Steffen Baumgart saß in Nizza aufgrund einer Speere auf der Tribüne - Bildquelle: ImagoSteffen Baumgart saß in Nizza aufgrund einer Speere auf der Tribüne © Imago

Köln - Trainer Steffen Baumgart vom 1. FC Köln hat sich am Tag nach den schweren Krawallen in Nizza stark mitgenommen gezeigt. "Ich halte mich nicht für den ängstlichsten Menschen", sagte der 50-Jährige am Freitagmittag am Kölner Geißbockheim: "Aber ich glaube, ich brauche eine ganze Weile, um das zu verarbeiten. Das wird mich lange begleiten."

Was er vor dem Anpfiff des Conference-League-Spiels bei OGC Nizza (1:1) erlebt habe, "war einfach nackte Gewalt. Das ist schon beängstigend, meine Familie war ja auch auf den Plätzen. Ich war genauso fassungslos wie ganz viele andere Menschen."

Baumgart war nach einer Gelb-Roten Karte aus den Playoffs gesperrt und musste das Spiel aus einer Loge verfolgen. Er sah daher aus nächster Nähe, wie sich Vermummte aus dem Kölner Block auf den Weg zu den Heimfans machten.

Baumgart versuchte einzuschreiten

"Ich dachte, dass ich dagegenwirken kann und habe es auch versucht", sagte er, "aber die haben durch mich durch geguckt." Nur wenige Ordner stellten sich in dieser Phase weit vor Anpfiff in den Weg, Polizei war noch nicht im Stadion, die Lage eskalierte dann schnell.

"Ich glaube, dass man es hätte verhindern können", sagte Baumgart, die Sicherheitsmaßnahmen seien "nicht ausreichend" gewesen. Es sei nun Aufgabe beider Vereine, alles gemeinsam aufzuarbeiten.

Insgesamt wurden 32 Menschen verletzt, ein Franzose stürzte vom Oberrang, soll mittlerweile aber außer Lebensgefahr sein. "Ich habe den jungen Mann da runterstürzen sehen, da bist du einfach nur geschockt", sagte Baumgart. Für Baumgart war es zudem eine traurige Premiere, "mein erster internationaler Auftritt als Trainer. Das wird für immer damit verbunden sein."

Die Gewaltexzesse weckten zudem Erinnerungen. Anfang der 1990er-Jahre sei er "in der Bereitschaftspolizei" gewesen, "und genau aus diesen Gründen bin ich dort ausgeschieden, weil ich so etwas nicht erleben wollte. Es ist nicht einfach für mich, damit umzugehen."

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