frankreich anzutreten ist ein Traum. Leider sind wir gegen die Argentinier ausgeschieden (0:1 nach Verlängerung im Achtelfinale; d. Red.), auch wenn wir dabei durchaus ein wenig Pech hatten. Mitgenommen habe ich aus diesem Turnier aber, dass man selbst die ganz Großen ärgern kann, wenn alle an einem Strang ziehen und jeder alles für die Sache gibt.

ran.de: Was war das für ein Gefühl gegen Lionel Messi anzutreten?

Xhaka: Messi ist für mich der beste Spieler der Welt. Aber auch di Maria oder Aguero sind großartig. Solche Topstars kann man nur als Team stoppen. So wie es Borussia am Samstag gegen Schalke gemacht hat. Alvaro (Dominguez; d. Red.) hat nach dem Spiel gesagt: "Jeder hat einen richtig guten Job gemacht. Wir waren wie Brüder auf dem Platz, wie eine Familie." Das trifft es exakt. Und dann ist alles möglich.

ran.de: Ihr Mannschaftskamerad Christoph Kramer ist als Weltmeister aus Brasilien zurückgekehrt ...

Xhaka: Christoph hat sich die WM-Teilnahme und alles, was für ihn damit verbunden ist, durch seine tolle Saison bei Borussia wirklich verdient. Und dann wird er auch noch Weltmeister! Selbstverständlich gönnt ihm jeder diese tolle Erfahrung. Aber jetzt ist wieder Alltag, und das weiß er auch. Deshalb ist er bei Borussia genauso fokussiert wie er es in Brasilien bei der deutschen Nationalmannschaft war.

ran.de: Am Donnerstag startet Borussia in die Europa League, zu Gast ist Villareal; was wissen Sie über dieses Team?

Xhaka: Ich habe mir Ende August die Liga-Partie von Villareal gegen den FC Barcelona angesehen. Villareal hat zwar zuhause 0:1 gegen Barca verloren, aber man hat gezeigt, dass es sehr schwer ist, diese sehr kompakte Truppe, die auf ein 4-3-3 setzt, zu besiegen. Das wird also eine schwierige Aufgabe. Aber wir spielen zuhause, vor unseren Fans, und wir wollen natürlich die drei Punkte hier behalten.

ran.de: Ein weiterer Gegner ist der FC Zürich, den Sie gut kennen...

Xhaka: Den FC Zürich kenne ich aus meiner Zeit in der Schweizer Liga sehr gut. Zurzeit ist der FC der größte Konkurrent des FC Basel, aktuell steht man in der Tabelle sogar vor Basel, auf Platz eins! Zürich verfügt wirklich über eine sehr starke Mannschaft, die neuerdings hinten mit einer Dreierkette spielt. Ein unangenehmer Gegner.

ran.de: Wie der 1.FC Köln, zu dem Borussia am Sonntag muss; das wird dann Ihr erstes rheinisches Derby sein ...

Xhaka: So ziemlich das allererste, was man mir erzählt hat, als ich vor zwei Jahren zur Borussia gekommen bin, war, dass das Spiel gegen den FC immer ein Sechs-Punkte-Spiel ist und für Borussia dasselbe bedeutet wie für Schalke das Spiel gegen den BVB. Derbys sind nun einmal etwas ganz Besonderes, und ein Derby will niemand verlieren. Im Gegenteil: Wir wollen am Sonntag in Köln gewinnen!

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